Blu-ray-Disc- und DVD-Spieler Test

Der Streit ist vorbei. Für feinaufgelöste „HD“-Videos gibt es nur noch die Blu-ray-Disc. Doch die Abspielgeräte kosten deutlich mehr als herkömmliche DVD-Spieler. Lohnt es sich, das Geld auszugeben?

Ein Hollywood-Drehbuch hätte spannender kaum sein können. Zwei Jahre lang herrschte Streit, welches Speichersystem für hochauflösende Videos die DVD be­erben wird. Zwei Akteure lagen im Clinch, jeweils von einem Konsortium umringt: Toshiba und Sony. Der eine wollte mit der HD-DVD das Erbe antreten, der andere mit der Blu-ray-Scheibe. Eine Entscheidung des Filmstudios Warner Brothers sorgte für ein jähes Ende des Erbstreits. Das Studio erklärte im Januar 2008 den Ausstieg aus dem HD-DVD-Format, woraufhin sich To­shiba geschlagen gab und die Produktion von HD-DVD-Spielern einstellte.

Während bis dahin keines der beiden Systeme nennenswerte Verkaufszahlen erzielte, melden die Blu-ray-Anbieter nun deutliche Absatzsteigerungen. Offenbar war die Sorge der Konsumenten zu groß, sich einen Spieler des Systems zu kaufen, das früher oder später wieder vom Markt verschwinden würde. Dann wären auch die zugehörigen Film- und Spielescheiben zu teuren Raritäten geworden. Im Nachhinein gesehen haben die potenziellen Käufer sehr weise gehandelt. Es war die beste Entscheidung, mit dem Kauf zu warten.

DVD hat noch nicht ausgespielt

Mit dem Sieg für den hochauflö­senden Standard „Blu-ray-Disc“ sind herkömmli­che DVDs aber noch nicht zu Grabe getragen. Auch sie bieten beeindruckende Bilder. Und im Ton kann die DVD mit vollem Kinosound überzeugen. Wir haben Blu-ray- und DVD-Spieler im Test gegeneinander antreten lassen. Für beide Systeme gibt es überzeugende Argumente.

Kleiner Preis, große Leistung

Das stärkste Argument für DVD-Spieler ist der Preis. Das teuerste Gerät im Test, der Denon DVD-1740, kostet mit 193 Euro nur halb so viel wie das billigste Blu-ray-Modell. Der Xoro mit einem noch „guten“ test-Qualitätsurteil und „guter“ Bildqualität ist für 59 Euro recht günstig zu haben. Das Gros der Blu-ray-Spieler kostet etwa zwischen 400 und 600 Euro, die beiden teuersten heftige 1 000 und 1 450 Euro – ohne allerdings gegenüber anderen Testgeräten ihrer Klasse Vorteile zu bieten, weder in ihrer Leistung noch in der Ausstattung.

Die große Stärke der Blu-ray-Spieler ist ihre Bildqualität. Wer einen großen HDTV-Bildschirm besitzt mit einer Zeilenzahl von mindestens 720 oder besser noch 1 080 Zeilen bei einer Bilddiagonale von über einem Meter, bekommt von der Blu-ray-Disc scharfe Bilder, die begeistern. Und wenn dar­über ein Videoprojektor (Beamer) für 1 080 Zeilen angesteuert wird, gibt es Heimkino pur. Die üppige Tonanlage für Rundumton darf dann aber auch nicht fehlen.

Auch die DVD-Spieler bieten HDTV. Sie können zwar die Blu-ray-Discs nicht wiedergeben, doch rechnen sie die Zeilenzahl der DVD auf die HDTV-Zeilenzahl hoch (Upscaling auf 720 oder 1 080 Zeilen). Und das klappt bei Denon, Onkyo und Sony erstaunlich gut. Gegenüber der Standard-DVD-Bildqualität sind die hochgerechne­ten Bilder sichtbar besser. An die HDTV-Bildqualität der Blu-ray-Modelle kommen sie jedoch nicht heran.

DVDs sind 10 bis 15 Euro billiger

Somit taugen die DVD-Spieler eher für die Standardformate (SD, Standard Definition) Pal, Secam, NTSC. Wer einen Pal-Fernseher besitzt, kann sich das Geld für Blu-ray sparen. Letztlich gibt es alle Filme auch auf DVD. Und DVDs sind durchschnittlich 10 bis 15 Euro billiger als die Blu-ray-Scheiben.

