Börsenhotlines Meldung

Allein sieben ­Börsenhotlines betreibt die Firma von Markus Frick.

Börsenhotlines liefern unter 0 190-Nummern Aktientipps vom Band. Finanztest hat angerufen und stieß auf verbotene Insider-Informationen.

Egal, wie die Börse läuft, Börsenhotlines sind immer am Markt. Zwischen 62 Cent und 1,86 Euro pro Minute muss der Anleger für die Tipps zahlen, die er unter einer 0 190er-Nummer vom Band zu hören bekommt.

Die Zahl der Hotlines ist mit den Kursen kleiner geworden. Doch acht sind noch am Markt. Sieben davon betreibt die Finance Communications GmbH, die deutsche Marktführerin. Unter ihrer Federführung werden die von Montag bis Samstag täglich wechselnden Texte aufgesprochen. Die Zahl ihrer Hörer verrät uns die Firma nicht.

Was bieten ihnen die Hotlines? Zunächst einmal hohe Kosten. Wer eine Ansage bis zum Ende hört, telefoniert zwischen sechs und achtzehn Minuten. Das kostet bis zu 34 Euro pro Anruf.

Oft dauert es, bis der erste Aktientipp kommt. Bei der Hotline von Markus Frick (0 190 8/7 87 27) kommt er am 15. August erst nach rund zwei Minuten. Vorher erfährt der Anleger, was ihn heute und am folgenden Tag auf der Hotline erwartet.

Heiko Thieme gab am 15. August auf seiner Hotline (0 190 1/9 11 92) keinen einzigen Aktientipp. Für 62 Cent in der Minute informierte er den Hörer hautnah über den größten Stromausfall in der Geschichte Amerikas: „Gesamt Manhattan im Dunkeln. Kurz nach Börsenschluss gingen die Lichter aus ...“

Bernd Förtsch (0 190 8/7 87 22) gibt auf seiner Hotline zwar Tipps, doch die Hörer müssen Vorwissen mitbringen. Nicht zu allen Aktien nennt er die Währung oder die Wertpapierkennnummer.

Die Quellen sind bei vielen Ansagen nicht klar. Oft haben sie „etwas gehört“ oder berufen sich auf eine diffuse Mehrheit: „Viele meinen, dass man jetzt in eine Daimler-Aktie einsteigen soll“ und „Die Charttechniker sind begeistert.“

Werben mit Insiderwissen

Gerne werben die Initiatoren der Hot­lines auf den Bändern mit ihren guten Kontakten zu Firmenchefs oder Fondsmanagern. Markus Frick gibt sogar einen Insidertipp: „Was nämlich noch keiner weiß, ... ist, dass angeblich (die Aktie, Red.) Matchnet in der nächsten Woche in einer großen deutschen Börsenzeitschrift empfohlen wird. Ob es die Zeitschrift „Der Aktionär“ ist, werde ich ... am Samstag (auf der Hotline, Red.) präsentieren“, verrät er unter seiner 0 190er Nummer am Freitag dem 15. August 2003.

„Dieses Verhalten verstößt gegen das Verbot von Insidergeschäften und ist strafbar“, sagt Franz Braun von der Kanzlei Rotter. Börseninsidern wie Markus Frick ist es laut Wertpapierhandelsgesetz verboten, Anlegern eine Insidertatsache unbefugt mitzuteilen oder zugänglich zu machen – egal, ob sie stimmt oder nicht.

Eine Empfehlung für Matchnet konnten wir übrigens in keiner deutschen Börsenzeitung finden.

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