Bitcoin Special

Bitcoins gibt es zwar nur im Internet, als Zahlungs­mittel werden sie aber zunehmend anerkannt. Jeder kann sie erwerben und damit bezahlen – nur nicht über­all. Seit Jahres­beginn hat sich der Kurs des Bitcoin verdoppelt. Auch deshalb ist die virtuelle Währung regel­mäßig Thema in den Wirt­schafts­nach­richten. Doch wie funk­tioniert das Internetgeld? Wo kann man es bekommen? Lohnt es sich, in Bitcoin zu investieren? Ist das über­haupt seriös? Unsere Finanz­experten ordnen das Thema ein.

Das digitale Gold

Was für ein Vergleich: Der Bitcoin sei so viel wert wie eine Fein­unze Gold, hieß es im Früh­jahr 2017. Am 2. März hat das virtuelle Geld die sehr reale Goldunze erst­mals über­holt. Da wurde 1 Bitcoin an der Börse Bits­tamp mit einem Wert von 1 195 Euro gehandelt, für 31,1 Gramm Gold wurden zeitgleich 1 181 Euro verlangt. Zwar ist fraglich, ob sich eine Währung, die nur in virtueller Form existiert, wirk­lich ernst­haft mit Gold, dem Wert­aufbewahrungs­mittel schlecht­hin, vergleichen lässt – doch spätestens jetzt interes­sierten sich nicht mehr nur Computernerds, sondern auch ganz normale Leute für das Geld aus dem Internet.

Geld aus Bit und Byte

Der Name Bitcoin setzt sich zusammen aus dem Wort für die kleinste digitale Einheit, dem Bit, und dem eng­lischen Wort Coin für Münze. Die Währung existiert seit 2009 und es gibt sie nur in digi­taler Form. Als Erfinder aufgeführt ist ein gewisser Satoshi Nakamoto, wobei bis heute nicht geklärt ist, wer sich dahinter verbirgt. Möglicher­weise ist es nicht nur eine Person, sondern eine ganze Gruppe.

Der, die, das Bitcoin?

Laut Duden ist sowohl die männ­liche als auch die weibliche Form möglich. test.de hat sich für die gebräuchlichere männ­liche Form entschieden. Was die Frage von Einzahl oder Mehr­zahl angeht, halten wir uns an die bündige Definition von Heise Online: „Der Plural Bitcoins stellt die Geld­einheit der digitalen Währung dar, während die Einzahl Bitcoin das gesamte dezentrale Währungs­system beschreibt. Das besondere an Bitcoin ist, dass das gesamte System „nur“ aus dem Netz­werk der Nutzer der Währung besteht, sprich aus Sendern und Empfängern von Geld­beträgen, sowie der Aufzeichnung aller getätigten Trans­aktionen, der sogenannten Block­chain. Diese Block­chain ist eine Text­datei und nicht mehr als eine Art virtuelles Finanz­buch, in das alle Trans­aktionen, die jemals mit Bitcoins abge­schlossen wurden, einge­tragen werden - und zwar von den Nutzern des Bitcoin-Systems selbst.“

Heftiges Auf und Ab der Kurse

Beim Gold­preis blieb der Bitcoin allerdings nicht stehen. Drei Monate später, am 9. Juni 2017, war die digitale Währung 2 525 Euro wert – und hatte sich damit mehr als verdoppelt. Starke Ausschläge gab es in der Vergangenheit allerdings schon öfter (siehe Grafik). Ende November 2013 zum Beispiel war ein Bitcoin 832 Euro wert, das war mehr als fünf­mal so viel wie vier Wochen zuvor. Es folgte ein Absturz auf unter 150 Euro. Danach mussten Anleger drei Jahre warten, ehe sie für einen Bitcoin wieder mehr als 832 Euro erhielten.

Bitcoin Special

Wie entsteht das Geld?

Bitcoin ist eine digitale Währung, die nicht von einer Noten­bank ausgegeben, sondern von den Nutzern selbst geschaffen wird. Anders als zum Beispiel bei Euro oder Dollar gibt es keine zentrale Instanz, die über die Geld­ausgabe wacht. Von Bitcoins, kurz BTC, gibt es weder Münzen noch Scheine, sie existieren nur virtuell, als digitale Zeichen­folge. Hier sollen keine falschen Hoff­nungen geweckt werden: Das Konto lässt sich nicht durch das Eintippen großer Zahlen auf der Computer­tastatur auffüllen. Neue Bitcoins werden vielmehr mithilfe von mathematischen Verfahren erstellt. Man spricht von Mining, auf deutsch dem Schürfen von Bitcoin – insofern passt der Vergleich mit Gold hier gut. Ähnlich wie beim Edel­metall – und anders als beim Euro oder dem Dollar – ist die Menge an Bitcoins begrenzt. Bei 21 Millionen Stück soll Schluss sein. Im Moment gibt es rund 16 Millionen Bitcoins. Man kann auch Bruch­teile von Bitcoins handeln.

