Die Deutsche Börse führt neue Grund­sätze für Unternehmen ein, die an die Börse gehen (Going-public). Mit diesem Schritt legt sie fest, welche Angaben zukünftig im Emissionsprospekt stehen sollten. Er soll Anleger über die Lage der Firma informieren und eine Entscheidungsgrundlage für den Aktienkauf sein.

Für den Börsenkandidaten und die begleitende Konsortialbank gilt künftig eine so genannte Black-out-Perio­de. Während dieser Zeit dürfen sie in der Öffentlichkeit keine Angaben über das Geschäft oder die Finanz- und Ertragslage machen, die für die Beurteilung der Aktien wesentlich sind, aber nicht im Prospekt stehen. Analysen anderer Institute bleiben davon unberührt.

Die Vorstände des Börsenneulings müs­sen den Regelungen zufolge ihre beruflichen Laufbahnen, etwaige straf- oder kapitalmarktrechtlichen Verstöße aus den fünf Jahren vor der Veröffentlichung des Prospekts und Geschäfte und Rechtsbeziehungen mit Dritten offen legen. Sind Angaben zur Lage der Firma geschätzt, müssen sie das ebenfalls kennzeichnen. Auch zur Form der Prospekte sagen die Grundsätze etwas: Sie schreiben die Schriftgrößen vor, legen den Autoren nahe, sich klar und deutlich auszudrücken, und verbannen Bilder aus dem Fließtext.

Die Going-public-Grundsätze treten zum 1. September in Kraft, sind allerdings nicht verbindlich. Die Deutsche Börse kann Unternehmen, die gegen sie verstoßen, nicht vom Börsengang ausschließen.

Die Hypovereinsbank, die Deutsche Bank, die Dresdner Bank, die DZ-Bank, Goldman Sachs, Merrill Lynch und UBS Warburg wollen die Leitlinien bei künftigen Börsengängen jedoch unterstützen.

Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) steht hin­ter der Initiative der Deutschen Börse. „Die Grundsätze sind geeignet, die bisherige Ungleichbehandlung von privaten und institutionellen Anlegern einzudämmen“, sagte ihr Sprecher Marc Tüngler. Die Vereinigung werde Abweichungen von den Grundsätzen offen legen und kommentieren.

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