Von der Scheibe. Blu-ray-Disks liefern gestochen scharfe Bilder.

Einer der besten Player kostet nur 93 Euro. Er spielt wie seine smarten Konkurrenten Filme von der Scheibe und aus dem Internet ab.

So manche Fernseher­besitzer erlebten im Früh­jahr 2015 ein kleines Desaster. Ende April versagte die Youtube-App ihres TV-Geräts den Dienst. Viele Nutzer schätzten sie. Mit der App konnten sie Filme wie „Das Leben des Brian“ in voller Länge ansehen, Kochsendungen mit Jamie Oliver oder Anthony Bourdain, Musik- oder Nach­hilfe­videos zu bino­mischen Formeln abrufen – von der Wohn­zimmercouch aus. Seit April erscheint nach dem Ankli­cken der App nur noch der schnöde Hinweis „Google unterstützt diese Youtube-App nicht länger“. Die Fernseher – bis Baujahr einschließ­lich 2012 – waren von heute auf morgen veraltet.

Wer will schon wegen einer verstorbenen Youtube-App einen neuen Fernseher kaufen? Das ist teuer und mit Blick auf die Umwelt eine Schande.

Eine Alternative könnte der Kauf eines der elf geprüften Blu-ray-Player sein. Alle ermöglichen den Zugriff auf Youtube. Bis auf Yamaha haben wir von jedem Anbieter ein güns­tiges und ein teures Gerät geprüft. Fast alle sind in Bild und Ton sehr gut. Sie spielen Blu-ray-Scheiben ebenso ab wie DVDs und CDs. Der Zweit­platzierte – ebenso wie die Nummer eins im Test ein Gerät von LG – kostet weniger als 100 Euro.

Fast alle geprüften Spieler sind ziemlich schlau. Sie bringen vielfältige Internet­funk­tionen mit und können Fernsehern neues Leben einhauchen. Die Geräte mussten sich nicht nur in den üblichen Disziplinen wie Bild und Ton beweisen, sondern auch mit ihren Internet­anwendungen. Wie leicht kann der Nutzer auf Web-Inhalte zugreifen? Wie lange dauert es, ein Youtube-Video vorzuspulen? Welche Apps sind nutz­bar?

Videos auf Abruf

Die Blu-ray-Player werden per Netz­werk­kabel oder WLan – bis auf Panasonic BDT 174 – an den Router ange­schlossen. Die Kabel­verbindung ist schneller und stabiler als WLan, optisch aber oft nicht empfehlens­wert. Vermutlich weiß nicht jedes Familien­mitglied ein durchs Wohn­zimmer verlegtes graues Kabel zu schätzen.

Für die Bewertung der Internet­funk­tionen spielt auch eine Rolle, wie viele Apps der Blu-ray-Spieler an Bord hat oder zumindest nach­installieren kann. Die im Prüf­punkt Internet befriedigenden Player bieten mindestens Apps für Youtube und Video­abrufanbieter wie Netflix, Maxdome oder Lovefilm/Amazon Prime.

Vergnügliche Kino­stunden

Aus dem Internet. Über vorinstallierte Apps spielen Blu-ray-Player Filme aus dem Netz ab. Ob eine App nach­installier­bar ist und wie lange sie unterstützt wird, hängt vom Anbieter ab.

Aus dem Internet. Über vorinstallierte Apps spielen Blu-ray-Player Filme aus dem Netz ab. Ob eine App nach­installier­bar ist und wie lange sie unterstützt wird, hängt vom Anbieter ab.

Nutzer, deren Internet­verbindung mindestens 6 Megabit pro Sekunde erreicht, können sich per Streaming – der Film wird während der Wieder­gabe im Hintergrund geladen – vergnügliche Kino­stunden bereiten, ohne das Haus verlassen zu müssen. Noch ist der Spaß je nach Film recht teuer. Aktuelle Kino­filme kosten im Einzel­abruf um die 5 Euro. Für das gleiche Geld bekommen Film- und Serien­fans auch schon ein Monats­abo bei einem Streaminganbieter.

Ausgerechnet beim teuersten Player im Test, dem von Yamaha für 259 Euro, ist außer Youtube keine andere Video-App vorinstalliert. Das ist sparta­nisch. Er schneidet deshalb bei den Internet­funk­tionen am schwächsten ab: nur ausreichend.

Apps je nach Geräteanbieter

Manche Player haben mehr als 30 Apps vorinstalliert. Wer auf weitere Programme zugreifen will, die Arte-Mediathek zum Beispiel, kommt nur zum Ziel, wenn der Anbieter des Blu-ray-Spielers die App zum Download zur Verfügung stellt.

Tipp: Ist Ihnen an einer App besonders gelegen, erkundigen Sie sich vor dem Gerätekauf, ob der Anbieter sie im Programm hat.

