Blutdruckmessgeräte Test

Messgenauigkeit, Handhabung, Komfort: Blutdruckmessgeräte sind meist gut eingestellt, sogar sehr preiswerte. Auf „Schnäppchen“ ist aber nicht immer Verlass. Sie schnitten mal top, mal als Flop ab.

Hans Schwab aus Nürnberg lebte sorgenfrei – mit Übergewicht, Stress im Beruf, zu wenig Bewegung, nicht allzu gesunder Ernährung. Wie Millionen anderer Bürger auch. Gedanken über seine Gesundheit machte er sich kaum. Warnzeichen wie leichten Schwindel ignorierte er.

Dann brach der 59-Jährige zusammen. Der Arzt stellte einen Blutdruck von etwa 200 zu 100 fest und als dessen Folge Organschäden, Herz- und Kreislaufschwäche. Medikamente drückten den Blutdruck herunter, der 59-Jäh rige fuhr zur Kur. Doch Schicksalschläge folgten: Hans Schwab erlitt einen leichten Schlaganfall – da­nach anderthalb Jahre Krankheit, Berufsabschied, Verrentung.

Hans Schwab hatte verstanden. Er begann „ein neues Leben“: Seit Jahren leitet der heute 71-Jährige in Kooperation mit dem Klinikum Nürnberg Süd eine Selbsthilfegruppe mit 125 Bluthochdruckkranken. Er hat zehn Kilogramm abgenommen, wählt gesunde Kost, hält sich und die Gruppe in Bewegung. Er braucht nur noch wenige Medikamente, kontrolliert regelmä­ßig den Blutdruck. Den und sich selbst hat er „im Griff“. Die Werte sind makellos. „Ich habe zehn Jahre an mir gearbeitet, sonst würde ich nicht mehr leben.“

Bluthochdruck ist ein Killer

Blutdruckmessgeräte Test

Messwerte in mm Hg = Millimeter Quecksilbersäule des ärztlichen Blutdruckmessgeräts. Leichte Hypertonie:( Schweregrad 1) 140 - 159 zu 90 - 99, Mittelschwere Hypertonie: (Schweregrad 2) 160 - 179 zu 100 - 109, Schwere Hypertonie: (Schweregrad 3) > 180 zu 110, Optimal: < 120 zu 80, Normal: < 130 zu 85, Grenzwertig: 130 - 139 zu 85 - 89.

Die Mitglieder der Selbsthilfegruppe Hypertonie in Nürnberg gehören als „aktive“ Bluthochdruckkranke zu einer Minderheit. Von etwa 20 Millionen Betroffenen weiß etwa jeder Dritte von seiner „stummen“ Krankheit nichts. Das Ziel der Deutschen Hochdruckliga, jeder Bundesbürger solle seinen Blutdruck kennen, wurde bislang nicht erreicht. Dabei ist Bluthochdruck ein Killer – der größte Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten, die häufigste Todesursache im Lande. Die Hochdruckliga hat das in Anzeigen dargestellt. „Bluthochdruck trifft mitten ins Herz“, heißt es dort, „... kommt vor dem Schlaganfall“, „... geht an die Nieren“. Also: Blutdruck messen, Hochdruck behandeln.

Komfortable Geräte, große Auswahl

Für den Hausgebrauch stehen komfortable Vollauto­maten zur Verfügung. Per Knopfdruck erzeugen sie einen vorbe­stimmten Manschettendruck. Der automatisch gesteuerte Druckverlauf „liefert“ den systolischen und diastolischen Blutdruck und meist die Herzfrequenz. Werte werden gespeichert, zum Teil mit Mittelwertbildung, Handhabungsfehler häufig durch Fehlermeldung (Error) signalisiert.

Pro Jahr werden 1,4 Millionen Blutdruckmesser verkauft, überwiegend fürs Handgelenk. Sie sind bequem zu handhaben, gut zu transportieren. Oberarmgeräte erhielten aber für Anzeigen und Bedienelemente oft etwas bessere Bewertungen als die kompakte Konkurrenz.