Die dunkle Seite des Bitcoin

Früher galt Bitcoin vor allem als Währung für Kriminelle, die damit im Darknet Waffen- und Drogen­geschäfte abwi­ckelten. Als Darknet wird, wörtlich über­setzt, die dunkle Seite des Internets bezeichnet, in der Nutzer weit­gehend anonym surfen können. Zuletzt geriet Bitcoin im Zusammen­hang mit dem WannaCry-Virus in die Schlagzeilen. Die Angreifer verlangten Bitcoins als Lösegeld, um die zuvor verschlüsselten Daten wieder frei­zuschalten. Doch längst ist Bitcoin mehr als nur ein Zahlungs­mittel für den World Wide Underground.

Mit Bitcoins bezahlen

„Mit Bitcoins können inzwischen zahlreiche Waren, Dienst­leistungen, IT-Anwendungen oder Freizeit­angebote erworben werden“, heißt es bei der Bafin, die auf ihrer Seite umfassend über das virtuelle Geld informiert. Auch die öffent­liche Hand akzeptiert Bitcoin als Zahlungs­mittel, und zwar ausgerechnet in der konservativen Schweiz. In der Stadt Zug können Bürger bei der Stadt­verwaltung mit Bitcoin zahlen, und das bereits seit Mitte 2016. Seit April 2017 erkennt Japan Bitcoin und andere digitale Währungen als Zahlungs­mittel an. Zum 1. Juli 2017 hat Australien die Mehr­wert­steuer auf Bitcoin abge­schafft und behandelt Bitcoin diesbezüglich wie Geld. Wikimedia, die Stiftung hinter dem Online­lexikon Wikipedia, nimmt Spenden in Bitcoin an. Auch Mozilla, den Betreiber des Internet­browsers Firefox, kann man mit Bitcoins unterstützen. Bei den größten deutschen Online-Händ­lern kommt man aber noch nicht weit, das hat eine Stich­probe der Stiftung Warentest ergeben.

Sind Bitcoins sicher?

Das Internet ist kein Fort Knox. So sicher wie dort die Gold­reserven gelagert sind, sind die Bitcoins nicht. Spektakulär war die Pleite der Bitcoin-Börse Mt. Gox. Unter noch ungeklärten Umständen waren 2014 dort mehrere Hundert­tausend Bitcoins verschwunden. Es werden immer wieder Hacker­angriffe auf Handels­platt­formen gemeldet. Auch wer auf seinem privaten Computer Bitcoins speichert, sollte sich vor Diebstahl schützen.

Andere virtuelle Währungen

Der Kurs­zuwachs des Bitcoin lockt Nach­ahmer an. Mehr als 3 000 Kryptowährungen soll es inzwischen geben. Während die Markt­kapitalisierung des Bitcoin – die Anzahl der geschaffenen Coins multipliziert mit der umlaufenden Stück­zahl – rund 28 Milliarden Euro beträgt, wiegt Ether­eum mit der Rechen­einheit Ether ungefähr knapp halb so schwer. Zum Vergleich: Die Geldmenge M3 in Euro, die Bargeld, Giro-, Fest­geld- und Spar­konten sowie kurz­laufende Anleihen umfasst, beträgt rund 11,5 Billionen Euro. Die meisten Nach­ahmer fristen nicht mehr als ein Nischendasein, nur eine Hand­voll digi­taler Währungen bringt es über­haupt auf eine Milliarde Euro Markt­kapitalisierung, zahlreiche andere noch nicht einmal auf eine Million.

Vorsicht vor Swiss­coin und Onecoin

Einige Neulinge versuchen, von dem Interesse an Bitcoin zu profitieren, unterscheiden sich aber deutlich davon. Bei den virtuellen Währungen Swiss­Coin und OneCoin gibt es zentrale Stellen, die das System kontrollieren. Die Währungen sind bisher sehr begrenzt nutz­bar. Die Heraus­geber setzen auf mehr­stufige Vergütungs­systeme, um Kunden zu moti­vieren, ihre Produkte weiter unter die Leute zu bringen. Die Angebote OneCoin und Swisscoin haben wir auf unsere Warnliste Geldanlage gesetzt. Die Bafin hat im Früh­jahr 2017 OneCoin-Geschäfte untersagt.

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