Blutspende Special

Liegen bleiben. Nach einer Voll­blutspende braucht der Körper Ruhe. Eine halbe Stunde Ausruhen ist sinn­voll.

Blutspenden retten Leben. Doch nicht jeder darf spenden. Insgesamt nimmt die Zahl der Spender ab und die der Empfänger zu. Auch deshalb gehen die Kliniken nun spar­samer mit Blut um. test.de sagt, wie Sie auf gesunde Weise spenden und wo Sie Blutspende­dienste in ihrer Nähe finden.

Apfelkuchen als Dankeschön

Die Nadel sticht in die Vene, dunkles Blut fließt durch den Plastikschlauch in den Beutel mit Nähr­flüssig­keit und Gerinnungs­hemmer. Draußen vor den Fens­tern des Blutspende-Busses strömt der Verkehr vorbei, aus dem Radio dudelt Musik. Der Reisebus ist umge­baut: ein Tisch mit Apfelkuchen, dahinter die Warte­bank für Neuankömm­linge, abge­trennt das Abteil für die ärzt­liche Unter­suchung, vier Liegen.

Jeder Spender wird einem Routinecheck unterzogen

Eine junge Frau voller Tätowierungen und Piercings drückt auf einem blauen Gummi­ball herum, das regt den Blutfluss an. Der Mechaniker um die 60, der daneben­liegt, ist ein „alter Hase“. Er spendet alle drei Monate, zwölf Mal war er schon. Warum, weiß er genau: Die Spende schätzt er als „eine Frisch­zellenkur, wenn mein Körper neues Blut bildet – ein Ölwechsel quasi“. Die Wissenschaft sagt: Das ist ein Placebo­effekt. Für Menschen mit bestimmten Krankheiten, die zu viel Eisen oder zu viele rote Blutkörperchen haben, sind Aderlässe sinn­voll. Wenn der Spender es aber für sich als angenehm empfindet, ist es gut. Außerdem erfolgt ein kleiner gesundheitlicher Routinecheck: Blut­druck, Hämoglobin und Temperatur messen sowie klären, ob der Spender an Infektionen leidet – selbst bei einem Schnupfen wird er weggeschickt.

Vier­einhalb Millionen Spenden

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Blut lässt sich bislang nicht künst­lich herstellen. Millionen von Deutschen sind auf Spenden ihrer Mitbürger angewiesen, nach Unfällen, bei Operationen, in der Krebs­therapie. Das Paul-Ehrlich-Institut – das Bundes­institut für Impf­stoffe und biomedizi­nische Arznei­mittel – verzeichnet für das Jahr 2014 rund vier­einhalb Millionen Voll­blutspenden. Jeder Dritte erfüllt nach Schät­zungen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) die Voraus­setzungen, um Blutspender zu werden. Doch nur drei bis vier Prozent machen es regel­mäßig.

„Ein Zeichen der Solidarität“

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Für die über­zeugte Spenderin Melanie Croyé ist das schwer begreiflich: „Ich bin damit aufgewachsen. Für mich ist es ein Zeichen der Solidarität.“ Das sieht auch Manana Baramidze so. Sie spendet, „weil ich die Blutgruppe 0 negativ habe, die zu allen anderen passt“. Sie gilt als Universalspenderin, weil die Blut­gruppen 0, A, B und AB sowohl mit Rhesus­faktor positiv als auch negativ ihr Blut vertragen. Außerdem könne sie die 25 Euro von der Uniklinik gut gebrauchen.

Vier- bis sechs­mal im Jahr ist möglich

Wer spenden will, muss 18 Jahre alt sein, mindestens 50 Kilogramm wiegen und sich gesund fühlen. Wie alt Spender höchs­tens sein dürfen, hand­habt jeder Dienst anders. Einige heißen auch 73-Jährige will­kommen. Entscheidend ist, was der Arzt vor Ort sagt. Zwischen zwei Spenden müssen mindestens acht Wochen liegen, damit sich der Eisen­gehalt erneuern kann.

