Börse 2014 Meldung

Für hiesige Anleger war das vergangene Jahr ein gutes Jahr – auch wenn es ausgerechnet in Deutsch­land nicht ganz so gut gelaufen ist. 2,7 Prozent Plus beim Dax, das wars. Auf vielen Auslands­märkten gab es weit mehr zu holen, wie eine Analyse von Finanztest zeigt. Am besten lief Indien: plus 41,1 Prozent. Mit US-Aktien waren 29,1 Prozent drin. Am schlimmsten hat es Russ­land erwischt mit minus 38,3 Prozent. test.de zieht Bilanz und gibt einen kleinen Ausblick auf das, was Anleger 2015 erwartet.

Dax zwischen­zeitlich auf Rekord­stand

Börse 2014 Meldung

Die Wert­entwick­lungen verschiedener Aktien-, Anleihe- und Rohstoff­märkte im Jahr 2014.

Die Wert­entwick­lungen verschiedener Aktien-, Anleihe- und Rohstoff­märkte im Jahr 2014.

Rekord: 10 093 Punkte. So hoch wie am 5. Dezember 2014 stand der deutsche Aktien­index Dax noch nie zuvor. Doch am Ende des Jahres blieben davon gerade einmal 9 805 Punkte übrig – ein Plus von nur 2,7 Prozent gegen­über dem Vorjahr. Dabei ging es heftig auf und ab. Nur zehn Tage nach dem Rekord­hoch war der Dax nur noch 9 330 Punkte wert, zu Weih­nachten kletterte er wieder auf 9 920 Zähler. Größere Schwankungen erwartet die Deutsche AWM, der Vermögens­verwalter der Deutschen Bank, auch für 2015. Allerdings mit Aufwärts­tendenz. „Aktien haben Ertrags­potenzial trotz steigender Heraus­forderungen“, heißt es im Jahres­ausblick. Über fünf Jahre kann sich die Bilanz immer noch sehen lassen: 10,5 Prozent pro Jahr lag der Dax in dieser Zeit durch­schnitt­lich im Plus (Stichtag 31. Dezember). Der Fonds mit der besten Fünf­jahres­bilanz, der DWS Aktien Strategie Deutschland, hat es auf 17,3 Prozent pro Jahr gebracht (Stichtag 30. November 2014). Für Anleger, die ein Index­investment bevor­zugen, empfehlen sich ETF (börsen­gehandelte Indexfonds) auf den MSCI Germany. Einen solchen bietet Amundi an. Noch breiter aufgestellt ist der comstage-ETF auf den FAZ-Index. „Deutsch­land wird 2015 an den Aufwärts­trend anknüpfen“, schreibt die Fonds­gesell­schaft Fidelity. Sie rechnet mit Dividendenrenditen von um die 3 Prozent – nicht schlecht in Zeiten nied­riger Zinsen.

Die Erfolgs­geschichte aus Indien

Der Fonds mit der besten 1-Jahres-Wert­entwick­lung kommt aus Indien. Es ist der Comgest Growth India, er hat – per Ende November – plus 84,1 Prozent erzielt und ist damit der beste von 15 397 Fonds aus dem Produktfinder Fonds, für die 1-Jahres­renditen vorliegen. Über­haupt führen Aktienfonds Indien die Rangliste an. Die indische Börse hat im Jahr 2014 mit einem Plus von 41,1 Prozent, gemessen am Aktien­index MSCI India, von allen untersuchten Märkten am besten abge­schnitten. Grund für die Aktienrallye rund um Mumbai war in erster Linie der Wahl­sieg von Narendra Modi im Mai, dessen Reformen neuen Schwung in die erlahmte Konjunktur bringen sollen. Noch sind die Wachs­tums­raten gering, aber Analystenschät­zungen zufolge könnte sich das bald ändern. „Im güns­tigsten Fall könnte Indien in ungefähr zwei Jahren sogar stärker wachsen als China“, schreibt die österrei­chische Fonds­gesell­schaft Raiff­eisen Capital Management (RCM).

Schwellenländer zeigen sich uneinheitlich

Ebenfalls gut gelaufen ist der Aktienmarkt in der Türkei. Mit einem Plus von 35,6 Prozent knüpfte die türkische Börse wieder an das erfolg­reiche Jahr 2012 an, als sie um sage und schreibe 62,3 Prozent nach oben schoss. Doch Vorsicht vor Euphorie: Das Jahr 2013 zeigt, dass es zwischen­durch auch in die andere Richtung gehen kann: minus 29,7 Prozent, so die ernüchternde Bilanz am Jahres­ende. Der chinesische Aktienmarkt hat 2014 ebenfalls zugelegt: plus 23,3 Prozent, ebenso Südafrika mit einem Zuwachs von 20,4 Prozent. In Latein­amerika sah es dagegen durch­wachsen aus. Brasiliens Börse stand zu Silvester bei minus 1,8 Prozent. Markt­beob­achter hoffen nach dem knappen Wahl­sieg Dilma Roussefs auf eine markt­freundlichere Politik und einen Abbau der Bürokratie.

