Blutzuckermessgeräte Test

Erst den Nüchternblutzucker messen, dann etwa zwei Stunden nach den Mahl­zeiten. Studien belegen, dass regelmäßiges Messen (Typ 1) oder gelegentliches (Typ 2) zu einer besseren Einstellung von Diabetikern führt.

Auf Blutzuckermessgeräte der jüngsten Generation ist meist Verlass: Einige kommen sogar Laborqualität nahe.

Eine harmlose Blasenentzün­dung veränderte das Leben von Herbert W. nachhaltig. Er musste seinen Urin prüfen lassen. Plötzlich sagte der Arzt: „Wissen Sie eigentlich, dass Sie Diabetes haben?“ Und stellte mit Nachdruck fest: „Zu viel Zucker im Urin. Sie sind Diabe­tiker, zuckerkrank. Sie müssen dringend etwas tun.“ Herbert W. hatte Glück im Unglück. Häufig kommen Mediziner der Zuckerkrankheit erst durch ihre Spätfolgen auf die Spur – nach Herzinfarkt und Schlaganfall zum Beispiel.

Für den Arzt ist die Diagnose Diabetes meist nicht so überraschend wie für Patienten. Zumindest bei Typ-2-Diabetikern, die rund 95 Prozent aller Zuckerkranken stellen. Hier kommen meist vier Faktoren zusammen: Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte, hoher Blutdruck und Diabetes, das „metabolische Syndrom“. Auch Erbfaktoren spielen dabei eine Rolle. Typisch für Typ-1-Diabetes sind plötzliche Gewichtsabnahme, Durstgefühl, Harndrang, bei Typ-2-Diabetes eher unspezifische Symptome: Müdigkeit, Hunger, Gewichtszunahme, Verstimmungen. Zuckerkranke müssen eine Menge tun: den Lebensstil umstellen, einen Therapieplan befolgen, Ernährungsgewohnheiten ändern, oft Arzneimittel oder Insulin planvoll einnehmen. Zum Therapieplan gehört, den Blutzu­cker selbst zu kontrollieren. Für insulinpflichtige Diabetiker ist die tägliche Selbstmessung unerlässlich und Voraussetzung, um die Dosis anzupassen. Mindestens an einem oder zwei Tagen in der Woche zu messen, dann mehrmals täglich, empfiehlt sich aber oft auch „Altersdiabetikern“ (Diabe­tes Typ 2). Der Begriff ist veraltet. Zu dieser Gruppe zählen immer mehr junge Menschen. Die Vereinten Nationen haben wegen der weltweiten Entwicklung den 14. November zum Weltdiabetestag ausgerufen.

Messen gibt Diabetikern Sicherheit: Blutzuckerwerte zeigen die Reaktionen auf Ernährungsgewohnheiten, die Auswirkungen von körperlicher Aktivität und Stress. Selbstmessen ist somit ein wichtiger Schritt, per Therapieanpassung

  • Blutzuckerziele zu erreichen,
  • Folgeerkrankungen zu vermeiden,
  • das Risiko für Unterzuckerungen beim Typ-1-Diabe­tiker geringzuhalten.

Immer kleiner, immer besser

Die getesteten Geräte messen Glukose meist in der wässrigen Phase des Blutes, oft elektrochemisch, seltener photometrisch. Sie sind meist einfach zu bedienen und handlich, eignen sich zum Teil für Hemd- oder Hosentasche. Messen ist schon mit sehr geringer Blutmenge möglich (besonders wenig beim Freestyle Freedom). Der Messwert ist je nach Gerät innerhalb von vier bis elf Sekunden ermittelt. Die Geräte können meist an einen Computer angeschlossen werden. Im Prüfpunkt Batterielebensdauer lautete das Urteil „sehr gut“, wenn die Batterien länger als 2 000 Messungen durchhalten, bei mehr als 1 000 Messungen hieß es „gut“.

Vier messen „sehr gut“

Der MWD Pen Sensor ist das Gerät mit den genauesten Messergebnissen. Seine durchschnittliche Abweichung zur Labor­me­thode beträgt nur vier Prozent. Auf den Plätzen folgen Ascensia Contour, Gluco Smart und One Touch Ultra 2. Die beiden „befriedigenden“ Blutzuckermessgeräte Fine touch und Major II haben Schwächen in der Messgenauigkeit, Major II auch in der Handhabung: Das Batteriefach hielt dem Batteriewechsel nicht stand. Es wurde bei allen geprüften Geräten im Handhabungstest beschädigt.

Schwächen bei der Handhabung

Die Handhabung bereitete auch beim kleinen MWD Pen Sensor Probleme. Der Teststreifen muss mit Kraft eingeschoben werden. Einige Probanden haben das kaum geschafft, Teststreifen abgeknickt und sie so verschwendet. Kraft erfordert es auch, den Streifen herauszuziehen. Statt Datum und Uhrzeit einzu­stellen, werden bei der auf Seite 19 der Gebrauchsanleitung des MWD Pen Sensor beschriebenen Prozedur die Daten im Speicher gelöscht.

Beim GlucoMen Visio können Teststreifen falsch herum eingeschoben werden. Wegen der Anordnung der Bedienknöpfe bereitete den Testern auch die Handhabung des Wellion-Geräts Schwierigkeiten. Der Auswurfmechanismus des Fine Touch ist dafür konzipiert, sich der kleinen Testspitze ohne Handkontakt entledigen zu können. Bemängelt wurde aber, dass die runde Testspitze beim Auswerfen recht weit weg fliegen kann. Contour, Freestyle Freedom, Wellion, Gluco Talk, MWD Pen Sensor können sich beim Transport unbeabsichtigt einschalten. Sie schalten sich aber alle nach kurzer Zeit wieder ab.

Risiko, sich unabsichtlich zu pieksen

Manches Gerät misst auch an alternativen Stellen wie Handballen oder Unterarm (siehe Tabelle). Verletzungsgefahr besteht, wenn sich Lanzetten schwer wechseln lassen. Beim Fine Touch, Accu Chek Compact Plus, One Touch Ultra 2 ist die Gefahr, sich unabsichtlich zu pieksen, gering oder besteht wie bei MWD gar nicht.

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