Blutplätt­chen halten nur vier Tage

Außer Voll­blut kann man auch nur Plasma, den flüssigen Bestand­teil des Blutes, spenden oder nur Blutplätt­chen (Drei Arten der Blutspende). Plasmaspenden sind bis zu 40 Mal im Jahr möglich, Blutplätt­chen alle 14 Tage. Auch wenn ein Mensch Voll­blut spendet, wird es in einer Zentrifuge in Plätt­chen, Plasma und rote Blutkörperchen getrennt. Die Substanzen lassen sich nur begrenzt lagern: Plasma hält tief­gefroren bis zu zwei Jahre, die roten Blutkörperchen im Voll­blut-Konzentrat sterben nach 42 Tagen, Blutplätt­chen halten nur vier Tage.

Vor allem Plasma fehlt

Das Problem: Im Verhältnis zu den Empfängern nimmt die Zahl der Spender ab. „Und deren Durch­schnitts­alter ist in den letzten Jahr­zehnten aufgrund der demogra­fischen Entwick­lung gestiegen“, sagt Kerstin Schweiger, Presse­sprecherin der DRK-Blutspende­dienste. Da auch ein Vorrat für Notfälle bereit­gehalten werden muss, besteht ständig Nach­frage. Von 15 000 benötigten Spenden pro Tag spricht das DRK. Für Blutplasma gibt es in Deutsch­land ein besonders großes Spendedefizit, ohne Einfuhren aus den USA geht es nicht. Knapp 200 000 Liter Plasma fehlen derzeit im Jahr.

Das meiste für Krebs­behand­lungen

Grund dafür, dass so viel Blut gebraucht wird, ist neben der Vorrats­haltung für Katastrophen in erster Linie der medizi­nische Fort­schritt: Viele Operationen und Trans­plantationen, die Trans­fusionen erfordern, waren früher nicht mach­bar. Zudem werden die Deutschen immer älter und laufen in höherem Alter eher Gefahr, an Krebs zu erkranken. Präparate auf Basis von gespendetem Blut aber sind ein wichtiger Teil der Krebs­therapie.

Viele Kliniken gehen spar­sam mit ihren Blut­konserven um

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Knapper Vorrat. Blut ist begrenzt lager­fähig. Umso mehr wird benötigt. Es fehlen 200 000 Liter Plasma im Jahr.

In den vergangenen zwei Jahren sei das Spende­aufkommen regional schwankend um bis zu 20 Prozent gesunken, sagt Wolfgang Stangen­berg, Vorsitzender der Arbeits­gemeinschaft der sechs DRK-Blutspende­dienste in Deutsch­land. Auch deshalb verwenden viele Kliniken ihre Blut­konserven mitt­lerweile spar­samer.

„Eine Art Mini-Trans­plantation“

Zudem ist zu viel Fremd­blut für den Empfänger nicht immer gut. „Eine Blut­trans­fusion ist eine Art Mini-Trans­plantation“, sagt Patrick Meybohm, leitender Ober­arzt am Universitäts­klinikum Frank­furt am Main. „Es kann das Immun­system eines durch eine OP, Stress, Krankheit oder Blut­verlust bereits geschwächten Patienten belasten.“ Mit Blut­trans­fusionen behut­sam umzu­gehen – darauf zielt „Patient Blood Management“ ab.

Nicht jeder ist als Spender geeignet

Spenden darf freilich nicht jeder. Die Liste an Ausschluss­kriterien ist lang: von einer OP in Groß­britannien, wo man sich mit Creutz­feld-Jakob infiziert haben könnte, über Aufenthalte in Malaria­gebieten bis zum einfachen Schnupfen. So sollen Empfänger vor Infektionen geschützt werden. Der HI-Virus kann erst bis zu vier Monate nach Anste­ckung im Labor nachgewiesen werden – deshalb sind einige Gruppen generell ausgeschlossen: Prostituierte, Drogen­abhängige und jeder Mann, der jemals mit einem anderen Mann Sex hatte.

Kritiker: Pauschaler Ausschluss bestimmter Gruppen diskriminierend

Den pauschalen Ausschluss Schwuler und Bise­xueller vom Blutspenden halten Kritiker für unsinnig und diskriminierend. In anderen Ländern Europas, etwa in Groß­britannien, sind die Regeln weniger strikt. „Hintergrund ist die signifikant erhöhte Rate von HIV- und Hepatitis-Infektionen dieser Gruppen“, begründet Stangen­berg die in Deutsch­land geltenden Kriterien. Als Spender uner­wünscht sind auch Personen, die inner­halb der vergangenen vier Monate Geschlechts­verkehr mit einem neuen Partner hatten, in Haft waren, sich ein Piercing oder eine Tätowierung haben stechen lassen. All das wird vorher erfragt.

