Blutdruckmessgeräte Test

Jeder sollte seinen Blutdruck kennen. Bereits leichter Hochdruck muss behandelt und kontrolliert werden. Die zuverlässigsten Messgeräte finden Sie hier.

Am Anfang wurde für die Wissenschaft ein Pferd geopfert: Es lag festgezurrt auf dem Rücken auf dem Gottesacker hinter der Kirche von Teddington, einem Flecken bei London. Dort kam der Physiker und Pastor Stephen Hales mit einem blutigen Expe­ri­ment dem Blutdruck auf die Spur. Er öffnete eine Arterie am Hinterlauf der Stute, leitete das Blut in ein langes gläsernes Steigrohr, bestimmte die Höhe der Blutsäule. Er wiederholte die Messung mehrfach – bis das Pferd ausgeblutet war. Das geschah vor fast 300 Jahren.

Klopftöne und Schwingungen

Blutdruckmessgeräte Test

Indirekte, unblutige Methoden zur Blutdruckmessung waren erst viel später möglich. Messkomfort ermöglichte der italienische Arzt Scipione Riva-Rocci aus dem lombardischen Varese. Er legte einen Fahrradschlauch um den Oberarm und pumpte ihn auf. Die Druckwerte wurden per Messgerät mit Quecksilbersäule und Ertasten des Pulses bestimmt. Das Militärhospital von Sankt Petersburg war Schauplatz eines weiteren entscheidenden Schritts: Der Chirurg Nikolai Sergejewitsch Korotkoff entdeckte, dass man per Hörrohr über der Armschlagader Töne hört, wenn Luft aus der Manschette abgelassen wird. Die Methode Riva-Rocci / Korotkoff funktioniert bereits seit mehr als 100 Jahren. Das Abhören per Stethoskop ist das Sinnbild ärztlicher Tätigkeit überhaupt. „Korotkoff“ bewährt sich bei eher schwachem Pulsschlag. Heutzutage wird beim Selbstmessen meist die oszillometrische Methode angewandt: Über einen Sensor in der Manschette werden Druckänderungen in der Arterie am Handgelenk oder knapp oberhalb der Armbeuge über Schwingungen der Gefäßwand erfasst, die sich auf die Manschette übertragen. Direkt wird der mittlere arterielle Blutdruck festge­stellt – und nach Erreichen der maximalen Oszillationen daraus der systolische und diastolische Blutdruck errechnet. Einige Geräte bestimmen den Blutdruck in der Aufpumpphase, nicht beim Druckab­las­sen – das erspart das Nachpumpen.

Kennen Sie Ihren Blutdruck?

Blutdruckmessgeräte Test

Die Manschetten mancher Geräte eignen sich auch für starke Oberarme (siehe Tabelle).

Bluthochdruck bleibt lange im Verborgenen. Jeder dritte Erwachsene in Deutschland erkrankt an erhöhtem Blutdruck. Doch nur etwa ein Drittel der Betroffenen weiß um das stille Leiden. Und dieses Wissen führt wiederum nur bei einem Drittel auch zu therapeutischen Konsequenzen. Bei den meisten Menschen hat Bluthochdruck keine erkennbare Ursache. Häufig ist er auf Lebensstil, Ernährung, selten auf Erkrankungen zurückzuführen wie Nie­ren­­schwäche, Arteriosklerose, Hormon­störun­gen. Beim „Metabolischen Syndrom“ ist Bluthochdruck Teil des Krankheitsbildes zusammen mit einem vermehrten Bauchum­fang, mit erhöhten Blutzucker- und Blutfettwerten.

Drei Säulen der Therapie

Die Grenzwerte für be­hand­lungsbe­dürf­tigen Blutdruck sind in den letzten Jahren immer weiter abgesenkt worden. Schon gegen einen leichten Bluthochdruck etwas zu unternehmen, kann lebensverlängernd wirken. Die Risiken von möglichen Folgekomplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall sinken. Bei Vorerkrankungen wie Nierenschwäche oder für Diabetiker gelten beim Blutdruck besonders strenge Therapieziele. Die ärztlichen Empfehlungen sind im wahrsten Sinne des Wortes zu beherzigen: Die Deutsche Hochdruckliga warnt davor, dass ein zu hoher Blutdruck „mitten ins Herz“ trifft, wenn die Krankheit unbehandelt bleibt.

Wenn der Arzt einen dauerhaft erhöhten Blutdruck feststellt, so bedeutet das:

  • den Blutdruck zu kontrollieren,
  • Lebensgewohnheiten zu ändern und
  • Medikamente einzunehmen.

Den Bluthochdruck selbst zu messen, wird zur Therapiekontrolle und –anpassung empfohlen. Es stärkt auch das Problembewusstsein des Patienten.

