Blut­druck­mess­geräte Test

Viele gute Blut­druck­mess­geräte stehen zur Auswahl, darunter auch preisgüns­tige. Dennoch eignet sich nicht jedes Blut­druck­mess­gerät für jeden.

Das Herz pumpt das Blut durch den Körper, um Organe und Körperzellen mit Sauer­stoff und Nähr­stoffen zu versorgen. 60 bis 80 Mal schlägt das Herz in der Minute, rund 10 000 Liter Blut befördert es am Tag. Nur so können Magen und Darm, Gehirn und Muskeln, Sinnes­zellen in Augen, Ohren und Nase ihre Dienste tun.

Druck auf die Wände der Blutgefäße

Bei Anstrengung brauchen die Organe mehr Sauer­stoff – das Herz muss mehr Blut in den Kreis­lauf pumpen, es schlägt schneller und steigert den Druck. Das kann inner­halb von Sekunden passieren, etwa bei einem Sprint zum Bus oder auch beim Streit mit dem Nach­barn.

Mit dem rhyth­mischen Herz­schlag entsteht eine Puls­welle, die Druck auf die Wände der Blutgefäße ausübt: Die elastischen Arterien dehnen sich immer dann, wenn das Herz Nach­schub in die Adern drückt.

Nicht zu sehen, hören oder fühlen

Man kann den Blut­druck nicht hören, nicht sehen und auch nicht fühlen. Aber man kann ihn mit tech­nischen Hilfs­mitteln registrieren, voraus­gesetzt, man übt Gegen­druck aus und bremst vorüber­gehend den Blutfluss in einer Arterie aus. Genau dazu dient die aufgepumpte Manschette eines Blut­druck­mess­geräts.

Mit Tönen klappt es

Wenn die Luft aus der Manschette lang­sam abge­lassen wird und das Blut wieder zu fließen beginnt, sind die in der Armarterie erzeugten Verwirbelungs­geräusche über Stethoskop als Klopf­geräusch zu hören. Daraus lässt sich der Blut­druck ableiten. So misst der Arzt. Er liest die Werte auf einer Milli­meter­skala ab. Die nach ihrem Entdecker Korotkoff – einem russischen Arzt – benannte Blut­druck­messung durch Wahr­nehmung der Geräusche hat sich nun schon seit mehr als 100 Jahren bewährt.

Mit Schwingungen geht es auch

Ein anderes Verfahren, die oszillome­trische Messung, erfasst über die Blut­druck­manschette die vom pulsierenden Blut erzeugten Schwingungen der Gefäße. Ein Mikrocomputer errechnet daraus die Blut­druck­werte. So funk­tionieren die meisten Blut­druck­mess­geräte für den Heim­gebrauch, die von Laien benutzt werden. Eine entscheidende Frage unseres Tests lautete: Können Blut­druck­mess­geräte für die Selbst­messung zuhause mit den Geräten mithalten, die in Arzt­praxen und Kliniken von Profis genutzt werden?

Mit jedem Gerät 192-mal gemessen

An den Start gingen fünf Hand­gelenkgeräte, sieben Ober­armgeräte, 32 Test­personen, 20 Kranken­schwestern und Ärzte. Die Aufgabe der Test­personen: Entspannen, Ruhe bewahren, nicht bewegen. Die Aufgabe des medizi­nischen Fach­personals: Blut­druck messen, registrieren, vergleichen. Die Probanden – 22 bis 81 Jahre alt, jeder zweite von ihnen Patient mit Blut­hoch­druck – kamen zum Einzel­termin ins Prüf­labor. Das Los entschied, in welcher Reihen­folge welches Blut­druck­mess­gerät getestet wurde. Jedes Gerät kam bei jeder Test­person sechs­mal zum Einsatz, insgesamt also 192-mal. Zur Kontrolle wurde der Blut­druck jeweils mit einem geeichten Arzt­gerät gemessen.

