Blitzer-App Ist die Warnung vor Radarfallen legal?

12
Blitzer-App - Ist die Warnung vor Radarfallen legal?
Blitzer-App. Nähert sich das Handy einer Radarfalle, warnt die App. © Stiftung Warentest / Ralph Kaiser

Für Auto­fahrer ist die Nutzung einer Blitzer-App illegal. Bei einem Verstoß droht dem Fahrer mindestens ein Bußgeld in Höhe von 75 Euro und ein Punkt in Flens­burg.

75 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flens­burg

Warnt das Radio vor Radarfallen, ist das recht­lich okay. Lässt sich der Auto­fahrer hingegen von einem Programm auf seinem Handy – einer Blitzer-App – warnen, ist das verboten. Besonders logisch und konsequent ist das nicht. Aber so ist die Rechts­lage. Paragraf 23 Absatz 1c der Straßenverkehrsordnung verbietet es Auto­fahrern, während der Fahrt eine Blitzer-App zu benutzen. Die Ober­landes­gerichte Rostock (Az. 21 Ss Owi 38/17 [Z]) und Celle (Az. 2 Ss (OWi) 313/15) haben das bestätigt. Ahndet die Polizei einen solchen Verstoß, bekommt der Auto­fahrer ein Bußgeld in Höhe von 75 Euro sowie einen Punkt in Flens­burg. Die Straf­androhung scheint allerdings nicht viele Auto­fahrer zu beein­drucken. Bei einer repräsentativen Umfrage im Sommer 2022 gaben 49 Prozent der befragten Auto- und Motor­radfahrer an, eine Blitzer-App auf dem Handy oder ein Navigations­gerät mit Blitzer-Warn­funk­tion zu nutzen (Umfrage des Digitalverbandes Bitkom).

So funk­tioniert die App Blitzer.de

Bei Blitzer-Apps wie Blitzer.de melden Nutzer den Stand­ort einer Radarfalle per Mail, Telefon oder einfach per Tasten­druck übers Handy an den App-Anbieter. Ist ein Blitzer im System, bekommen alle Auto­fahrer, die diese App geöffnet und die Satelliten­verbindung an ihrem Handy (GPS) akti­viert haben, eine Meldung, sobald sich das Auto dem Stand­ort der Tempo­messung nähert.

Was gilt für Beifahrer?

Das Verbot von Blitzer-Apps trifft laut Straßenverkehrs­ordnung nur den Fahrer eines Autos. Der Beifahrer ist nicht Führer eines Kraft­fahr­zeugs. Es könnte demnach durch­aus erlaubt sein, dass der Beifahrer eine Blitzer-App auf seinem Handy öffnet und nutzt. Allerdings gibt es auch Verkehrs­juristen, die der Ansicht sind, dass sich Beifahrer in einem solchen Fall als „Beteiligte“ ordnungs­widrig verhalten. Wie Gerichte die Beifahrer-Problematik bewerten, bleibt abzu­warten. Noch gibt es keine Urteile dazu. In jedem Fall wäre es zulässig, wenn der Fahrer sich mit seinem Handy vor der Fahrt oder während einer Pause auf dem Rast­platz über die App informiert.

Google Maps auch in Deutsch­land bald mit Warn­funk­tion?

Google hat in einigen Regionen der Welt seine Navi-App Google Maps mit einer Blitzer-Warn-Funk­tion ausgestattet. Für Deutsch­land gibt es diese Funk­tion noch nicht. Sollte die Blitzer-Warn­funk­tion in Google Maps für den deutschen Markt irgend­wann frei­geschaltet werden und während einer Auto­fahrt nicht individuell abschalt­bar sein, wäre eine legale Nutzung von Google Maps für einen Auto­fahrer hier­zulande wohl nicht mehr möglich.

Tipp: Wie Google Maps im Vergleich mit anderen Navi-Apps und Navigations­geräten abschneidet, verrät der Navi-Test der Stiftung Warentest.

Auch im Ausland Radarwarngeräte verboten

Wer mit dem Auto ins Ausland fährt, sollte wissen, dass auch im europäischen Ausland die Nutzung von Radarwarngeräten fast über­all verboten ist. Nach einer Übersicht des ADAC gibt es aktuell nur in Rumänen kein solches Nutzungs­verbot. In vielen Ländern drohen hohe Geld­strafen, teil­weise die Beschlag­nahme des Geräts. ).

Handy­verbot am Steuer

Egal, ob der Fahrer bei der Fahrt ein Handy mit Blitzer-App oder ohne nutzt. In keinem Fall darf er während der Fahrt das Handy in die Hand nehmen, um etwa eine neue Ziel­adresse in seine Navi-App einzugeben. Bei einem Verstoß drohen mindestens 100 Euro Bußgeld und ein Punkt in Flens­burg (Handy am Steuer: Das sind die Regeln, Strafen und Urteile).

Verkehrs­rechts­schutz: Bußgeld abwehren

Wer ein Bußgeld etwa wegen einer angeblichen Hand­ynut­zung am Steuer zahlen soll und eine Rechts­schutz­versicherung inklusive Verkehrs­rechts­schutz hat, kann sich auf Kosten der Versicherung einen Anwalt nehmen. Die besten Verkehrs­rechts­schutz-Policen finden Sie im Vergleich Verkehrsrechtsschutzversicherung.