Auch Blu-ray-Player spielt DVDs ab

Auch Blu-ray-Spieler geben DVDs wieder und rechnen sie auf HDTV-Formate hoch. „Gut“ lösen das Loewe, Panasonic, Samsung und Sony. Das macht den Nutzer vom HD-Format unabhängig, denn viele Videotheken haben die Blu-ray-Discs noch nicht oder noch nicht alle Titel im Verleih.

Einige zeigen Fotos brillant

Bis auf Loewe und Sharp übertragen alle Blu-ray- und DVD-Spieler auch Fotos. Die Fotodaten der Digitalkamera werden per Computer auf eine DVD oder CD gebrannt und über den Spieler wiedergegeben. Der Bildwechsel erfolgt über die Fernbedienung, oder die „Diashow“ läuft automatisch. Wer Bildbearbeitungssoftware nutzt, passt die Fotos an die Zeilenzahl seines Bildschirms an. Das spart Rechenzeiten für schnellere Bildwechsel und verbessert die Bildqualität.

Denon und Toshiba hilft das aber nicht. Beide zeigen Zackenlinien und etwas verschwommene Bilder. Toshiba nutzt nicht den gesamten Bildschirm aus. Marantz und Onkyo zeigen die Bilder zu breit. Marantz-Fotos sind zudem verrauscht und zu kontrastreich, die von Onkyo verschwommen und mit Stufenlinien. Die Fotos vom Muvid sind unscharf. Beste Fotos in brillanter HD-Qualität bieten die Blu-ray-Spieler Panasonic, Pioneer und Sony sowie die DVD-Spieler Elta und Xoro.

CD-Musik vom Videospieler

Was neben Film- und Fotowiedergabe vielleicht nicht so vordergründig ersichtlich ist: DVD-Spieler haben in den letzten Jahren die Rolle des Musikspielers in der HiFi-Anlage übernommen. Bei Blu-ray dürfte das nicht anders sein. Die CD-Spieler sind vom Markt praktisch verschwunden. Das ist paradox, weil das Handhabungskonzept der Videospieler auf Videobetrieb ausgelegt ist. Beispielsweise muss der Fernseher als Ersatz für die Geräteanzeige eingeschaltet werden, um CD-Sonderfunktionen (wie Titelreihenfolge programmieren oder Titel ausblenden) einzustellen. Es gibt aber auch einen weiteren Trend: Von Konzerten werden Livemitschnitte als DVD und jetzt auch als Blu-ray-Disc angeboten. Sie bieten neben dem musikalischen Ereignis auch noch einen visuellen Eindruck.

Für jeden Ton passende Anschlüsse

Für den Blu-ray-Spieler muss keine neue Tonanlage angeschafft werden, die alte tuts auch. Die Palette an Anschlüssen reicht vom Pärchen Cinch-Buchsen für den Stereoverstärker bis zum brandaktuellen HDMI-Anschluss (siehe „Glossar“). Über ihn werden Video- und Audiosignale gemeinsam zum Beispiel an einen Surroundverstärker weitergeleitet.

Alle Spieler bieten auch die herkömmlichen separaten Digitaltonverbindungen über elektrische, oft auch optische Kabel. So lässt sich praktisch jede Tonanlage an einen der Blu-ray-Spieler anschließen.

Wer eine neue Anlage kaufen und den Rundumton der DVD- oder Blu-ray-Discs nutzen möchte, muss sich entscheiden: Soll die Dekodierung der Filmtonformate (Dolby Digital, DTS und andere) dem Videospieler überlassen werden, oder verwendet man einen externen Surroundverstärker? Einige der Geräte im Test bieten integrierte Surrounddekoder. Daran werden nur noch Leistungsverstärker und Lautsprecher angeschlossen. Vorteil: Es kann nach Lust und Laune jedweder Verstärker angeklemmt werden, bis hin zu gewaltigen Endstufen, deren Leistung kaum ein Surroundverstärker liefern kann. Mehr verbreitet sind aber separate Surroundverstärker mit eigenem Dekoder. Die haben wesentlich mehr Einstellmöglichkeiten für den Ton als die Dekoder im Spieler selbst. Und je besser der Verstärker, desto besser ist der Surroundklang. Letztlich muss sich jeder selbst für eine Option entscheiden.