Schluss­licht Russ­land

Schlecht verlief das Jahr für Russ­land, das mit dem Absturz des Rubel im vierten Quartal in einen Abwärts­sog geriet. Russische Aktien selbst verloren vergleichs­weise geringe 12 Prozent, doch rechnet man den Währungs­verlust hinzu, schlägt aus Sicht hiesiger Anleger ein Minus von 38,3 Prozent zu Buche. Auch Aktienfonds Russland konnten sich dem Trend nicht entziehen. Der Fonds mit der Finanztest-Bestbewertung von fünf Punkten, der Parvest Equity Russia Opportunities, steht gemessen am Index noch vergleichs­weise gut da. Zumindest ein Gutes hat die Währungs­krise: „In Rubel gerechnet ist der Ölpreis bislang noch relativ wenig gefallen“, stellt RCM fest. „Positiv könnte lang­fristig auch sein, dass Russ­land nun förmlich gezwungen ist, bisherige Importe stärker durch eigene Produkte zu ersetzen und dafür auch Reformen und Struktur­ver­änderungen in der Volks­wirt­schaft einzuleiten.“

Öl und Rohstoff­preise im Keller

Öl gehört ebenfalls zu den großen Verlierern des Jahres 2014: minus 40,2 Prozent büßte der Preis für ein Barrel der Nord­seesorte Brent ein. Ursache hierfür waren unter anderem die schwache Welt­konjunktur und das steigende Angebot durch neue Fördermethoden wie Fracking. Analysten erwarten auch 2015 noch Kapriolen am Ölmarkt. Erst wenn die welt­weite Nach­frage wieder anziehen sollte, rechnen sie mit einer Stabilisierung des Marktes. Rohstof­faktienfonds gehören somit zu den Verlierern des Jahres. „Nach der 2014 verzeichneten Schwäche wirken viele Energiewerte auf uns inzwischen wieder attraktiver“, geben sich die Experten von Frank­lin Templeton Investments in ihrem Jahres­ausblick 2015 zumindest verhalten opti­mistisch.

Der Dollar im Höhen­flug

Gut lief es dagegen in den USA: Amerikanische Aktien haben im vergangenen Jahr aus Sicht deutscher Anleger 29,1 Prozent zugelegt – der größte Teil davon waren allerdings Währungs­gewinne. Für US-Anleger betrug das Plus 13,4 Prozent. Die gute Konjunktur im Land der unbe­grenzten Möglich­keiten bescherte dem Dollar Gewinne: Anfang 2014 bekamen Anleger für 1 Euro noch 1,38 Dollar, Ende 2014 waren es lediglich 1,21 Dollar – im Januar 2015 ist der Außen­wert des Euro zwischen­zeitlich sogar auf den Einführungs­kurs von 1999 gefallen, der bei knapp 1,18 Dollar lag. Von seinem Allzeittief bei 0,83 Dollar im Oktober 2000 ist der Euro jedoch noch weit entfernt. Auch gegen­über anderen Währungen ist der Euro im Jahr 2014 gefallen, gegen­über dem britischen Pfund um 6,7 Prozent, gegen­über dem Franken um 1,9 Prozent. Nur gegen­über dem Yen ist er leicht um 0,2 Prozent gestiegen. John J. Hardy, Währungs­experte bei der Saxo Bank, sagt: „Der Devisenmarkt schließt 2014 mit einem Paukenschlag ab. Auch 2015 könnte es Währungs­entwick­lungen in historischer Größen­ordnung geben, da der während der post-globalen Finanz­krise einge­schlafene Währungs­markt lang­sam wieder erwacht.“

Der Euro und die Krise

Der Euro war schwach, Gründe dafür sind maue Konjunk­tur­aussichten und das nied­rige Zins­niveau. Angesichts der nied­rigen Inflation – in Deutsch­land betrug sie im Dezember 0,2 Prozent, in der Eurozone sogar minus 0,2 Prozent – dürfte mit einem baldigen Zins­anstieg kaum zu rechnen sein. An den Börsen der EU-Krisen­staaten selbst lief es aber zum Teil recht gut. Die spanische und die italienische Börse schnitten 2014 mit einem Plus von 8,9 respektive 3,6 Prozent besser ab als die deutsche, und Irland verzeichnet mit einem Plus von 16,9 Prozent ein besonders gutes Jahr. Dagegen sah es in Portugal mit einem Minus von knapp 30 Prozent gar nicht gut aus. Auch die grie­chische Börse stürzte wieder ab. Minus 31,6 Prozent. Rest­europa wartet gespannt auf die Wahlen in Griechen­land, die Ende Januar über die Bühne gehen sollen – und darauf, ob die Griechen dem Euro treu bleiben.

Fazit: Anleger sollten global unterwegs sein

Die unterschiedlichen Entwick­lungen zeigen: Grund­lage für jedes Depot sollten internationale Aktienfonds sein, und zwar in erster Linie solche, die in Industrieländer investieren. Mit einem Investment in den MSCI World, den Welt­aktien­index, haben Anleger im vergangenen Jahr knapp 20 Prozent plus gemacht. Auch für 2015 zeigen Analysten sich opti­mistisch. „An Aktien führte 2014 kein Weg vorbei. Und diese Aussage gilt auch für 2015“, heißt es bei der Deutschen AWM. „Die USA werden im Jahr 2015 die Führungs­rolle im welt­wirt­schaftlichen Zyklus über­nehmen. Positiv sehen wir in Europa, dass sich die wirt­schaftliche Dynamik in den ehemaligen Krisenländern wieder beschleunigt. Das ist ein Zeichen, dass die Strukturreformen in den Peripherieländern greifen. Aber noch ist der Kontinent wirt­schaftlich auf einer Durst­strecke.“ Auch ein Blick auf die Schwellenmärkte zeigt, dass Anleger gut daran tun, sich global aufzustellen. Die Empfehlung der Experten von Finanztest für Anleger, die dieses zusätzliche Risiko nicht scheuen: Aktienfonds Schwellenländer global. Deren Jahres­bilanz fällt mit gut 4 Prozent positiv aus – und das trotz der vielen aktuellen Krisenherde.

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