Blumen­erde Test

Wenn es auf dem Balkon des Nach­barn üppiger blüht als auf dem eigenen, könnte es an der Blumen­erde liegen. Die Qualitäts­unterschiede sind deutlich.

Torf oder nicht Torf – das ist hier die Frage. Eine gute Blumen­erde zeichnet sich, kurz gesagt, dadurch aus, dass sie die Pflanzen optimal mit Wasser, Luft und Nähr­stoffen versorgt. Sie brauchen eine gut durch­lüftete, frucht­bare Erde. Sie bietet den Wurzeln Halt, versorgt die Gewächse mit Nähr­stoffen und dient als Wasser- und Luft­speicher. Alles, was Pflanzen brauchen, um gesund zu gedeihen, bieten Torf­erden meist gut. Leider. Der Abbau von Torf zerstört die in Jahr­tausenden gewachsenen Moore. Damit geht nicht nur Lebens­raum für bedrohte Pflanzen- und Tier­arten verloren, sondern auch ein wichtiger Kohlen­stoff­speicher (Torf).

Blumen­erde Test

Erdkunde. Je nach Aufbereitung und Zerset­zungs­grad schwankt die Struktur der Blumen­erde von grob über mittel bis fein.

Erdkunde. Je nach Aufbereitung und Zerset­zungs­grad schwankt die Struktur der Blumen­erde von grob über mittel bis fein.

Von den 19 untersuchten Blumen­erden enthalten 14 Torf, einige bestehen nur daraus. Der Test zeigt, dass es auch ohne geht: Von fünf torf­freien Produkten fördern zwei das Pflanzen­wachs­tum gut: Compo Bio und Neudorff NeudoHum. In die Bewertung sind die ökologischen Folgen des Torf­abbaus nicht einge­flossen. Denn Fachleute diskutieren unter anderem kontrovers, wie stark sich andere Bestand­teile von Blumen­erden auf die Umwelt auswirken.

Spärlich blass bis saftig grün

Blumen­erde Test

Wachs­tums­test. Je nach Erde wachsen Chinakohl­pflanzen mickerig bis üppig.

Wachs­tums­test. Je nach Erde wachsen Chinakohl­pflanzen mickerig bis üppig.

In Gartencentern, Bau- und Supermärkten stapeln sich die bunten Säcke mit Blumen­erde. Welche bringt Petunien, Pelargonien und Co. am besten zum Blühen?

Im Mittel­punkt der Prüfungen stand die Frage, welche Erde das Wachs­tum am besten fördert. Als Test­pflanze diente der schnell wachsende und nähr­stoff­liebende Chinakohl. Die langen Reihen mit nummerierten Blumentöpfen im Gewächs­haus zeigten schnell den Unterschied zwischen guten und schlechten Erden. In einigen Töpfen spross es nur spärlich, und die Pflanzen sahen eher blass aus. In anderen Töpfen wuchs saftiges Grün heran.

Den Nähr­stoff­gehalt der ausgewählten Erden – Stick­stoff, Phosphor, Kalium und Spuren­elemente – haben die Tester im Labor bestimmt.

Drei Produkte mit hohem oder sehr hohem Torf­anteil bieten die beste Grund­lage für üppiges Wachs­tum: Pflanzen-Kölle, Compo Sana und Frux. Bei den torf­freien Erden gab es große Unterschiede. Auf der teuren Compo Bio konnten die Kohl­pflanzen prächtig gedeihen. Neudorff NeudoHum zeigt sich etwas schwankend: Zwei Proben waren prima, auf der dritten entwickelten sich Pflanzen schlechter, da sie wenig Stick­stoff enthielt.

Das Geheimnis von Torf

Torf hat physika­lische Eigenschaften, die ideal sind für hoch­wertige Kultur­substrate, wie Fachleute die Erdmischungen nennen. Seine enorme Wasser­aufnahme­fähig­keit und nicht zuletzt sein nied­riger Preis machen ihn für Frei­zeitgärtner attraktiv.

