Bleigießen Meldung

Es ist alter Brauch, in der Silvester­nacht mit Hilfe eines Orakels in die Zukunft zu schauen. Besonders beliebt ist das Bleigießen. Über einer Kerzenflamme wird Blei im Löffel geschmolzen und in eine Schüssel mit kalten Wasser gekippt. Anhand der erstarrten Bleifiguren wird im Kreis von Freunden und Familie die Zukunft gedeutet. Das vergnüg­liche Weissagen ist allerdings nicht ungefähr­lich. Vor allem für Kinder birgt es Gesund­heits­risiken durch giftige Dämpfe und flüssiges Metall.

Giftige Bleidämpfe und kochende Metall­spritzer

Bleigießen Meldung

Bleigieß-Sets von Starline und TIB Heyne & Co.

Links: Starline Bleigießen Set, angeboten von Kik für 1,99 Euro. Rechts: Happy Party Glücks-Blei-Set von TIB Heyne & Co für 2,49 Euro.

Die Analyse eines Bleigieß-Sets von Kik (Starline) ergab einen Blei­gehalt im Metall von etwa 71 Prozent. Weitere Inhalt­stoffe sind vor allem Antimon (knapp 25 Prozent) und Zinn (4 Prozent) sowie andere Substanzen wie Arsen (0,18 Prozent) und Kupfer (0,15 Prozent). Ein anderes Set von TIB Heyne & Co enthält laut Anbieter 87 Prozent metallisches Blei.

Blei ist ein Schwer­metall, das bereits in nied­riger Dosis die Gesundheit schädigen kann. Beim Erhitzen von Blei entstehen giftige Bleidämpfe, die über die Atmung in den Körper gelangen. Beim Anfassen der Bleifiguren geht das Schwer­metall auf die Hände über und kann so zum Beispiel über Nahrungs­mittel in den Körper gelangen. Kinder nehmen die Bleifiguren, die wie Spielzeug aussehen, auch gern in den Mund, wobei ebenfalls größere Mengen Blei in den Körper gelangen können. Außerdem besteht beim Bleigießen das Risiko schwerer Brandwunden durch möglicher­weise auftretende Spritzer des flüssigen Metalls.

Schäden der Hirn­funk­tion

Blei schädigt das Zentral­nerven­system und damit die Hirn­funk­tion („Blei macht dumm“). Studien zeigen, dass bereits geringe Mengen bei Kindern die Intelligenz-, Aufmerk­samkeits- und Reaktions­leistungen beein­trächtigen sowie Verhaltens­störungen verursachen können. Blei kann aber auch das Hormon­system beein­flussen. Besonders empfindlich reagieren Kinder im Mutterleib sowie Säuglinge und Klein­kinder. Für die Wirkung von Blei auf das Zentral­nerven­system kann laut Bundes­institut für Risiko­be­wertung (BfR) kein sicherer Schwellen­wert fest­gelegt werden. Das BfR ist deshalb der Auffassung, dass die Blei­aufnahme von Kindern so weit wie möglich reduziert werden sollte. Spielzeug sollte aus diesem Grund gar kein Blei abgeben.

Gut lüften und als Sondermüll entsorgen

Auf keinen Fall sollten Kinder unbe­aufsichtigt Bleigießen. Während und nach dem Bleigießen sollte der Raum gründlich gelüftet werden. Nicht brenn­bare Unterlagen und Schutz­hand­schuhe sind zu empfehlen – vor allem, wenn Kinder mitspielen. Halten Sie den Löffel nicht zu lange über die Kerzenflamme, da sonst das flüssige Metall anfängt zu spritzen. Nach dem Bleigießen auf jeden Fall gründlich die Hände waschen. Die Bleifiguren und der benutzte Schmelz­löffel müssen an einer Problem­stoff­sammelstelle entsorgt werden. Oder bewahren Sie die Figuren auf und schmelzen Sie sie im nächsten Jahr wieder ein. Blei gehört auf keinen Fall in den Hausmüll, da das giftige Schwer­metall von dort in die Umwelt gelangen kann.

Alternativen: Wachs, Zinn, Kaffee­satz und App

Am besten für Umwelt und Gesundheit ist es, ganz aufs Bleigießen zu verzichten. Besonders für Kinder eignet sich als Blei­ersatz sehr gut Kerzen­wachs. Es ist allerdings etwas schwieriger, die Wachs­figuren unzerbrochen aus dem Wasser zu fischen. Auch Zinn kann als Ersatz verwendet werden, wenn­gleich die Figuren nicht ganz so schön gelingen. Zinn ist dafür ungiftig und schmilzt sogar schneller als Blei. Wirk­lich bleifrei ist allerdings nur Reinzinn, auch Lebens­mittel­zinn genannt. Gieß­zinn für Zinn­figuren enthält meist ebenfalls Blei. Ganz ohne Bleidämpfe geht es dagegen mit alternativen Orakelformen wie zum Beispiel Kartenlegen oder Kaffee­satz­lesen. Und eine passende App „Bleigießen“ für iPhone und Co ist ebenfalls schon auf dem Markt.

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