Börsenplätze Meldung

Konkurrenz belebt das Geschäft: Während die großen Börsen fusionieren, profilieren sich die kleineren Regionalbörsen ­ zur Freude der Privatanleger.

Die Börsen in Paris, Amsterdam und Brüssel gründen die gemeinsame Euronext. Frankfurt fusioniert mit Londons Stock Exchange zur iX und nimmt wohl noch die New Yorker Nasdaq mit ins Boot. Zürich, Mailand und Madrid überlegen sich, ob und wo sie mitmischen wollen. Es ranken sich die Gerüchte um die Gründung einer weltumspannenden Megabörse mit Sao Paulo, Sydney, Tokio ­ und die privaten Anleger fragen sich, was sie das alles angeht.

Als im April die Nachricht über die englisch-deutsche Allianz die Runde machte, ging sofort die Sage von sinkenden Gebühren. Weil die neue iX, kurz für International Exchange, Synergieeffekte erziele, käme das letztlich dem privaten Anleger zugute. Jedoch Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) ist der Ansicht, die Banken könnten für den Handel im ausländischen London auch höhere Gebühren verlangen. Mittlerweile hat sich die Meinung breit gemacht, dass die großen Investoren durch die Fusion zwar Kosten einsparen, doch die kleinen Anleger die Vorteile nicht zu spüren bekommen. Das gemeinsame und bald einzige Handelssystem der beiden Börsen wird voraussichtlich das vollautomatische deutsche Xetra sein. Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hält es "für die Zukunft", jedoch "bei kleinen Werten für ungeeignet".

Die Solidarität der Kleinen

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Da fragt sich der Private: "Was geschieht mit mir?" ­ "Keine Bange", schallt es ihm siebenfach entgegen. Die Regionalbörsen haben die Zeichen der Zeit erkannt und richten, übrigens nicht erst seit diesem Jahr, ihre Geschäfte auf die Privatanleger aus.

Die Bremer Wertpapierbörse bewegte sich als erste und verlängerte die Handelszeiten von 10.30 Uhr bis 13.30 auf 15.45 Uhr. Heute ist 9.00 bis 20.00 Uhr üblich. Gleichzeitig setzte Bremen gemeinsam mit Stuttgart die Orderstückelung von hundert auf eine Aktie herab. Das brachte der Bremer Börse im Jahr 1998 ein riesiges Auftragsplus. Den anderen blieb nichts übrig, als es der Hansestadt nachzutun.

Seit vergangenem Jahr beträgt an allen Börsen, auch an der großen Frankfurter, der Mindestschluss, wie es heißt, eins. Seither können Papiere auch im variablen Handel in jeder beliebigen Stückelung geordert werden ­ ein tolles Angebot an Kleinaktionäre. Bis dahin waren kleinteilige Orders nur am Kassamarkt möglich, an dem es einmal pro Tag oder manchmal gar keinen Preis gab.

Am meisten davon profitiert hat Berlin. Dort ist die Zahl der abgewickelten Geschäfte, im Fachjargon Schlussnoten genannt, von 5,1 Millionen (1998) auf 8,1 Millionen (1999) angestiegen. Je größer die Zahl der Schlussnoten, desto häufiger gibt es einen Kurs. Das wiederum garantiert einen guten Preis.

Hilfe bei der Suche

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Allein an der Zahl der abgewickelten Geschäfte kann sich der private Anleger auf der Suche nach dem für ihn günstigsten Börsenplatz freilich nicht orientieren. Es kommt vielmehr darauf an, wie viel Geld mit wie vielen Aufträgen umgeschlagen wird. Den Umsatz an einer Börse misst am besten die Orderbuchumsatzstatistik.

Vergleicht man die Umsätze der neun deutschen Börsen, ergibt sich für die Computerbörse Xetra ein Marktanteil von 47,3 Prozent. Zählt man die Geschäftsabschlüsse, macht der Anteil von Xetra an den Geschäften aller deutschen Börsen lediglich ein Fünftel aus. Es überwiegen die großen Aufträge. Das zeigt, dass Xetra vor allem von professionellen Investoren wie Investmentgesellschaften und Banken genutzt wird.

