Blutzuckermessgeräte Überzeugende Minilabore

Diese Gerätegeneration ist gut in Form: Leicht zu bedienen und recht präzise. Viele Modelle eignen sich sogar für Ärzte und Fachpersonal. Einen Labortest ersetzen die leistungsstarken Messzwerge aber nicht.

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Klein und griffig: Blutzuckermessgeräte sind Minilabore im Handyformat. Sie passen in Jacken- oder Hosentaschen. „One touch ultra“ von Lifescan findet sogar in einer Männerfaust Platz. Trotz der geringen Abmessungen sind sie einfach zu bedienen. Sie erfordern nur wenige Handhabungsschritte, kommen oft mit einem einzigen Funktionsknopf aus. Blutzuckermessgeräte verhelfen Zuckerkranken zu einem aktiven und unabhängigen Leben, wenn denn das Verhalten des Patienten stimmt und er das Prüfgerät richtig nutzt.

Viele Diabetiker vom Typ 2 können durch Abspecken, eine gesunde Ernährung und Tabletten der Zuckerkrankheit begegnen. Der insulinpflichtige „Typ1-Diabetiker“ muss mehr tun: Blutzucker messen und Insulin spritzen, mehrfach am Tag. Auch Diabetiker vom Typ 2, die Insulin spritzen, sollen den Blutzucker kontrollieren.

Erfreuliches Ergebnis des Tests: Die Sicherheit stimmt. Auf die Messwerte ist Verlass. Sie liegen unterhalb einer mittleren Abweichung (Streuung) von plus/minus 15 Prozent in allen Messbereichen und erfüllen somit die Anforderungen verschiedener Fachgesellschaften. Blutzuckermessgeräte sollen aber nicht zur Diagnosestellung des Diabetes eingesetzt werden. Das ist allein Sache eines detaillierten Labortests.

Langfristiger Nutzen

Langfristig zeigt sich der Nutzen einer kontrollierten Diabetes-Therapie daran, ob es gelingt, Spätschäden an den Organen so weit wie möglich hinauszuschieben oder zu vermeiden. Der „Zucker“ kann auf verschiedene Weise gemessen werden: Die Harnzuckerkontrolle per Teststreifen dient dazu, eine Überzuckerung zu überwachen. Diese Methode ist sinnvoll, um den Stoffwechsel in größeren Zeitabschnitten zu kontrollieren. Kurzfristiges Reagieren auf veränderte Bedingungen im Alltag, zum Beispiel durch die Ernährung, ist dagegen nur mit der Blutzuckermessung möglich. Im Prinzip könnte die Blutzuckerbestimmung auch allein über einen Teststreifen erfolgen. Doch ein Blutzuckermessgerät ist als Hilfe immer dann sinnvoll, wenn Patienten seh- oder farbsehschwach sind, bei Kunstlicht oder auch nachts messen müssen.

Einige Diabetiker schaffen sich das Kontrollgerät auf eigene Kosten an. Die Ausgaben sind gering – rund 50 Euro, je nach Ausstattung. Teuer wird es erst bei den kontinuierlich zu nutzenden Teststreifen. Die Kosten übernehmen in der Regel die Krankenkassen. Preisvorteile bei den Teststreifen bietet der Versandhandel, gelegentlich auch Apotheken. Die Teststreifen unterliegen keiner Preisbindung. Bei vielen Diabetikern sind zwei bis drei Messungen des Blutzuckers pro Tag ausreichend. Die individuellere „intensivierte“ Insulintherapie erfordert aber meist drei bis vier Messungen täglich. Träger von Insulinpumpen und schwangere Diabetikerinnen müssen bis zu sieben Mal am Tag ihren Blutzuckerspiegel kontrollieren. Die Dosierung wird auf ihren Lebensstil, den Tagesablauf, die Essgewohnheiten eingestellt.

Den Blutstropfen zu gewinnen, ist heute nicht mehr so schmerzhaft. Zum Messen wird nur noch relativ wenig Blut benötigt – ein Vorteil für jene, die häufig messen müssen. Inzwischen gibt es auch ein Blutzuckermessgerät mit integriertem Insulin-Pen (Spritze, aber nicht im Test). Manche Geräte erlauben es, am Daumenballen, Unter- oder Oberarm zu messen (zum Beispiel Freestyle). Nach Angaben der Hersteller dauern die Messungen zwischen 5 und 30 Sekunden. Fast alle Blutzuckermessgeräte können die Messwerte am Computer darstellen – in der Regel reichen die Speicher für 100 bis 450 Werte.

Die neuen Blutzuckermessgeräte arbeiten durchweg mit elektrochemischen Verfahren: Die Teststreifen mit Blut werden an einer Elektrode angebracht. Dort erfolgt eine Enzymreaktion, bei der Glukose (Zucker) oxidiert und Elektronen freigesetzt werden. Deren Stromfluss wird gemessen und daraus der Blutzuckerwert errechnet. Das Messverfahren lässt einen Abgleich per Augenschein nicht mehr zu. Gluco Touch von Lifescan funktioniert zwar „farbenlesend“, aber dies geschieht auf elektronische Weise.

Unterschiede zwischen den Geräten betreffen im Wesentlichen den Preis, das Zubehör und den Service. Bei Braun zum Beispiel war eine Kontrolllösung über sechs Wochen nicht lieferbar. Bei
Lifescan waren die relativ teuren Kontrolllösungen schon im Set vorhanden, bei den anderen nicht. Einige Hersteller bieten für Teststreifen einen Folienschutz und eine Abwurfvorrichtung an der Stechhilfe für gebrauchte Lanzetten. Wer die haben möchte, kann sie auch einzeln kaufen. Zwei Messgeräte, Glucometer Dex 2 und Accu-Check Compact, haben Teststreifen, die in ein Magazin integriert sind. Eine Einzelentnahme ist so nicht mehr erforderlich – eine Fehlerquelle weniger. Einige Geräte können laut Bedienungsanleitung Blut von Neugeborenen verwenden oder neben dem Kapillarblut auch Blut aus der Vene – eine Hilfe für Ärzte.

Fast alle Geräte lassen sich auf die international übliche Maßeinheit Millimol pro Liter umstellen.

Tipp: Messen Sie beizweifelhaftem Messergebnis, bei sehr hohen oder niedrigen Werten nach. Trägt das nicht zur Klärung bei, den Arzt aufsuchen.

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