Börsentrend Spacs - Anleger kaufen die Katze im Sack

E-Scooter-Vermieter-Bird. Das Unternehmen will über einen Spac sehr bald an die Börse gehen.

Die Deutsche Schutz­ver­einigung für Wert­papier­besitz (DSW) mahnt zur Vorsicht vor Aktiengesell­schaften ohne eigenes Geschäft. Jella Benner-Heinacher vom DSW im Interview.

Was sind denn Spacs genau?

Börsentrend Spacs - Anleger kaufen die Katze im Sack

Jella Benner-Heinacher aus der Geschäfts­führung der DSW.

Spacs steht für Special Purpose Acquisition Companies – das sind börsennotierte Aktiengesell­schaften, die kein operatives Geschäft haben und zum Zeit­punkt des Börsengangs nur eine leere Firmenhülle darstellen.

Ziel ist es, mit dem einge­sammelten Kapital inner­halb von 24 Monaten attraktive Unternehmen (nicht börsennotiert) zu kaufen und diese erfolg­reich zu führen. So soll es beim E-Scooter-Vermieter Bird laufen. Im Erfolgs­fall könnte sich der Aktienkurs positiv entwickeln. Im Mittel­punkt steht die Person des Gründers oder Initiators, der im Ideal­fall wichtige Expertisen aus der Branche, in die er investieren will, mitbringt. Am Ende geht es um die Frage, ob Anleger an den Erfolg des Gründers bei der Auswahl von geeigneten Unternehmen glauben – eine sehr subjektive Grund­lage für eine Anla­geent­scheidung.

Woran erkennen Anleger, dass es sich bei einer Aktie um ein Spac handelt – und nicht um ein herkömm­liches Unternehmen?

Häufig enthält bereits der Name der Aktie den Begriff Spacs, so wie im Fall des Lake­star I Spac. Aktuell werden diese Gesell­schaften meist in Luxemburg gegründet, da nach deutschem Recht eine Rück­abwick­lung und Rück­gabe der Aktien an die Aktionäre nicht vorgesehen ist.

Da über diese Konstruktion auch dem Privat­anleger der Einstieg in junge Start-up-Unternehmen möglich wird, wird das Investment auch als „Private Equity für den kleinen Mann“ bezeichnet mit allen damit verbundenen Chancen und Risiken.

Wo liegen die zusätzlichen Risiken bei dieser Art von Investments?

Wie bei allen Investments muss es zu dem Anla­gepro­fil des Investors passen. Fest steht zunächst, dass ein Investment in Spacs, auch wenn es mit 10 Euro je Aktie preis­wert erscheint, nichts für vorsichtige Anleger ist, da diese die „Katze im Sack“ kaufen.

Sie wissen beim Börsengang weder welche Unternehmen zugekauft werden sollen noch ob dies erfolg­reiche Gesell­schaften sein werden. Bei der zunehmenden Konkurrenz um erfolg­reiche Start-ups gibt es die Gefahr, dass diese zu teuer gekauft werden.

Möglich ist auch, dass inner­halb der 24 Monate keine attraktiven Über­nahme­ziele gefunden werden und die Spac-Gesell­schaft rück­abgewickelt wird. Hier liegt ein weiteres Risiko für den Aktionär: Er erhält zwar seinen Einstands­kurs zurück, allerdings unter Abzug aller Kosten inklusive möglicher Vergüns­tigungen für die Gründer.

Studien aus den USA, wo Spacs in den letzten fünf Jahren ein echter Anla­getrend waren, zeigen, dass die teil­weise horrenden Kosten den Anla­geerfolg sehr schmälern können.

Sind die Zulassungs­bestimmungen für ein Börsen­listing aus Ihrer Sicht zu lax?

Aktuell bieten viele Börsen den Spacs erleichterte Zugangs­bedingungen an, um den Börsengang attraktiver zu machen. Allerdings hat jetzt auch die Europäische Börsen­aufsicht Esma die Spacs unter genauere Beob­achtung genommen. Es ist also nicht auszuschließen, dass es zumindest für Privat­investoren zu weiteren Beschränkungen beim Einstieg in diese Anlageform kommt.

Für welche Anleger könnte so etwas infrage kommen? Oder raten Sie grund­sätzlich von Spacs ab?

Die Entscheidung für ein Investment muss grund­sätzlich jeder selbst treffen. Dabei sollte er oder sie allerdings genau prüfen, welches Ziel er oder sie bei der Anlage verfolgt und ob das Anla­gepro­dukt – hier der Spacs – dazu passt. Außerdem besteht bei der Anlage in Aktien immer das Risiko des Total­verlusts. Wichtig ist vor allem, dass Sie als Anleger den Börsen­zulassungs­prospekt vor der Entscheidung genau lesen, denn dort wird ausführ­lich über alle Chancen und Risiken berichtet.

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