Eine Messung genügt nicht

Beide Messverfahren – Abhören der Klopftöne und Oszillometrie – haben ihre Stärken, Schwächen und Grenzen. Grundsätzlich darf man auch nicht davon ausgehen, dass eine Einzelmessung einen für unseren Blutdruck repräsentativen Wert liefert. Es gibt eine biologisch und psychisch bedingte Streubreite der Ergebnisse. Technisch bedingte Ungenauigkeiten der Messung wirkten sich in unserem Test so aus, dass gute Geräte bei knapp 80 Prozent der Patienten innerhalb der tolerierten Abweichungen korrekte Ergebnisse hatten. Messschwache Geräte erreichten nur bei weniger als der Hälfte der Patienten akzeptable Werte. Um das für den einzelnen Patienten geeignete Gerät zu finden, sind deshalb vor dem Kauf Vergleichsmessungen beim Apotheker, Arzt oder in Fachgeschäften zu empfehlen.

Tipp: Wer „ruhig Blut“ behält, misst genauer: Messen Sie am besten stets unter den gleichen Bedingungen zur gleichen Zeit am Morgen und Abend und in Ruhe.

Die Firma Hartmann hat übrigens ein Blutdruckmessgerät entwickelt, das die Korotkoff- und die oszillometrische Metho­de vereint. Weil das Gerät mit aktualisierter Software zum Zeitpunkt des Einkaufs für uns im Handel nicht verfügbar war, ist es nicht im Test vertreten, wir werden das Gerät aber baldmöglichst prüfen.

Handgelenk oder Oberarm?

Pro Jahr werden weit mehr als eine Million Blutdruckmessgeräte gekauft. Handgelenk­geräte dominieren seit Jahren den größten Teil des Marktes. Das liegt an ihrer bequemen Handhabung. Sie sind aber nicht für jeden Bluthochdruckpatienten geeignet, so zum Beispiel häufiger nicht für Diabetiker. Bei einem Handgelenkgerät muss dar­auf geachtet werden, dass es in Herzhöhe gehalten wird. Ein Vorteil der Handgelenkgeräte ist ihre kompakte Bauweise. Das ermöglicht rasches An- und Ablegen, ist günstig für den Gebrauch im Alltag, auch zwischendurch, im Büro oder auf Reisen. Allerdings ist auch hier auf das Einhalten von Ruhephasen vor der Messung zu achten. Schnelligkeit beim Handhaben und Hast gehen zulasten der Messergebnisse.

Die Ergebnisse zur Messgenauigkeit zeigten keine grundsätzlichen Unterschie­de zwischen Handgelenk- und Oberarmgeräten. Die Vorteile von Oberarmgeräten liegen vor allem in der besseren Les- und Bedienbarkeit von Display und Tastenfeld. Hier steht mehr Platz für Tasten und Ziffern zur Verfügung. Das honorierten auch unsere Tester. Am Oberarm ist zudem die für die Messgenauigkeit wichtige Position der Manschette auf Herzhöhe von vornherein korrekt.

Testergebnisse im Überblick

Wir haben 15 Blutdruckmessgeräte getestet, die nach dem letzten Test in test 1/06 neu auf den Markt gekommen sind. Im Vergleich zu diesen Geräten ist die Messgenauigkeit am Menschen etwas schlechter geworden. Zusammen mit den elf „guten“ Geräten aus dem letzten Test (siehe Tabelle „Weitere Blutdruckmessgeräte am Markt“) gibt es jetzt aber doch eine Vielzahl guter Geräte am Markt.

Die sechs Spitzenreiter in diesem Test kosten zwischen 25 und 79 Euro. Die besten Tester­gebnisse erzielten bekannte Marken – aber nicht immer: Unter den Geräten mit nur „ausreichender“ Messgenauigkeit finden sich neben dem preiswerten Rossmax ibp A40 für 15 Euro auch teurere Oberarmgeräte wie Beurer BM16 für 46 Euro und das Omron M9 Premium, mit 100 Euro das teuerste Blutdruckmessgerät im Test. Das mit 12 Euro sehr preiswerte Handgelenkgerät Weinberger KP 6240 erhielt noch ein „Befriedigend“, auch in der Messgenauigkeit. Der Preis allein ist also kein Qualitätsmerkmal.

Messgenauigkeit

Die größte Rolle im Test spielten natürlich die Blutdruckmessungen am Menschen. Dazu haben wir den Blutdruck von 32 Probanden entsprechend den Angaben in den Gebrauchsanleitungen der Geräte ge­messen. Außerdem führten wir Referenzmessungen mit einem vorher geeichten Manometer und Doppelstethoskop durch. In der Spitzengruppe der messge­nauen Geräte finden sich das boso medistar S, das Panasonic EW3006 für das Handge­lenk sowie die Oberarmgeräte aponorm by microlife und boso medicus family. Die Manschetten mancher Blutdruckmessge­räte eignen sich nach Herstellerangaben auch für große Oberarmumfänge: im Test die Geräte Omron M9 Premium, visomat comfort III und boso medicus family. Wir haben die Messgenauigkeit auch bei elf Pro­banden mit „starken“ Oberarmen exemplarisch geprüft. Bei dem ersten Gerät war die Messgenauigkeit sogar besser als bei Patienten mit normalen Oberarmum­fängen, bei den anderen war sie bei normalen und bei starken Oberarmen im Mittel etwa gleich.

