Blumenerde Test

Chinakohl. Vier Wochen nach der Aussaat haben sich viele Pflanzen nur spärlich entwickelt (oben). Andere wuchsen prächtig – etwa auf torf-, kompost- und holzfaser­haltiger Erde (unten).

Hobbygärtner brauchen nicht nur einen „grünen Daumen“, sondern auch eine glückliche Hand – wenn sie im Handel nach einem Sack Blumenerde greifen. Unser Test entlarvt heftige Qualitätsschwankungen.

Wer rechnen kann, hat es oft leichter im Leben. Nicht so beim Kauf von Blumenerde. Da geht schon die einfachste Rechnung nicht auf. Für Blumenkästen, die 20 Liter Erde fassen, sollte ein 20-Liter-Sack Erde ausreichen. Meint man. Doch es droht ein Frusterlebnis. Spätestens wenn die braune Masse eingefüllt, leicht angedrückt und gewässert ist, wird der Hobbygärtner oft verdutzt feststellen, dass die gekaufte Menge längst nicht ausreicht.

Schuld daran sind keine Rechenfehler, sondern die Normen zur Bestimmung der Füllmenge und der Geiz vieler Anbieter. Die Regelungen besagen, dass sich die deklarierte Füllmenge auf den locker-flockigen Zustand der Erden beim Abfüllen im Werk bezieht – und nicht auf die Praxis im gelagerten Sack oder im Blumentopf.

104 Proben im Test: Oft ist wenig drin

Blumenerde Test

Wir wollten wissen, ob die Anbieter wenigstens etwas großzügig abfüllen. Zumindest wenn die Verbraucher die Erde zu Hause gründlich auflockern, sollten sie eine Chance haben, annähernd auf die deklarierte Menge zu kommen. Wir haben bei 104 Blumenerdeproben den Test gemacht: Alle wurden mit der Hand so gründlich aufgelockert, bis sie durch ein Sieb rieselten. Das Ergebnis war enttäuschend: Etwa jeder zweite Sack enthielt relativ wenig Erde. Vereinzelt fehlte sogar mehr als ein Viertel. Auch das Landesamt für Mess- und Eichwesen Berlin und andere Landeseichämter haben das Problem erkannt und sind aktiv geworden. Erste Proben von Blumenerde wurden bereits geprüft und beanstandet.

Tipp: Wenn Sie den Verdacht haben, dass viel weniger Erde im Sack ist als draufsteht, sollten Sie den Inhalt auflockern und fein zerbröselt in 10-Liter-Eimer rieseln lassen. Falls dann tatsächlich viel fehlt, sollten Sie sich beschweren – beim Händler und beim Eichamt.

Bei Stickstoffmangel: Kein Wachstum

Blumenerde Test

Im Mittelpunkt unseres Tests stand natürlich die spannende Frage, wie Pflanzen in verschiedenen Blumenerden wachsen. Als Testpflanze wählten wir Chinakohl. Er wächst schnell und zählt zu den nährstoffliebenden Pflanzen. Die Unterschiede im Wachstum waren gewaltig: Sie reichen von verkümmerten Keimlingen bis zu prächtig sprießenden Pflanzenreihen. Ärgerlich: Bei fast jeder fünften Blumenerde konnten wir die Wachstumsergebnisse nur „spärlich“ nennen.

Die Ursachen für schlechtes Wachstum offenbarte die chemische Analyse: zu geringer Nährstoffgehalt. Etwa vier von zehn Proben enthielten nicht so viel Stickstoff, wie für Blumenerden erforderlich ist. Vor allem bei einigen Billigprodukten ermittelten wir Stickstoffdefizite – möglicherweise eine Folge des Preiskampfs in diesem Marktsegment.

Tipp: Wenn die Pflanzen unbefriedigend wachsen, liegt das oft am Stickstoffmangel. Dann hilft es, selber zu düngen.

Andere Nährstoffe wie Phosphor und Kalium fehlten vergleichsweise selten. Nur in Einzelfällen machten sich zu geringe Phosphorgehalte als Ursache für schlechtes Wachstum bemerkbar. Auch ein zu saures Milieu (niedriger pH-Wert) störte nur selten.

Unkräuter: Grünes Wunder inklusive

Blumenerde Test

Wer die Blumenerde für die Aussaat verwendet, kann sein grünes Wunder erleben. Längst nicht jedes Pflänzchen, das da das Licht der Welt erblickt, ist erwünscht. Fast jede achte Probe erwies sich als „Samentüte“. Diverse Unkräuter, vor allem Gräser, kamen hier zum Vorschein. Besonders viele keimten in einer Probe der von Floragard abgefüllten Mariechen's Spezialerde. Für Profigärtner wäre solch ein Unkrautbewuchs katastrophal. Auch Hob­by­gärtner sollten sich solche Erde nicht bieten lassen und reklamieren.

