Börsentermingeschäfte Meldung

Im schmucken, gutbürgerlichen Schmalkalden hatten die Vermittler von Phoenix leichtes Spiel. Etwa 3 000 Bürger glaubten an die großen Gewinne.

Mit Scheingeschäften haben Geldhaie der Firma Phoenix über 30 000 Anleger geschädigt. Doch nicht alles Geld ist verloren. Finanztest erklärt, wie Anleger Geld zurückholen können.

Man glaubt es kaum. Aber die ProIndex GmbH aus Suhl wirbt noch immer für alternative Investments à la „Managed Account“ auf ihrer Homepage. Dabei ­haben die ProIndex-Vermittler mit einem solchen Angebot, das sie im Auftrag der in Frankfurt am Main sitzenden Wertpapierhandelsbank Phoenix Kapitaldienst GmbH vermittelten, schon sehr viele ­Anleger geschädigt. Bundesweit rieten 30 bis 40 Vermittler, die als Einzelberater oder für Firmen wie ProIndex arbeiteten, ­Kunden zu Investitionen in das Konto „Phoenix Managed Account“. Dort könne man mit Börsentermingeschäften „auf die schnelle Art viel Geld verdienen“, heißt es im Prospekt.

Rund 300 Millionen Euro verschwanden, bis die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) Phoenix wegen Ungereimtheiten in den Kontounterlagen dichtmachte.

Allein 100 Millionen Euro davon sollen von Anlegern aus Südthüringen gekommen sein. Hier warben Finanzfirmen ­besonders erfolgreich für riskante Phoenix-Geschäfte – und kassierten satte Provisionen. Schaubilder gaukelten Wertentwicklungen vor, die es nie gegeben hatte.

Die Vermittler von Finanzfirmen wie ProIndex oder der Innofinanz in Schmalkalden nutzten dabei alte Kontakte aus ­früheren DDR-Zeiten. In ­Windeseile machten die angeblichen ­tollen Renditen des „Phoenix Managed Accounts“ so beispielsweise in Schmalkalden die Runde. Einige Tausend der 18 000 Einwohnerstadt mit ihren schönen Fachwerkhäusern im Thüringer Wald wollten Nachbarn, Kollegen und Sportsfreunden nicht nachstehen und am schnellen Geldverdienen teilhaben. Doch das ging schief.

Plumpe Fälschungen

Börsentermingeschäfte Meldung

Warum die von der Finanzaufsicht ein­gesetzten Sonderprüfer der Wirtschaftsprüfergesellschaft Ernst & Young 2002 die „fiktiven Trades“ auf dem Phoenix Managed Account nicht bemerkten, ist Insolvenzverwalter Frank Schmitt von der Rechtsanwaltsgesellschaft für Insolvenzverwaltung Schulze & Braun schleierhaft.

Bereits eine einfache Internetrecherche hätte zutage gebracht, dass die ausgewiesenen Renditen von um die 30 Prozent weltweit bei Hedgefonds nicht erzielt wurden. Ein simpler Anruf beim Londoner Broker hätte zudem genügt, um festzustellen, dass es das als „M 45“ bezeichnete Konto gar nicht gab.

Auch hätten der frühere Wirtschafts­prüfer Godehard Puckler und die Sonderprüfer die plumpen Fälschungen leicht ­erkennen können, erklären die Experten von Schulze & Braun. So seien Saldenbestätigungen jahrelang auf primitiv nachgemachten Briefbögen des Londoner Brokers ausgestellt worden.

Vorwürfe erhebt Schmitt auch gegen den Londoner Broker. Nur 5 Prozent des Anlegergeldes seien dort tatsächlich gehandelt worden. Das hätte den Mitarbeitern des Brokers bei den regelmäßigen Treffen mit den Phoenix-Leuten auffallen müssen.

232 Millionen Euro sichergestellt

Bisher konnte Schmitt rund 232 Millionen Euro von 500 Millionen Euro tatsächlich eingezahlten Geldern sicherstellen. ­Etwa 250 Millionen Euro gingen für ­Provisionen und Gewinnbeteiligungen von Phoenix-Mitarbeitern drauf. Bei ­weiteren 300 Millionen verschwundenen Euro handelt es sich um Scheinumsätze und -gewinne. 22 Millionen Euro hofft Schmitt noch von der Erbengemeinschaft des im Privatjet von Phoenix im letzten Jahr tödlich verunglückten Firmenchefs Dieter Breitkreuz zurück zu bekommen. Dorthin waren noch kurz vor der Schließung der Firma 16 Millionen Euro geflossen. Darunter auch die Versicherungssumme für den Privatjet der Firma.

Gläubigerversammlung im Oktober

Über die Einzelheiten des Verfahrens will Schmitt die Geschädigten am 5. Oktober 2005 bei einer Gläubigerversammlung im Congress Centrum der Messe Frankfurt informieren. Die Einladungen hierzu sollen im Juli verschickt werden. Informationen sind aber auch schon vorher auf der Homepage des Insolvenzverwaltung unter www.schubra.de abrufbar.

Auch die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft Frankfurt sind für Anleger interessant. So wird wegen des Verdachts des Betrugs, des Anlagebetrugs und der Untreue gegen Phoenix-Verantwortliche ermittelt. Ein Prokurist und eine Geschäftsführerin der Firma wurden im Juni verhaftet. Anlegern seien auf gefälschten Kontoauszügen Umsätze und Gewinne vorgetäuscht worden, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Zudem sei Anlegergeld für eigene Zwecke und für Phoenix verwendet worden. Schließlich habe Phoenix im Prospekt „Managed Account“ mit unrichtigen ­Angaben geworben.

So können Anleger Geld retten

Trotzdem ist nicht alles Geld verloren. ­Anleger können verlorenes Geld über ­verschiedene Wege zurückzuholen. Erste Anlaufstelle ist die Entschädigungseinrichtung der Wertpapierhandelsunternehmen (EdW) in Berlin, in der Phoenix Mitglied ist. Da die Bafin den Entschädigungsfall festgestellt hat, muss die EdW, die unabhängig vom Insolvenzverwalter arbeitet, 90 Prozent der jeweiligen Anlage, maximal aber 20 000 Euro pro Privatanleger ersetzen (www.e-d-w.de). Nicht ersetzen will die EdW allerdings Gewinne, die nur ­vorgetäuscht wurden.

Anleger sollten deshalb auch alle Ansprüche beim Insolvenzverwalter anmelden. Sie können dann von der EdW nicht erstattete Schäden teilweise aus der Insolvenzmasse erhalten. Erste Zahlungen wird es jedoch erst in etwa fünf Jahren geben. Denn bevor sichergestellte Gelder ausgeschüttet werden, muss gerichtlich geklärt werden, ob Anleger nur tatsächlich eingezahltes Geld oder auch vorgetäuschte Gewinne als Schaden geltend machen können.

Anleger, deren Schäden sehr groß sind, sollten von einem Anwalt Ansprüche gegen Phoenix-Verantwortliche, gegen Wirtschaftsprüfer, den mit Phoenix zusammenarbeitenden ausländischen Broker sowie gegen Vermittler oder Vermittlerfirmen prüfen lassen. Anleger sollten sich ­dabei Klagen gegen Vermittler nicht aus­reden lassen. Vor allem dann nicht, wenn der Vermittler eine Berufshaftpflichtversicherung hat, die bei einer Verurteilung wegen Falschberatung zahlt. Auch Finanzvertriebe haben in der Regel genug Geld, um Schäden zu ersetzen. Gute Aussichten also für Anleger, denen Phoenix-Vermittler viel zu viel versprochen haben.

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