Drei Messungen, ein Ergebnis

Mit einer Neuigkeit wartet das Gerät aponorm by microlife auf. Es misst auf Wunsch im Abstand von 15 Sekunden dreimal hintereinander. Im Display erscheint nur ein gemittelter Wert aus diesen drei Messungen. Das Messverfahren ergibt repräsentativere Werte als das Ergebnis einer Einzelmessung. Ein Vorteil könnte auch sein, dass wiederholtes Nachmessen vermieden wird – wer selbst misst, könnte versucht sein, sich die „schönen“ Werte auszusuchen. Für Nutzer ist die Dreimalmessung über etwa zwei Minuten gewöh­nungsbe­dürftig. Man kann das Gerät aber auch auf Einzelmessung schalten; in diesem Modus haben wir es geprüft (siehe auch „Richtig messen“).

Panasonic feiert sein Diagnosegerät groß­spurig als „Kehrtwende in der Behandlung von Bluthochdruck“. Warum das so sein soll, lässt sich allerdings aus der Patienteninformation und auch aus unseren Testergebnissen nicht ablesen.

Bedienen, Ablesen auf engem Raum

Bedienkomfort und Ausstattung der Blutdruckmessgeräte wurden in den letzten Jahren aber immer weiter verbessert: So werden zum Beispiel Fehlmessungen gemeldet und die Höhe des Pulsschlags angegeben. Einige Handgelenkgeräte be­ginnen mit dem Messen erst, wenn das Handgelenk mit dem Gerät korrekt in Herzhöhe gehalten wird. Es gibt Messge­räte mit besonders großem Display, kon­s­truktionsbedingt vor allem bei Oberarmgeräten und solche mit (Doppel- oder Dreifach-)Speicher – mindestens 30 Einträge speichern alle (siehe Tabelle: Ausstattung).

Beim Blutdruckmessgerät Omron M9 Premium besteht die Möglichkeit, über eine Computerschnittstelle auf dem Rechner Messdaten zu dokumentieren oder beim Arzt auswerten zu lassen. Blutdruckmessgeräte sind per Netzteil oder Batterie zu betreiben. Die Batterien reichen oft für mehr als 2 000 Messungen aus, bei Sanoquell 341 allerdings nur für 650.

Besonderen Wert haben wir auf den Handhabungskomfort gelegt, insbesondere auch für ältere Nutzer. Die großen Displays der Tischoberarmgeräte sind besser ablesbar als die von Handgelenkgeräten, wo sich Bedienknöpfe, Beschriftungen und Werte auf dem Display auf engem Raum drängen. Waren die Tasten zu schmal oder lag die Schaltfläche nahezu bündig in der Oberfläche, wie bei Sanitas SBM06, führte das zu Handhabungsproblemen und wurde von unseren Testern kritisiert.

Etliche Displays spiegeln und die Werte sind eher schwierig abzulesen – ein Problem, das die Hersteller vermeiden könnten. Die Lesbarkeit ist auch durch einen recht geringen Abstand der Ziffern (wie bei Panasonic EW3600) oder deren Platzierung am Anzeigenrand eingeschränkt (wie bei Sanoquell 341).

Viele Anleitungen zu verbessern

Als fachlich vollständig erwiesen sich die Patientenhinweise und Anleitungen der Geräte boso medistar S, Happy Life, Omron M9 Premium und Panasonic EW 3600. Oft fehlt ein Hinweis darauf, dass Patienten mit Durchblutungsstörungen zunächst eine Messung an beiden Armen oder Handgelenken vornehmen sollten, um ihren „Messarm“ – den mit dem höheren Blutdruck – zu ermitteln. Defizite gab es auch bei der Aufklärung zu Herz-Arrhythmien, die Messergebnisse beeinflussen. Etliche Hinweise könnten besser hervorgehoben werden, so bei Sanitas SBM06 und Weinberger KP 6240. Die meisten Patienteninfos sind oft in einem kleinen bis sehr kleinen Schriftgrad gehalten.

boso medistar S und Happy Life zählen im Test mit zu den besten Geräten bei der Gebrauchsinformation. Den Testperso­nen gefiel die Anleitung des Omron M9 Premium am besten. Sie ist ausführlich, verständlich und durch den größten Schriftgrad im Test für Ältere gut lesbar.

Information von vorgestern

Mangelnde Verständlichkeit durch zu viele Fachausdrücke wurde bei Weinberger KP 6240 und Beurer BC20 kritisiert. Die Firma Weinberger fällt in einem weiteren Punkt negativ auf: Die Einschätzung von Blutdruckwerten ist nicht einmal auf dem vorletzten Stand des Wissens. In der Patienteninformation des Geräts Weinberger KP 6240 werden als untere Grenze des kritischen Bereichs für systolischen Blutdruck 160 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) genannt. Doch bei der Systole gilt bereits ein Wert ab 140 mmHg als behandlungsbedürftig. Bei Diabetikern sind sogar Blutdruckwerte unter 125 mmHg das Therapieziel (siehe auch „Blutdruckwerte“).

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