Fast wie Kranken­schwester oder Arzt

Blut­druck­mess­geräte Test

Die Blut­druck­höhe wird in mmHg (Milli­meter Queck­silber­säule) angegeben. Denn ursprüng­lich zeigte eine Queck­silber­säule die Blut­druck­werte an. Die Bezeichnung ist geblieben, auch wenn die Geräte zur Selbst­messung den Blut­druck längst digital anzeigen. Kranken­schwestern und Ärztekönnen den Blut­druck auf 2 mmHg genau bestimmen. Ein sehr gutes Mess­ergebnis sollte bei Selbst­mess­geräten im Schnitt nicht mehr als 2,5 mmHg von der Arzt­messung abweichen – so unsere Erwartung. Das schaffte keines der Geräte im Test. Für eine gute Mess­genauigkeit durften die Blut­druck­messer nicht mehr als durch­schnitt­lich 5 mmHg, für befriedigende Ergeb­nisse nicht mehr als 7,5 mmHg abweichen.

Das Test­ergebnis mit neun guten und drei befriedigenden Blut­druck­mess­geräten kann sich sehen lassen. Auch Hand­habung und Gebrauchs­anleitungen sind in Ordnung. Die Geräte lassen sich meist intuitiv bedienen, nur gelegentlich sorgen kleine Tasten, ein schwacher Kontrast der Blut­druck­anzeige oder kleine Schrift der Anleitung für milde Kritik.

Zwischen Hand­gelenk- und Ober­armgeräten im Test gibt es keine wesentlichen Qualitäts­unterschiede. Das beste, ein Hand­gelenkgerät, stammt von Panasonic. Es kostet 36 Euro. Gleich vier Ober­armgeräte drängeln sich ebenfalls in die erste Reihe – Aponorm, Beurer, Hartmann und Home­dics zu Preisen von 60 bis 90 Euro. Die Geräte von Hartmann und Home­dics kombinieren das oszillome­trische Mess­prinzip mit der Korotkoff-Methode. Das soll die Mess­genauigkeit verbessern. Bei unseren Probanden zeigten sich jedoch keine Vorteile gegen­über den anderen guten Geräten.

Test­personen und Blut­druck­simulator

Die Spitzenreiter über­zeugen mit guter Mess­genauigkeit bei den Test­personen, zuver­lässiger Wieder­holgenauigkeit und hoher Fehler­toleranz am Simulator. Dieser „künst­liche Arm“ simuliert die Druck­schwankungen der menschlichen Schlag­ader. Solche tech­nischen Messungen ergänzen die Blut­druck­messungen an Menschen. Sie zeigen anhand programmierter Blut­druck­werte, ob die Geräte zum Beispiel auch bei nach­lassender Batteriespannung, undichter Manschette oder extrem hohem Blut­druck zuver­lässig und konstant die richtigen Werte ermitteln.

Blut­druck war höher als ange­zeigt

Nicht immer ergab sich bei den Prüfungen ein einheitliches Bild. Während das gute Omron-Ober­armgerät am Simulator mit sehr guter Wieder­holgenauigkeit und sehr guter Fehler­toleranz glänzte, schwankte es bei der Mess­genauigkeit. Mehr­fach unterschätzte es vor allem den unteren Wert – in Wirk­lich­keit war der Blut­druck höher als ange­zeigt. Solche Ungenauigkeiten traten auch bei den drei befriedigenden Blut­druck­messern auf: dem Boso-Hand­gelenkgerät und den Sanitas-Hand­gelenk- und -Ober­armgeräten.

Ober­arm- und Hand­gelenkgeräte funk­tionieren im Prinzip gleich, und auch in der Mess­genauigkeit zeigten sich keine grund­sätzlichen Unterschiede. Allerdings müssen die kompakten Hand­gelenkgeräte einige anato­mische Besonderheiten bewältigen. So können individuell unterschiedlich starke Sehnen und Knochen des Unter­arms die Messung behindern. Auch bei Patienten mit verhärteten, unelastischen Adern – beispiels­weise Diabetikern oder Herz­kranken – kann die Messung am Hand­gelenk erschwert sein.