Ein halber Liter Blut in zehn Minuten

Im Blutspendebus ist der Andrang groß. Es riecht nach Kaffee und Desinfektions­mittel. „Den Flüssig­keits­verlust gleicht der Körper in der Regel inner­halb einer halben Stunde bis Stunde wieder aus“, sagt Meybohm. „Für Spender besteht keine Gefahr, außer sie spenden sehr häufig – dann sollten sie auf ihre Ernährung achten, damit sie genug Eisen zu sich nehmen“, rät er. Die ärzt­liche Vorunter­suchung beim Spenden ersetze nicht den Routinecheck beim Arzt: „Er ist umfassender, zielt auf die Früh­erkennung von Herz-Kreis­lauf-, Stoff­wechsel-, Nieren­erkrankungen und Krebs ab.“

Sauer­stoff­gehalt entscheidend

Wer zur Spende kommt, muss einen Fragebogen ausfüllen und den Personal­ausweis vorlegen. Ein Arzt misst die Temperatur im Ohr, entnimmt an der Fingerkuppe einen Tropfen Blut, um den Hämoglobin­gehalt zu bestimmen. Das ist der rote Blut­farb­stoff, der für den Sauer­stoff­gehalt zuständig ist. Blut­druck und Puls werden gemessen, ein Arzt stellt Fragen zur Kranken­geschichte und zum Befinden.

„Vertraulicher Selbst­ausschluss“

Auch in vielen Firmen ist es üblich, Blut zu sammeln. Damit nicht unter sozialem Druck Menschen Blut spenden, die zu einer Risikogruppe gehören, gibt es den „vertraulichen Selbst­ausschluss“: Man spendet mit den anderen, kenn­zeichnet seine Unterlagen aber abseits der Gruppe zusammen mit dem Arzt und markiert sie, falls nötig, mit „Bitte nicht benutzen“.

Alle Proben auf HIV untersucht

Das gespendete Blut wird sorgfältig geprüft. Als sich in den acht­ziger Jahren der HI-Virus verbreitete, infizierten sich viele Empfänger von Trans­fusionen mit dem Aids-Erreger. Seit 1985 müssen alle Blutspenden auf HIV untersucht werden. 2004 wurde zudem bestimmt, dass Tests auf HIV-Erbmaterial zum Einsatz kommen. Sie weisen nicht nur Antikörper nach, sondern das Virus selber. Dadurch ist die Wahr­scheinlich­keit, durch eine Trans­fusion an HIV zu erkranken, sehr gering. Sie liegt bei unter eins zu vier Millionen. Ähnlich unwahr­scheinlich ist es, sich mit Hepatitis zu infizieren. Vorsicht geboten ist im Ausland, wo die Rege­lungen oft weniger streng sind.

Für die eigene OP Blut spenden

Wer das sehr geringe Rest­risiko einer Anste­ckung durch infiziertes Fremd­blut völlig ausschließen will und eine geplante OP vor sich hat, kann eigenes Blut spenden. Ob die Voraus­setzungen erfüllt sind, klärt der Arzt: Nur wer keine Infektion hat, gesund ist und über ausreichend Hämoglobin verfügt, kommt infrage. Idealer­weise erfolgt die erste Spende sechs Wochen vor der OP, im Abstand von zwei Wochen sind zwei weitere möglich . Meist sind eine bis drei erforderlich. Nachteil: Das Erythrozyten-Konzentrat – konzentrierte rote Blutkörperchen – wird vielleicht gar nicht gebraucht und der Körper ist durch zu viel abge­nommenes Blut geschwächt.

Markt­führer Deutsches Rotes Kreuz

Auf dem Land gehen die meisten Spender zum Deutschen Roten Kreuz, das oft in Bussen mobil unterwegs ist. Das DRK ist mit einem Anteil von 70 Prozent Markt­führer. In Städten spenden die Deutschen auch in Kliniken oder kommunalen Einrichtungen. Private Dienste haben in den vergangenen Jahren ihren Anteil von 5 auf 10 Prozent ausgebaut (Adressen siehe Tabelle).

Saft und Süßig­keiten und ein gutes Gefühl

Im Blutspendebus bekommt jeder Spender zum Abschied nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch Süßig­keiten und Saft mit nach Hause. Und ein gutes Gefühl.

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