Interview: „Nicht nervös werden“

Blut­druck­mess­geräte Test

Dr. Ulrich Tholl leitet im St.-Antonius-Hospital Kleve die Klinik für Nieren- und Hoch­druck­krankheiten. Außerdem gehört er dem wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Hoch­druck­liga an.

Wie oft sollte ein Gesunder seinen Blut­druck über­prüfen lassen?

Bis zum Alter von 40 Jahren etwa jähr­lich. Wenn er nicht zum Arzt geht, kann er das auch in der Apotheke machen, einfach nur, um ein Gefühl dafür zu kriegen, ob die Blut­druck­werte normal sind. Da mit zunehmendem Alter die Häufig­keit von Blut­hoch­druck zunimmt, sollte man ab 40 Jahre seinen Blut­druck noch regel­mäßiger im Auge behalten, auch als Gesunder.

Wem raten Sie, regel­mäßig selbst zu messen?

Allen Patienten, die einen bekannten Blut­hoch­druck haben, egal ob sie ihn mit Medikamenten senken oder es über die Ernährung, Gewichts­abnahme und köperliches Training versuchen. Wenn die Patienten die Blut­druck­werte dokumentieren, entweder im Mess­wert­speicher der Geräte oder in einem Blut­druck­pass, ergänzen diese die Messung in der Arzt­praxis. Die große Anzahl ermittelter Mess­werte ist eine hilf­reiche Information für den Arzt.

Wann sollte man messen?

Der ideale Zeit­punkt ist morgens vor dem Frühstück und vor Einnahme der Medikamente. Wer stan­dard­mäßig eine zweite Messung macht, zum Beispiel zu Beginn der Behand­lung, kann noch einmal vor dem Abend­essen messen. Somit hat man zwei feste Zeit­punkte, die unter relativ gleichen Bedingungen zu vergleich­baren Mess­werten führen. Aber man sollte sich auch nicht den Tages­rhythmus von dem Blut­druck­mess­gerät diktieren lassen.

Sollte man am rechten oder linken Arm messen?

Mit den meisten Geräten kann man rechts oder links messen. Man sollte aber den Blut­druck zumindest einmal an beiden Armen messen, um fest­zustellen, ob es Unterschiede in der Blut­druck­höhe gibt. Das kann durch bestimmte Gefäß­besonderheiten der Fall sein. Dann muss man den Blut­druck regel­mäßig an dem Arm messen, der den höheren Blut­druck aufweist.

Wie sollte gemessen werden?

Der Blut­druck sollte immer unter Ruhebedingungen gemessen werden, um die Bewertung unter gleichen Voraus­setzungen vorzunehmen. Die so gewonnenen Werte entsprechen dem Durch­schnitts­druck im täglichen Leben und werden als Grund­lage heran­gezogen, ob der Blut­druck zu hoch ist und ob er behandelt werden muss.

Wie soll man reagieren, wenn die Werte mal höher, mal nied­riger sind?

Einzelne Schwankungen sollte ein Patient nicht überbewerten, sondern lernen, damit umzu­gehen, und seine eigene Schwankungs­breite auch kennen­zulernen. Jeder Mensch hat Situationen, in denen der Blut­druck mal steigt und auch Werte von 160, 170 oder auch 180 erreichen kann. Das darf einen nicht nervös machen, die Blut­druck­werte normalisieren sich rasch wieder unter Ruhebedingungen.

Wann wird es kritisch?

Wenn ein Patient fest­stellt, dass seine Blut­druck­werte wieder­holt, auch unter gleichen Ruhebedingungen, über dem Ziel­wert von 135/85 liegen, sollte er mit seinem Haus­arzt sprechen. Und auch, wenn der Blut­druck sich nach unten entwickelt. Das kann ein Hinweis sein, die Medikation zu reduzieren. Patienten sollten aber nicht eigen­ständig Änderungen an den Blut­druck­medikamenten vornehmen. Die Kombination der Mittel ist mit Bedacht gewählt, und der Patient kann selber schlecht entscheiden, welches er weglässt und welches er weiter einnimmt.

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