Ursache ist die Herkunft der Blumenerden. Fast alle getesteten Erden enthalten Torf. Der stammt ursprünglich aus Mooren. Beim Torfabbau werden meist die unteren, unkrautfreien Schichten für Blumenerden genutzt, die oberen mit Bewuchs dagegen für Renaturierungszwecke. Wird derartiges Material unsachgemäß verwertet und verkauft, kann dies eine Unkrautquelle sein. Eine andere Ursache: zugeflogene Samen bei ungeschützter Lagerung.

Vorsicht, Dürre!

Blumenerde Test

Wenn Blumenerde austrocknet, kann sie rissig werden wie ein ausgedorrter Wüstenboden. Besonders ärgerlich ist es, wenn sich der schrumpfende Erdballen vom Rand des Pflanzbehälters löst und eine klaffende Spalte hinterlässt. Beim Gießen strömt das lebenswichtige Nass an der Pflanze vorbei gen Topfboden – im ungünstigsten Fall auf den Fußboden, während die Pflanze trocken bleibt.

Mit einem Schrumpfungstest haben wir die Ausmaße der Risse und Spalten überprüft. Betroffen waren vor allem Erden, die fast nur aus schwarzbraunem (stark zersetztem) Torf bestehen. Besser schnitten viele Produkte ab, die mehrere Kompo­nenten enthalten – auch Ton, Holzfasern oder Kompost. Auch Zusätze von Perlite (leichtes, „aufgebackenes“ Material vulkanischen Ursprungs) sollen die Wiederbenetzbarkeit verbessern.

Tipp: Setzen Sie ausgetrocknete Pflanzen am besten ins Tauchbad (notfalls etwas beschweren), bis die Erde sich vollgesogen hat und keine Luftblasen mehr aufsteigen. Aber nicht zu lange, sonst „ertrinkt“ der Wurzelballen und fault.

Ist drin, was draufsteht?

Ein Ärgernis waren die Aufschriften vieler Verpackungen: Zum Teil waren mehr Nährstoffe deklariert als nachweisbar. In einigen anderen Fällen wurden Inhaltsstoffe wie Holzfasern, Rinde oder Kompost aber gar nicht aufgeführt, obwohl es sich um wesentliche Bestandteile handelte. Diese Zurückhaltung der Anbieter ist unverständlich. Eigentlich sollten sie offensiv damit werben, wenn sie Torf durch andere Stoffe sinnvoll ersetzen oder ergänzen:

  • Kompost hilft: Komposterde ist reich an strukturverbessernden Humusanteilen und vor allem den Nährstoffen Phosphor und Kalium. Fast die Hälfte der untersuchten Blumenerden enthalten Kompostanteile. Bei den Erden, in denen die Testpflanzen besonders prächtig wuchsen, lag die Quote der komposthaltigen sogar überproportional hoch.
  • Auch ohne Unkraut: Unkräuter waren in den Kompostprodukten selten ein Problem. Im Gegensatz zur privaten Kompostierung haben die Samen in professionellen Kompostmieten kaum eine Chance, die Heißrotte zu überleben.
  • Ton: Hochwertige Produkte enthalten auch häufig Ton als Nährstoffspeicher.
  • Holz und Rinde: Prinzipiell ist der Zusatz von Holzfasern sinnvoll, um die Struktur zu verbessern. Die holzhaltigen Produkte schnitten im Test zum Teil recht gut ab. Aber Vorsicht bei Erden mit unzureichend aufbereiteter Rinde: Hier stellten wir oft spärliches Wachstum fest. Wenn der Sackinhalt nach Rinde riecht oder gar stinkt, sollten Sie solche Produkte meiden. Gute Erde riecht eher wie Waldboden.
  • Kokos: Ein geeigneter Torfersatz ist Kokosfaser. Derartige Produkte werden als ge­trocknete Blockware verkauft, die zu Hause mit Wasser aufquellen muss. Der Test zweier solcher Produkte zeigte, dass es funktioniert und die „Erde“ gute Struktureigenschaften hat. Sie schrumpfte beim Austrocknen kaum und bildete keine Risse. Aber: Die Produkte waren ungedüngt (deshalb sofort selbst nachdüngen!).
  • Es geht auch ohne Torf: Torf ist eine wertvolle Ressource. Er sollte nur gezielt und sparsam verwendet werden. Für die meisten Zwecke im Garten ist Torf ersetzbar – durch altbewährten Kompost.

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