HDMI-Anschlüsse sind erste Wahl

Auch bei den Videoanschlüssen sind die Testgeräte „pflegeleicht“. Sie bieten praktisch alle erdenklichen Möglichkeiten, vorhandene Wiedergabegeräte anzuschließen. HDMI-Anschlüsse sind die erste Wahl. HDMI reicht die digitalen Videosignale unverfälscht an das Wiedergabegerät weiter. Dafür muss aber auch der Bildschirm über einen solchen Anschluss verfügen. Die HDTV-Standards „HD ready“ und „Full HD“ (siehe „Glossar“) schreiben ihn mittlerweile für alle Videospieler, Videorekorder, Fernsehgeräte, Surround- und Audio-Video-Verstärker vor.

Ältere Geräte anschließen

Für ältere Fernsehgeräte, Beamer und Surroundreceiver, die keinen HDMI-Anschluss haben, gibt es analoge Anschlüsse (Scart, FBAS, Komponenten). Dafür wird das Digitalsignal in Analogsignale umgewandelt. Das kann die Signalqualität ein wenig verschlechtern. Auch ältere Flachfernsehgeräte haben kein HDMI. Sie bieten aber oft einen digitalen DVI-Eingang (Digital Visual Interface), für den es im Fachhandel Adapterkabel auf die HDMI-Schnittstelle gibt.

Nur drei sind „gut“ zu bedienen

Videospieler sind komplexe Geräte. Insbesondere wenn sie auch noch einen Surrounddekoder enthalten, kommen jede Menge Bedienfunktionen zusammen. Der Nutzer sollte sie problemlos über sinnfällige Menüs abarbeiten können, doch eine einfache Handhabung ist selten. Gerade einmal 3 von 16 Modellen erreichten hier „gut“ – der DVD-Spieler von Onkyo, die Blu-ray-Spieler von Sony und Samsung nur knapp. Wenigstens sollte dem Gerät eine akzeptable Bedienungsanleitung beiliegen. Das ist ja auch meist der Fall, doch Elta und Xoro bieten Anleitungen mit Übersetzungsfehlern, Sprachengemisch, kleiner Schrift und schlechten Zeichnungen.

Es wirkt irgendwie paradox

Ein Streitpunkt bei der Handhabung sind immer wieder die Bedienelemente am Gerät selbst. Der Trend ging bislang immer mehr zu Notfunktionen wie Start und Stopp, die sich ohne Fernbedienung steuern lassen. Loewe und Sharp treiben es auf die Spitze: Ihre Blu-ray-Spieler lassen sich gar nicht mehr am Gerät selbst bedienen, sondern nur noch mit Fernbedienung. Nur ein verschämter „eject“-Knopf zum Ausfahren der Plattenschublade ist beim Sharp noch zu finden. Und das bei Geräten, an die man herantreten muss, um Platten zu wechseln. Selbst um die Platte zu entnehmen, ist man beim Loewe auf die Fernbedienung angewiesen. Das wirkt irgendwie paradox. Der Sony-DVD-Spieler bietet wenigstens noch Start und Stopp. Aber es gibt Ansätze zu einer Trendwende. Bei Denon, Marantz, Panasonic und Samsung lassen sich zumindest die Grundfunktionen am Gerät bedienen, bei Onkyo fast vollständig.

Die Anbieter geizen mit Kabeln

Ein Ärgernis: Da geht jemand in ein Geschäft, kauft für „teuer“ Geld einen Blu-ray- oder DVD-Spieler und stellt zuhause fest: Es sind keine Verbindungskabel im Karton. Also kann er sein Gerät erst einmal nicht in Betrieb nehmen. Nur die „Tausend-Euro-Klasse“ – Loewe und Pioneer – liefert ein HDMI-Kabel mit. Auch Grundig legt seinem DVD-Spieler, der 104 Euro kostet, ein Scart-Kabel für analoge Video- und Audiosignale bei. Alle anderen knausern. Dabei kann der Verbraucher bei Gerätepreisen um 400 Euro wenigstens ein Videokabel erwarten. Schließlich soll die Hollywood-Premiere zuhause nicht ausfallen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 875 Nutzer finden das hilfreich.