Blutdrucksenker Meldung

Erhöhte Blutdruckwerte werden mit Blutdrucksenkern unter 140/90 mm Hg gedrückt. Der Nutzen scheint nicht ausreichend belegt, ergab eine Studienauswertung. Was folgt daraus für Hochdruckpatienten?

Rund 20 Millionen Menschen im Lande haben erhöhten Blutdruck. Etwa jeder Dritte weiß davon nichts. Bluthochdruck muss behandelt werden. Sonst steigen die Risiken für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Die therapeutischen Maßnahmen sollen in ihrem Nutzen möglichst durch aussagekräftige Studien belegt sein. Nach den Anforderungen einer „evidenzbasierten Medizin“ bedeutet das: Die therapeutische Wirksamkeit auf die gefürchteten Folgen eines Bluthochdrucks kann nachgewiesen werden. Dazu zählt, dass Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall durch ein Absenken des Blutdrucks mit Medikamenten seltener auftreten und die Lebenserwartung der Patienten, die Blutdrucksenker einnehmen, verlängert wird.

Studie mit Sprengkraft

Solchen Fragen geht die renommierte Cochrane-Organisation nach, ein global tätiges Netzwerk von Wissenschaftlern im Medizinbereich. Anhand weltweit auffindbarer Studien untersuchen sie therapeutische Maßnahmen und Verfahren auf den Nutzen für den Patienten. Diese Arbeiten veröffentlicht die Organisation in der Datenbank Cochrane Library im Internet.

Dort findet sich nun eine aktuelle Studie mit einer gewissen Sprengkraft. Denn die Wissenschaftler stellen einige aktuelle medizinische Empfehlungen infrage. Sie haben sieben Studien mit über 22 000 Teilnehmern ausgewertet. Die Kernaussage der Autoren Argu­edas, Perez und Wright lautet: Bisher gibt es keine harten Belege dafür, dass Bluthochdruckpatienten einen Vorteil davon haben, den Blutdruck mit Medikamenten unter 140/90 Milli­me­­ter Quecksilbersäule (mm Hg) zu senken.

Ein Blutdruckwert über 140/90 mm Hg markiert den Beginn eines behandlungsbe­dürftigen Blutdrucks. Wurde er mit Medikamenten unter 135/85 gedrückt, ergab sich keine bessere Überlebensrate im Vergleich zu Patienten, bei denen der Blutdruck auf unter 140–­160/90–100 mm Hg gesenkt wurde. Bei Folgekrankheiten wie Herzin­farkt, Schlagan­fall, Pumpschwäche des Herzmuskels, Nierenversagen war kein Vorteil zu erkennen. Bisher hieß es, jede Verringerung des systolischen Drucks um 10 mm Hg könne das Risiko der Herz-Kreislauf-Sterblichkeit um 15 bis 18 Prozent senken.

Übermedikation vermeiden

Das Ergebnis der Studie muss als Hinweis verstanden werden, nicht effektive und aufwendige blutdrucksenkende Maßnahmen zu vermeiden. Bestrebungen, die Zielwerte für den Blutdruck noch weiter abzusenken, sind umstritten. Sie finden sich in einigen wissenschaftlichen Auswertungen. Durch ein Absenken der Grenzwerte würden weitere Millionen Menschen zu Patienten und mit blutdrucksenkenden Medikamenten behandelt. Die wirtschaftlichen Konse­quen­zen wären also bedeutsam.

Das Cochrane Review stellt nun die Forderung nach weiteren experimentellen Belegen für einen Nutzen im Hinblick auf Folgeerkrankungen von Bluthochdruck und Sterblichkeit. Die Verfasser der Studie wollen auch Behandlungsziele für Hochri­si­ko­patienten auf den Prüfstand stellen. In einer nächsten Studienauswertung soll geprüft werden, ob Blutdruckzielwerte unter 130/80 mm Hg für sie Nutzen bringen.

Kontrollieren und Therapie anpassen

Eine Übermedikation von Hochdruckpati­enten sei im Übrigen wesentlich seltener als eine Unterbehandlung, betont Bluthochdruckexperte Professor Manfred Anlauf. Wenn der Blutdruck durch Gewichtsabnahme oder einen geringeren Kochsalz- und Alkoholkonsum gesunken ist, werde gelegentlich versäumt, eine Medikation abzubauen. Auch vorübergehende Blutdrucksteigerungen wie durch psychische Belastungen erforderten keine Dauermedikation. Hochdruckpatienten sollten ihren Blutdruck regelmäßig messen, damit die Therapie bei Bedarf angepasst werden kann.

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