Eine Frage der Fernbedienung

Ein Kriterium bei der Auswahl des Players kann auch der Wunsch sein, dass möglichst wenig Fernbedienungen auf dem Wohn­zimmertisch liegen. Wer etwa einen Sony-Fernseher besitzt, kauft einen Sony-Player. In vielen Fällen befinden sich auf der Fernbedienung des Fernsehers auch Tasten für die Nutzung von DVD- oder Blu-ray-Spielern desselben Anbieters. Zumindest die Grund­funk­tionen wie Start, Stopp, Vorwärts- und Rück­wärts­spulen lassen sich so beim Player bedienen. Wer sicher sein will, fragt vor dem Kauf nach, ob das Zusammen­spiel funk­tioniert.

Um Such­begriffe einzugeben, muss der Nutzer in der Regel aber die Original-Fernbedienung verwenden. Auf dem Fernseher­display erscheint dann eine Tastatur, auf der er recht mühsam Buch­stabe für Buch­stabe einzeln ankli­cken muss. Youtube-Such­begriffe wie „Dr. House“, „Nach­hilfe bino­mische Formel“ oder „Koyaanisqatsi“ werden zur Heraus­forderung.

Tipp: Installieren Sie auf Ihrem Tablet oder Smartphone die Fernbedienungs-App des Anbieters und geben Sie darüber Such­worte komfort­abler ein. Außer bei den Panasonic- und Samsung-Geräten im Test klappt das bei allen anderen.

Dem Testsieger LG BP 740 liegt eine Fernbedienung bei, die wie ein Maus­zeiger auf dem Fernseher­display funk­tioniert. Mit dem Zeiger klickt es sich deutlich schneller als per Taste, sie dürfte aber vor allem für Menschen mit eher unruhigen Händen gewöhnungs­bedürftig sein.

Meist mit Internet­browser

Es mag verlockend klingen, den Fernseher zum Surfen im Internet zu nutzen. Immerhin bieten acht der elf geprüften Player einen Internet­browser. In der Praxis ist diese Art des Couchsurfens allerdings eher eine Qual. Schon die Internet­adressen einzutippen, fällt schwer, ganz zu schweigen davon, einzelne Seiten­inhalte anzu­klicken. Mit entsprechender Begeisterung lassen sich an LG BP 740, Philips BDP 7750 und Samsung BD-J7500 Maus oder Tastatur anschließen, beim Samsung nur kabellos.

Noch nicht ultra­hoch­aufgelöst

Neues Logo. Keines der geprüften Geräte spielt UHD-Blu-rays ab. Entsprechende Modelle kommen erst in einigen Monaten auf den Markt.

Einige der geprüften Blu-ray-Spieler könnten für Nutzer interes­sant sein, die sehr große und ultra­hoch­auflösende Fernseher (UHD) besitzen. Diese noch recht neuen TV-Geräte bieten die vierfache Auflösung bislang üblicher HD-Fernseher – acht Millionen statt zwei Millionen Pixel. Bislang gibt es aber kaum Quellen für derart detaillierte Film­aufnahmen. Wer dennoch das volle Potenzial seines Fernsehers nutzen will, kann das Bild entweder vom Fernseher auf UHD hoch­rechnen lassen oder von den dafür geeigneten Blu-ray-Playern im Test. Ob der Blu-ray-Spieler oder der Fernseher das Upscaling im Einzel­fall besser beherrscht, kann auch vom Video­material abhängen.

Alle anderen Nutzer können auf diese Funk­tion leichten Herzens verzichten. Erst in den kommenden Monaten sollen „echte“ UHD-Blu-ray-Scheiben und entsprechende Player auf den Markt kommen. Die werden aber anfangs deutlich teurer sein.

Alle können 3D darstellen

Top in Bild und Ton. Blu-rays wie „Victoria“ spielen alle geprüften Player bis auf einen sehr gut ab.

Ob die Kunden an dieser neuen Funk­tion über­haupt interes­siert sind, bleibt abzu­warten. Vielleicht lässt sie die neue Technik ebenso unbe­rührt wie die noch vor kurzem als Hit gepriesene 3D-Darstellung. Wer auf sie Wert legt, kommt auch mit den geprüften Playern klar: Alle elf Geräte im Test sind 3D-fähig. Die allermeisten Blu-ray-Spieler stellen diese räumlichen Bild­inhalte in guter oder sogar sehr guter Bild­qualität dar. Einzig der Sony BDP-S5500* schwächelt bei der 3D-Wieder­gabe leicht.

Bereits für rund 100 Euro bekommen Käufer einen Blu-ray-Player mit vielfältigen Funk­tionen. Bleibt zu hoffen, dass sie lange Freude daran haben und nicht wieder von heute auf morgen vor einem veralteten Gerät stehen.

* Korrigiert am 05.02.2016.

Dieser Artikel ist hilfreich. 70 Nutzer finden das hilfreich.