Eine Bank mischt sich ein

Die im Verhältnis zum Umsatz meisten Geschäfte wickelt die Börse in Berlin ab. Deren Sprecherin Eva Klose bestätigt dann auch, dass im vergangenen Jahr viele private Anleger den Handelsplatz in der Hauptstadt entdeckt haben ­ unter anderem ein Verdienst der Direktbank Consors, die viele Aufträge nach Berlin leitet. Weil Wertpapierorders nie direkt, sondern immer über Banken an die Börsen gehen, haben die Institute einigen Einfluss auf deren Geschäfte. Den Angaben von Consors zufolge sollen mehr als 10 Prozent des Berliner Ordervolumens aus Nürnberg stammen. Die Direktbank will aus der Berliner Börse eine Leitbörse für private Anleger machen. Locken will Consors die Privaten mit geringen Gebühren und dem Best-Price-Prinzip. Berlin als die größte Börse für ausländische Nebenwerte soll dazu genau auf die Bedürfnisse der Consors-Kunden zugeschnitten sein, behauptet eine Sprecherin der Direktbank.

Die Börsen und ihre Profile

Tatsächlich können die anderen deutschen Börsen, was die Zahl der ausländischen Aktien angeht, nicht mit Berlin mithalten. Ein eigenes Profil zeigt freilich jede. In der Hauptstadt sind vor allem die amerikanische Technologiebörse Nasdaq, Osteuropa und Russland präsent. Hamburg hat sich auf Unternehmen aus der Türkei spezialisiert und bietet außerdem einen Leckerbissen für risikofreudige Investoren: Am High-Risk-Market gibt es Aktien vom hochspekulativen amerikanischen OTC Bulletin Board: Dort wird mit Papieren gehandelt, die weder an der Nasdaq noch an anderen US-Börsen gelistet sind, weil sie die Zulassungskriterien nicht erfüllen.

Die Stärke der mit Hamburg in der Börsen AG verbandelten Niedersächsischen Börse Hannover ist der Rentenmarkt, der Markt der Anleihen. Gemessen an der Zahl der Geschäftsabschlüsse ist Hannover die kleinste deutsche Börse, gefolgt von Bremen. Auch in Bremen gibt es die Nasdaq-Werte, alle Aktien aus dem Dax, dem Euro Stoxx und dem Neuen Markt und regionale Papiere. Düsseldorf bietet ebenfalls alle Standardwerte feil und setzt darüber hinaus einen Schwerpunkt auf Japan.

Eigene Ideen

Die Bayerische Börse besticht mit dem Prädikatsmarkt, einem Segment für junge, innovative Unternehmen: Ähnlich wie am Frankfurter Neuen Markt gelten für die Firmen strenge Publizitätsvorschriften: Sie müssen regelmäßig Geschäftszahlen veröffentlichen und wichtige Entwicklungen "ad hoc" mitteilen. Dazu gibt es in München seit Mai den Prädikatsmarkt Select, den die Bayerische Börse als Ergänzung zum Geregelten Markt gegründet hat. Bislang ist dort erst ein mittelständischer Betrieb notiert. "Geplant ist ein weiteres Segment parallel zum Amtlichen Handel", heißt es aus München.

Fehlt noch Stuttgart. Die Baden-Württembergische Börse ist sowohl was die Zahl der Schlussnoten als auch den Orderumsatz angeht, die zweitgrößte Präsenzbörse nach dem Frankfurter Parkett ­ mit großem Abstand vor den anderen regionalen Börsen. Stuttgart ist vor allem durch den Optionsscheinhandel bekannt. Sonstige Schwerpunkte sind ausländische Aktien, insbesondere aus der Türkei und Österreich.

Allen sieben Regionalbörsen gemeinsam sind die Anstrengungen, die sie in Sachen Fortbildung unternehmen: Jede Börse bietet Seminare an, die sich sowohl für Einsteiger als auch Fortgeschrittene gut eignen.

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