Die DVD ist tot, es lebe die DVD. Zwar setzen sich neue Abspielgeräte mit blauem Laser gut ins Bild – doch viele Flachfernseher zeigen mit ihnen kaum bessere Bilder als von einem guten DVD-Spieler.

Von seinem neuen, großen Plasma­fernse­h­er war der technikverliebte Michael Z. enttäuscht: Zuhause ans Fernsehkabel angeschlossen, zeigte das Prachtstück matschige Bilder. Kein Wunder, das normale Fernsehbild muss für die Wiedergabe auf einem Flachfernsehgerät „aufgeblasen“ werden. Erst als er sich auch noch einen Blu-ray-Spieler kaufte, löste sein Fernsehbolide das Versprechen auf Top-Bildqualität ein.

Das ist neu

In den neuen Abspielgeräten liest blaues Laserlicht die Daten aus. Das lässt sich viel feiner bündeln als das bei der klassischen DVD eingesetzte rote Laserlicht. Dadurch speichern die neuen Scheiben drei- bis fünfmal mehr Daten als die DVD und bieten Platz für hochaufgelöste Videos und mehr Tonkanäle denn je. Wer in seinem Heimkino scharfe Bilder sehen möchte, muss sich jedoch entscheiden: zwischen den beiden neuen konkurrierenden Formaten Blu-ray und HD-DVD, die jeweils eigene Abspielgeräte erfordern. Die Scheiben nach dem Standard Blu-ray und HD-DVD sind mindestens zehn Euro teurer als normale DVDs. Genügt da vielleicht nicht doch noch ein hochwertiger, herkömmlicher DVD-Spieler? Oder öffnen Spielekonsolen einen Mittelweg? Immerhin hat die brandneue Playstation 3 von Sony ein Blu-ray-Laufwerk und kostet nur 600 Euro – 420 Euro weniger als der billigste Blu-ray-Spieler. Und die Xbox von Microsoft ist mit dem als Zubehör angebotenen externen HD-DVD-Laufwerk für rund 50 Euro weniger zu haben als der HD-DVD-Spieler von Toshiba. Und auch bei ihr gibt es den Spielspaß quasi als Mehrwert ohne Aufpreis dazu (siehe „Spielekonsolen“).

Die klassische DVD hält mit

Unser Test sieht die klassischen DVD-Spieler nicht eindeutig geschlagen. Hochwertige klassische DVD-Spieler ziehen mit den neuen fast gleichauf. Erst auf Flachfernsehern ab etwa einem Meter Bilddiagonale brillieren die neuen.

Die DVD-Spieler zu Preisen zwischen etwa 350 und knapp 1 500 Euro rechnen das Bild einer normalen DVD auf das Format der hochaufgelösten Videos hoch, im Fachjargon „Upscaling“ genannt. Über den digitalen Ausgang HDMI schlossen wir unsere Prüffernseher an und fanden das aufpolierte Bild überraschend gut. Insofern ist ein DVD-Spieler mit HDMI-Ausgang preislich der günstigste Weg zu guten Bildern, eine erstklassige DVD vor­ausgesetzt. Als Argument zählt hier auch der niedrigere Preis für die Scheiben.

Blu-ray und HD-DVD gleichauf

Wer einen großen Flachfernseher mit deutlich über 90 Zentimetern Bilddiago­nale hat – womöglich mit voller HD-Auflösung von zwei Millionen Bildpunkten (siehe „Die Technik“) –, bekommt mit einem der neuen Spieler das beste Bild. Einen Formatsieger gibt es jedoch nicht. Auf dem Flachbildschirm im Testlabor zeigen Blu-ray und HD-DVD gleichermaßen brillante Bilder, in großen Landschaftsaufnahmen ebenso wie in feinen Details. In einer Haarsträhne sind einzelne Haare zu sehen, wichtige Feinheiten ebenso wie Nebensächliches – beispielsweise der Hinweis auf den Autohändler im Autokennzeichen. Die Unterschiede fallen umso stärker auf, je größer das Bild wird. Was bei Flachbildschirmen unter 94 Zentimeter nur zu ahnen ist, wird bei großen Schirmen oder gar mit einem Videoprojektor überdeutlich – mehr Bild statt aufgeblasener Pixel.