Hoch­moortorf, der je nach Zerset­zungs­grad in Weiß- und Schwarz­torf unterschieden wird, ist nähr­stoff­arm und hat einen stabilen, nied­rigen pH-Wert. Vermischt mit Kalk, Nähr­salzen und weiteren Stoffen wie Ton werden daraus optimale Substrate. Fünf getestete Erden bestehen nur aus Torf. Die anderen Torf­erden enthalten bis zu 50 Prozent weitere Bestand­teile: Grün­gutkompost, Holz­materialien, Rindenhumus, Kokosfasern, Ton oder Perlite.

Torf­frei ist aufwendiger

Blumen­erde Test

Unkraut. Auf manchen Erden spross es üppig, selbst wenn weder etwas gesät noch gepflanzt wurde. Andere blieben erfreulich kahl.

Torf­freie Produkte sind schwieriger herzu­stellen. Sie bestehen meist aus Rindenhumus, Holz­fasern, Grün­gutkompost und Kokosmaterial. Die Bestand­teile müssen hoch­wertig sein. Sonst kann beispiels­weise durch die Zerset­zung der Holz­materialien Stick­stoff verbraucht werden. Der Nähr­stoff fehlt dann den Pflanzen.

Die Einstellung des pH-Wertes ist bei torf­freien Erden aufwendiger. Oft liegt der Wert höher als bei Torf und ist schwer zu senken. Auch der Kalium-, Natrium- oder Chlorid­gehalt kann durch verwendeten Kompost, Rindenhumus oder Kokosmaterial etwas höher als bei Torf sein.

Auch Torf­erden haben Nachteile. Torf kann Wasser sehr gut aufnehmen, einmal ausgetrocknet wird er aber mitunter, je nach Zerset­zungs­grad, sogar wasser­abweisend. Torf­ersatz­stoffe haben meist eine geringere Wasser­kapazität. Dafür wird der Wurzelraum besser durch­lüftet.

Zu nass verkauft

Blumen­erde Test

Handel. Die Erde soll trocken und geschützt lagern. Oft liegt sie im Freien.

Um zu prüfen, ob die Erden von gleich­bleibender Qualität sind, haben unsere Einkäufer die Blumen­erden dreimal zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten gekauft. Mitunter mussten sie noch einmal los. Grund: Die Erden waren nass – zu nass, um die Füll­menge prüfen zu können. Bei der torf­freien Obi-Erde waren sogar alle sieben Proben so nass, dass die Tester nicht bestimmen konnten, ob die Angabe der Füll­menge richtig ist.

Schuld daran dürfte der Handel sein. Obwohl auf den Packungen deutlich steht, dass Blumen­erde trocken und vor Witterungs­einflüssen geschützt gelagert werden muss, lag sie meist, vor allem in Baumärkten, völlig schutz­los im Freien. 

Die meisten Säcke sind ordentlich gefüllt, zeigt die Prüfung. Mit einer Ausnahme: In zwei Proben von Penny fehlte deutlich mehr Erde als die in der Fertigpackungs­ver­ordnung erlaubten 3 Prozent.

Nicht immer sind die einge­kauften Packungen gleich. Bei Toom-b1- und ASB-Grün­land-Erde waren bei gleicher Deklaration sogar bis zu drei Proben unterschiedlich zusammengesetzt.

Auch sonst gibt es bei der Deklaration oft Unstimmig­keiten. Fast die Hälfte der Produkte sind hier nur ausreichend, weil sie angegebene Stoffe nicht enthalten oder deklarierte Nähr­stoff­werte nicht einhalten.

Torf oder nicht Torf – das entscheidet der Hobby­gärtner. In beiden Gruppen findet er gute Produkte. Bei torf­freien Erden gibt es zusätzlich das gute Gefühl, etwas für den Schutz der Moore getan zu haben.

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