Mit Rechen­methode und Kreis­lauf

Die Mess­genauigkeit der oszillome­trischen Blut­druck­mess­geräte hängt auch von der Qualität und dem Zusammen­spiel der einzelnen Komponenten ab: der Manschette, der Pumpe, den Ventilen und dem Sensor. Der wandelt die auf die Manschette über­tragenen Schwingungen der Gefäß­wand in elektrische Signale um. Entscheidend sind auch die Algorithmen – die Rechen­programme –, die sich von Hersteller zu Hersteller und von Gerät zu Gerät unterscheiden. Je besser die Rechen­methode ist, um so eher können die Blut­druck­messer die kleinen Unregelmäßig­keiten des menschlichen Kreis­laufs verarbeiten.

Das Mysterium abweichender Werte

Bei einigen Menschen weisen selbst gute Geräte manchmal Abweichungen vom tatsäch­lichen Blut­druck von 10 oder 20 mmHg auf, während sie bei anderen Personen relativ genaue Mess­werte ermitteln. Es ist aber nicht vorhersehbar, welches Gerät bei wem ungenau misst. Umge­kehrt können auch befriedigende Geräte bei verschiedenen Personen durch­aus gute Ergeb­nisse erzielen. Das lässt sich bei Vergleichs­messungen fest­stellen.

Tipps rund ums Blut­druck­messen

  • Da die Gefäß­eigenschaften von Mensch zu Mensch unterschiedlich sind, sollten Sie vor der regel­mäßigen Nutzung eines Blut­druck­mess­geräts unbe­dingt eine Vergleichs­messung mit einem geeichten Gerät machen und Klopftöne per Stethoskop abhören lassen. Das geht am besten im Fach­handel, zum Beispiel einem Sanitäts­haus oder einer Apotheke. Auf jeden Fall (Leih-)Gerät zum nächsten Arzt­termin mitnehmen und Blut­druck­werte vergleichen.
  • Patienten mit Herz­rhythmus­störungen sollten dreimal hinter­einander messen – dazwischen jeweils zwei Minuten Pause machen – und aus den Ergeb­nissen den Mittel­wert errechnen. Geräte mit Arrythmie­anzeige messen nicht genauer, sie registrieren aber Herz­rhythmus­störungen während der Messung.
  • Für Patienten mit Herz­schritt­macher eignet sich das oszillome­trische Mess­prinzip nicht immer. Sie können eventuell ein Gerät nutzen, das die Blut­druck­werte zusätzlich nach der Korotkoff-Methode mithilfe eines Mikrofons ermittelt. Vorher mit dem Arzt besprechen und Vergleichs­messungen machen.
  • Einige Geräte nehmen manchmal mehrere Anläufe, um die Manschette voll­ständig aufzupumpen, beispiels­weise die beiden Sanitas-Geräte oder das von Aponorm. Das beein­flusst nicht die Mess­genauigkeit, es kann aber den Anwender verunsichern und vielleicht aus diesem Grund den Blut­druck in die Höhe treiben. Also: Ruhe bewahren und nicht nerven lassen. Bei den Geräten, die den Blut­druck schon in der Aufpump­phase ermitteln – Panasonic, Omron RX, Boso –, entfällt das lästige Nach­pumpen.
  • Ein einzelner Blut­druck­wert ist nur eine Moment­aufnahme. Was zählt, ist das Blut­druck­profil, das sich aus einer Vielzahl von Messungen über einen längeren Zeitraum ergibt. Zeichnen Sie Ihre Werte deshalb auf – im Mess­speicher Ihres Geräts oder ganz altmo­disch auf Papier.So kann Ihr Blut­druck­mess­gerät dem Arzt wichtige Daten für eine gezielte Therapie liefern, oder Sie nutzen es einfach selbst, um den Erfolg Ihrer Bemühungen abzu­lesen.

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