Interview: „Regel aufrechterhalten“

Blutdrucksenker Meldung

Professor Manfred Anlauf

Professor Manfred Anlauf aus Bremerhaven ist Bluthochdruckexperte und Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft.

Wie ist die Studie einzuordnen?

Für Experten trägt sie zur Klärung der wichtigen Frage nach dem optimalen Zielblutdruck wenig bei. 88 Prozent der Patienten stammen aus einer von sieben Studien. In dieser Untersuchung von 1998 wurde der größte Nutzen blutdrucksenkender Therapie bei mittleren Werten von 138/83 mm Hg, also Werten unter 140/90 mm Hg, gefunden. Bei höheren, aber auch niedrigeren Werten war der Nutzen geringer. Dies wird mit der neuen Auswertung für den unteren Blutdruckwert (Diastole) bestätigt. Für den oberen (Systole) ergeben sich Diskrepanzen, die aber aus methodischen Gründen nicht überzeugen.

Was folgt daraus für die Therapie?

Die Regel, den Blutdruck unter 140/90 mm Hg zu senken, sollte auf­rechter­halten werden. Hierfür liegt eine Reihe von Erfahrungen aus Großstudien vor. Dabei ist allerdings die Verträglichkeit niedrigerer Blutdruckwerte zu prüfen: Schwindel wie beim Aufstehen in der Nacht, auch nach Mahlzeiten und nach körperlichen Belastungen oder Konzentrationsschwäche können Hinweise auf zu niedrige Blutdruckwerte sein, denen zum Beispiel durch 24-Stunden-Messungen per tragbarem Messgerät nachgegangen werden kann.

Gibt es ein Limit für die Zahl eingesetzter Wirkstoffe?

Über 90 Prozent der Patienten sind auf die Zielwerte einstellbar, wenn bis zu drei Wirkstoffe aus verschiedenen Gruppen von Hochdruckmitteln in ausreichender Dosis eingesetzt werden. Sind mehr als zwei Wirkstoffe notwendig, darf nur in gut begründeten Fällen ein harntreibendes Medikament (Diu­retikum) fehlen, da dies wesentlich zur Blutdrucksenkung beiträgt.

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