In einem Punkt unterscheiden sich die beiden neuen Formate aber doch: Mit einer fehlerhaften Scheibe kamen Blu-ray-Spieler deutlich besser zurecht als die HD-DVD-Fraktion. Da es keine genormte Fehler-DVD gab, improvisierten wir mit einem Faserstift und zogen auf der Datenschicht eine dicke schwarze Linie von innen nach außen. Das beeinträchtigte die Blu-rays weit weniger als die HD-DVDs.

Spielekonsolen mit Schwächen

Die beiden Spielekonsolen zeigten sich im Test nur bedingt wohnzimmertauglich: Die Xbox 360 von Microsoft lärmt unziemlich laut. Das stört die Freude an einer stillen Filmromanze bestimmt nachhaltig. Und dieser Spielekonsole fehlt der für beste Bildqualität erforderliche HDMI-Anschluss. Schade drum. Auch nicht toll: Die Sony Playstation 3 steht dem Blu-ray- Spieler in der Bild- und Tonqualität zwar in nichts nach, doch der zugehörige Spielecontroller ist als Fernbedienung beim Filmgucken gewöhnungsbedürftig – jedenfalls für Nichtspieler. Eine normale Fernbedienung gibts gegen Aufpreis für rund 30 Euro.

Ein weiterer Nachteil beider Spielekonsolen ist der hohe Stromverbrauch im Betrieb. Sie ziehen mit 175 Watt (Playstation 3) beziehungsweise 154 Watt (Xbox 360) rund drei- bis viermal so viel Strom wie die reinen Player. Kein Wunder, bei beiden Geräten handelt es sich um ausge­sprochen leistungsfähige Computer.

Was noch zu verbessern wäre

Sound: Mit dem über HDMI möglichen Mehrkanalsound mit mindestens acht Kanälen (7.1 statt wie bisher 5.1) und verlustfreier Speicherung des Tons (Dolby True HD und DTS-HD) käme das Hörerlebnis dem im Kino schon sehr nahe. Das hatte aber noch keine der Scheiben drauf – und auch nicht alle Player.

Reife: Ein nagelneues Abspielgerät sollte all die schönen Funktionen der DVD-Nachfolger beherrschen. Der Blu-ray-Player von Panasonic spielte die mehrkanaligen HD-Tonformate jedoch erst nach einem „Firmwareupdate“ ab. Die Betriebssoftware, die „Firmware“, wird dazu aus dem Internet geladen, auf eine CD gebrannt und diese in den Spieler eingelegt, der sich dann aktualisiert. Spieler für HD-DVD und die Spielekonsolen aktualisieren sich über das Internet.

Tempo: Bis der Film von Blu-ray oder HD-DVD startet, vergehen gut 20 Sekunden. Das ist nichts für Ungeduldige. Die sollten schon gar nicht zum Blu-ray-Spieler von Panasonic greifen, denn der braucht sogar fast 40 Sekunden vom Einlegen der Scheibe bis zum Start.

Krieg der Formate und der Studios

Sich für die blaue Zukunft zu entscheiden, ist aber nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch des Filmangebots auf den neuen Scheiben. Hier wird der Formatkrieg um die hohe Auflösung besonders deutlich. Den neuen James Bond „Casino Royale“ zum Beispiel gibt es derzeit exklusiv auf Blu-ray-Discs, den Kinohit „Das Parfum“ vorerst nur im HD-DVD-Format. Von den großen Filmstudios stehen gerade mal zwei voll auf HD-DVD: Kinowelt/Studio Canal Plus und Universal Pictures. Andere, wie 20th Century Fox, MGM, Sony Pictures und Walt Disney bieten ausschließlich Blu-ray-DVDs an. Nur einige wenige bedienen beide Formate: Constantin Film, Paramount Pictures, Warner Bros.. Ausbaden muss den Streit letztlich der Kunde, der noch mit jeder Entscheidung Nachteile inkauf nehmen muss. Deshalb ist es sicher keine schlechte Idee, sich mit einem hochwertigen DVD-Spieler so lange über die Runden zu retten, bis der Formatkrieg entschieden ist – oder Kombiplayer für beide Formate im Handel sind. Wir prüfen, sobald es sie gibt.

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