Finger weg von Xetra

Xetra steht für Exchange Electronic Trading und ist das elektronische Handelssystem der Deutschen Börse in Frankfurt am Main. Kursmakler, wie sie der ­ gleichfalls computergestützte ­ Parketthandel kennt, werden nicht benötigt.

Die Deutsche Börse preist die geringen Gebühren des elektronischen Handels: Kostet die 100.000-Mark-Order im Parkett 35 Mark, sind es in Xetra gerade mal 7 Mark. Wohlgemerkt: Es handelt sich bei diesen Summen um die Gebühren, die die Banken bezahlen müssen. Die Kunden haben von dem Preisvorteil nicht viel: Sie zahlen ­ gleich, ob ihre Bank den Auftrag ins Parkett oder den elektronischen Handel gibt ­ pro Order im Schnitt 1 Prozent vom Kurswert. Hinzu kommt eine pauschale Abwicklungsgebühr, die um die 10 Mark beträgt. Direktbanken sind in der Regel günstiger.

Fragt man die Banken, warum sie den Preisvorteil von Xetra nicht an die Kunden weitergeben, verweisen sie auf horrende jährliche Nutzungsentgelte, die sie für das System zahlen müssten. Aus diesem Grund belegen manche Institute die Xetra-Orders sogar mit einen Zuschlag.

Dennoch bietet Xetra einen Vorteil: Weil es sich um ein vollautomatisches System handelt, erübrigen sich Maklergebühren. Das sind bei Dax-Werten 0,4 Promille und bei allen anderen Aktien 0,8 Promille vom Kurswert. Der Nachteil: Xetra bietet nicht unbedingt den besten Kurs. Große Umsätze, die Voraussetzung sind für einen fairen Preis, gibt es regelmäßig nur bei den viel gehandelten Papieren des Deutschen Aktienindexes Dax ­ und das gilt nicht für alle, sondern etwa die Hälfte der dort notierten Werte.

Xetra führt selbstständig die Kauf- und Verkaufsaufträge zusammen, die zueinander passen. Anders als ein Kursmakler überlegt sich das System dabei nicht, ob es sich um plausible Preise handelt, die dabei herauskommen. Solange Käufer und Verkäufer ihre Aufträge mit einem Limit versehen, also einem Preis, den sie höchstens zahlen beziehungsweise mindestens bekommen wollen, funktioniert das ganz gut. Geht jemand ohne oder mit einem ungenauen Limit in den Markt ­ was einem Privaten durchaus passieren kann ­ läuft er Gefahr, über den Tisch gezogen zu werden. Wenn Profis, die Einblick ins System haben, ein solches Schnäppchen entdecken, greifen sie zu. Gibt man eine nicht oder falsch limitierte Order in den Parketthandel, ist das nicht schlimm: Die Makler müssen marktnahe Preise machen.

Lästige Teilausführungen

Die Makler sind zudem angehalten, die Aufträge auszuführen wie sie erteilt werden. Wenn ein Anleger 1.000 T-Aktien verkaufen will, sucht der Makler einen Kaufinteressenten für exakt diese Menge. Findet er statt dessen fünf, die jeweils 200 T-Aktien haben wollen, tritt er selbst ins Geschäft ein. Das hat zur Folge, dass der Verkäufer eine Abrechnung für 1.000 T-Aktien und die fünf Käufer je eine Abrechnung über 200 T-Aktien bekommen. Xetra überlegt erstens nicht und hat zweitens auch kein Geld zur Verfügung, um selbst einzusteigen. Daraus wiederum folgt: Der Auftrag wird teilausgeführt, der Verkäufer erhält fünf verschiedene Abrechnungen mit fünf verschiedenen Kursen und zahlt fünfmal die banküblichen Gebühren.

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Lassen Sie die Finger von Xetra. Sie sparen sich unnötigen Ärger.

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