Seit dem letzten Test von Blutdruckmessgeräten Ende 2001 hat sich der Markt geändert. So gibt es als eigenständige Marke „Nais“ nicht mehr (in Panasonic aufgegangen). Nais steht noch auf der Manschette von Sweetheart vom Marland Versand, das sich auch für Sehbe­hinderte eignet: Sie haben die großen Tasten, die gut verständliche Sprachausgabe, das einfache Anlegen der Manschette positiv beurteilt.

Zwischen 13 und 249 Euro

Sweetheart mit der Hightech-Ausstattung einer Sprachausgabe der Messwerte für Sehbehinderte ist mit 249 Euro das teuerste Gerät der Auswahl. Auch beim Discounter gibt es Blutdruckmesser. Ein Schnäppchen kann für Kranke zum Roulette werden, wenn – wie bei Plus für 40 Euro oder Rossmann MC 20 für 30 Euro – ungenau gemessen wird. „Ausreichend“ schnitten Sanitas und das Handgelenkgerät von Tchibo ab, mit 18 Euro sehr preiswert. Tchibo Relax zeigte bei (provozierten) Fehlmessungen unbrauchbare Werte, oft aber keine Warnung an. Qualitätseinbußen sind bei niedrigem Preis aber nicht zwingend: Quelle / Sanoquell (30 Euro) bestand den Test als „zweiter Sieger“ bei den Handgelenkgeräten hinter Omron RX Genius mit „gut“. Omron RX Genius hat eine USB-Schnittstelle. Sie ermöglicht, auch auf dem PC Werte zu speichern, direkt auszudrucken, als Liste oder Grafik. Das Einlesen der Messdaten funktioniert aber nur, wenn der Treiber im Betriebssystem korrekt installiert ist.

Für etliche Geräte werden große Oberarmmanschetten angeboten. Beim Uebe Visomat Comfort 20/40 kann wegen einer Zusatzfunktion die Standardmanschette bei Armen bis zu 43 Zentimeter Umfang verwendet werden. Bei Manschetten wurde am Simulator auch Undichtigkeit simuliert und nachlassende Batteriespannung. Hier kam es auf zuverlässige Fehlermeldungen an. Unangenehm: Die Neigung einiger Geräte, nachzupumpen. Das kann sogar den Blutdruck beeinflussen.

Schwächen am Menschen

Beim Test am Simulator maßen die meisten Geräte den oberen und den unteren Blutdruckwert im normalen Bereich recht genau. Erst das Messen an Versuchspersonen zeigte ein differenziertes Bild. So liegt das Braun-Handgelenkgerät bei der technischen Prüfung am Simulator in der Spitzengruppe („sehr gut“), in der praktischen Prüfung mit einem Mix aus Gesunden und Hochdruckkranken fiel es aber stark ab. Die Wiederholbarkeit der Messergebnisse war „mangelhaft“: Mehr als die Hälfte der Messungen lag nennenswert daneben.

Messfehler immer möglich

Blutdruckmessgeräte messen im günstigen Fall nur in etwa 80 Prozent der Fälle präzise. Messfehler von etwa 10 mm Hg sind stets möglich – auch bei „guten“ Geräten. Beim Kauf sollte eine Vergleichsmessung mit einem Arzt-Blutdruckmessgerät erfolgen (zum Beispiel in Apotheken vorhanden). Das Selbstmessgerät sollte der Messung durch das professionelle Gerät möglichst nahe kommen. Blutdruck verändert sich ständig. Deshalb sind Mes­sreihen so wichtig. Selbstmessen darf aber nicht zur Veränderung der Medikation in Eigenregie führen – darüber entscheidet der Arzt (siehe auch „An Oberarm und Handgelenk“).

Wenn in Nürnberg Blutdruckwochen sind, messen Hans Schwab und sein Team Passanten den Blutdruck. Er ermuntert sie zur Selbstkontrolle. Hans Schwab weiß: „Man kann mit einer ernsten Krankheit frohen Herzens weiterleben – wenn man nur aktiv ist und gegensteuert.“

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