12

Mehr zum Thema

  • Google Maps Auch ohne Internet sicher ans Ziel

    - Das Navigieren via Smartphone klappt mit der App Google Maps auch ohne Internet. So funk­tioniert die Offline-Navigation.

  • Handy am Steuer Das sind die Regeln, Strafen und Urteile

    - Handy am Steuer – das kann teuer werden und Punkte geben. Hier finden Sie die Informationen der Stiftung Warentest zur Hand­ynut­zung im Auto und auf dem Fahr­rad.

  • Neuer Bußgeldkatalog So viel kosten Verkehrs­verstöße jetzt

    - Vergehen im Straßenverkehr werden seit Kurzem strenger ­geahndet. Besonders Rasen und Falsch­parken ist nun teuer. Die StVO-Novelle war zuvor lange umkämpft worden.

12 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Richtigsteller am 25.08.2022 um 09:59 Uhr
Gefahrstellen-Warner

Ein Freund von mir nutzt eine hilfreiche App, die ihn während der Fahrt vor Gefahrstellen warnt. ;-) Das können Staus, Unfälle, Falschfahrer sowie Unfallschwerpunkte und Bereiche besonderer Rücksichtnahme sein. Die App versieht die Warnungen mit kleinen Symbolen, welche über den Charakter der Warnung informieren. Dass die Verkehrsüberwachungsbehörden sinnvollerweise ihre Radargeräte ausschließlich an solchen (potentiellen) Ereignisschwerpunkten platzieren (alles andere wäre ja vorsätzliche und nicht der Verkehrssicherheit dienende, bürgerfeindliche Abzocke) ist ja bekannt. Darum weist die App wohlwollenderweise gezielt auf solcherart gekennzeichnete Problemzonen hin.
Leider verhindert die Gesetzeslage, dass die Verkehrsüberwachungsbehörden von sich aus Mitteilung machen, was sie wegen der Verkehrssicherheit gewiss nur zu gerne täten. Weshalb der mühselige Wege über die Nutzercommunity durch Melden der Ereignisse nötig ist.

heinrichklartext am 24.08.2022 um 18:18 Uhr
Wozu eine Blitzer-App? Einfach auf den Tacho gucke

Es gibt Geschwindigkeitsobergrenzen. Man müsste sich nur daran halten. Man bräuchte keine Blitzer-App, und die unsäglichen Ansagen im Radio müssten auch nicht sein.
Aber nein, das fahrende bzw. oft rasende Volk will selbst und selbstherrlich entscheiden, wie schnell es fahren will, und natürlich oft schneller als erlaubt. 3000 Tote pro Jahr, was solls. Viele Tausend Verletzte, viele davon fürs Leben gekennzeichnet, egal, Hauptsache ich kann so schnell fahren, wie es mir nötig erscheint oder Spaß macht. Und sich auch noch im Recht wähnen, und die Gesetze als Mittel zur Geldbeschaffung oder staatliche Gängelei betrachten. Macht ja auch nichts, wenn man zu schnell fährt, man ist ja im schlimmsten Fall "versichert". Und die Kontrolleffekte werden umgangen mit Blitzerapp, gegenseitigem Warnen bzw. Verkehrsdurchsagen.
Man stelle sich mal vor, es gäbe eine Einbrecher-Polizeiwarn-App, der Einbrecher könnte sich informieren, wo gerade eine Streife fährt. Ein Aufschrei ginge durchs Volk.

Ex-Kd am 19.08.2022 um 10:48 Uhr
@ninick

Sie möchten also die Reglungen der Schweiz?
In der Schweiz ist bereits das Mitführen (z.B. App auf dem Smartphone) verboten.
Das Gerät kann die Polizei einziehen.
Es ist mit einer Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen zu rechnen, bei Wiederholung droht Haftstrafe.
Kleiner Hinweis noch: Die einfachste Lösung ist, halten Sie sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen,dann entziehen Sie dem Staat diese "Finanzierungsquelle".

ninick am 19.08.2022 um 09:52 Uhr
Mal wieder die falsche Frage gestellt

Die richtige Frage aus Sicht eines Verbrauchermagazins wäre eher: Ist es gerechtfertigt, dass der autofahrende Steuerzahler, der den Staat finanziert (Staatsbedienstete generieren i.d.R. weder Wachstum noch Wohlstand!), in diesem absurden, geldgierigen Ausmaß überwacht, gemaßregelt und geschröpft wird? Wer weist diesen Staat eigentlich in seine Grenzen, warum haben die Deutschen eigentlich, ganz im Gegensatz zur Schweiz, keinerlei Mitbestimmungsrecht bei wichtigen Fragen, die die Menschen angehen? Ich schlage vor, dass die Warentester mal den Blick über den Tellerrand wagen und sich intensiver mit der Schweiz beschäftigen und eine Feinjustage an Ihrem Verständnis von "Demokratie" vornehmen. Ich benutze selbstverständlich solche Blitzer-Apps und kann die nur als Selbstverteidigungsmaßnahme gegen einen Staat empfehlen, der sich wie ein kostspieliges Krebsgeschwür in den letzten Jahrzehnten ausgebreitet hat. Daran ändert auch nicht, dass wir es noch viel schlechter haben könnten.

Profilbild Stiftung_Warentest am 15.01.2020 um 11:14 Uhr
Aktualisierung ?

@TAnon: Ja, der Artikel ist noch aktuell. (dda)