Bitcoin Special

Bitcoins sind der neue Hype. Anleger versprechen sich hohe Gewinne mit dem digitalen Geld. Lohnt es sich tatsäch­lich, in Bitcoin zu investieren? Ist das über­haupt seriös? Wie funk­tioniert das Internetgeld? Wo kann man es bekommen? Die Finanz­experten der Stiftung Warentest ordnen das Thema ein.

Ein Vermögen auf der Fest­platte

Der ultimative Tipp? Oder bodenloser Absturz? Erinnerungen an den Neuen Markt werden wach: Die digitale Währung Bitcoin, noch vor einem Jahr vor allem Insidern bekannt, ist Party­thema. Viele wollen dabei sein, jeder will reich werden. Fast jeder kennt Geschichten wie die der mit Bitcoins bezahlten Pizza, die in den Preisen von heute ein Vermögen wert wäre. Oder dem Engländer, der seine mit Bitcoin gefüllte Fest­platte auf der örtlichen Müll­kippe vermutet und dort nach ihr graben will. Und obwohl der Kurs schon irre gestiegen ist, glauben manche der Anhänger, dass das erst der Anfang war.

Erst verzwanzigfacht, dann fast halbiert

Der Wert des Bitcoin ist 2017 von rund 1 014 auf rund 20 000 US-Dollar in der Spitze gestiegen, seit 2009 gibt es Bitcoin über­haupt erst. Anfang 2011 lag der Preis bei 1 Dollar. Zum Vergleich: Der Wert der Aktie des teuersten Unter­nehmens der Welt, Apple, ist seit Börsengang 1980 „nur“ um das Vier­hundert­fache gewachsen, Dividenden inklusive.

Leser­aufruf: Haben Sie schon Bitcoins gekauft?

Haben Sie schon Bitcoins gekauft und sich eine digitale Geldbörse („Wallet“) zugelegt? Oder haben Sie sich bei einer Platt­form angemeldet? Haben Sie schon einmal mit Bitcoins bezahlt? Hat das gut geklappt oder sind Sie dabei auf Schwierig­keiten gestoßen? Haben Sie vielleicht noch Fragen zum Thema? Wir würden uns freuen, wenn Sie uns Ihre Erfahrungen mit Bitcoin oder anderen Kryptowährungen mitteilen würden. Selbst­verständlich behandeln wir Ihre Einsendungen vertraulich. Bitte schreiben Sie an bitcoin@stiftung-warentest.de. Vielen Dank für Ihre Unterstüt­zung!

Die digitale Münze

Der Name Bitcoin setzt sich zusammen aus dem Wort für die kleinste digitale Einheit, dem Bit, und dem eng­lischen Wort Coin für Münze. Als Erfinder zeichnet ein gewisser Satoshi Nakamoto verantwort­lich – wobei bis heute nicht geklärt ist, welcher Kopf sich dahinter verbirgt, vielleicht handelt es sich auch um eine ganze Gruppe.

Gold­gräber­stimmung

Bitcoin Special

Bitcoin-Rallye. 1 Bitcoin war im Dezember 2017 kurz­zeitig rund 20 000 Dollar wert.

Von Bitcoins, kurz BTC, gibt es weder Münzen noch Scheine, sie existieren nur virtuell, als digitale Zeichen­folge. Auch wenn sie gern mit Gold verglichen werden: Hinter ihnen steht kein realer Wert. Neue Bitcoins werden von den Nutzern selbst mithilfe von mathematischen Verfahren erstellt. Die Guthaben und Zahlungen werden in einem dezentralen Netz­werk verwaltet, der Block­chain. Um eine Über­weisung mit Bitcoins zu verbuchen, muss eine komplizierte Rechen­aufgabe gelöst werden. Wer das als Erster schafft, bekommt Bitcoins als Belohnung. Man spricht von Mining, auf deutsch dem Schürfen von Bitcoin – an dieser Stelle passt der Vergleich mit Gold.

Der Bitcoin als Klimakiller

In den Anfängen der virtuellen Währung genügte für das Mining der heimische PC, heute sind leistungs­starke Maschinen nötig, um die immer komplexeren Rechnungen zu bewältigen. Die Bundes­bank weist in einem Interview mit dem Handels­blatt auf Berechnungen hin, nach denen eine einzige Bitcoin-Trans­aktion dem monatlichen Strom­verbrauch eines Einfamilien­haus­halts in Deutsch­land entspricht. Umwelt­freundlich ist anders.

Finanz­industrie mischt mit

Dass der Bitcoin so stark gestiegen ist, liegt nicht nur an der Gold­gräber­stimmung der Anleger, sondern auch am Interesse der Finanz­industrie. Hedgefonds investieren, zwei US-Terminbörsen haben Futures auf die Internetwährung einge­führt, mit denen Spekulanten auf steigende und fallende Kurse setzen können. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, ehe der erste ETF auf Bitcoin auf den Markt kommt.

Zertifikate und Fonds

Audio
Audio abspielenLautstärke einstellen

Wieso gelten Bitcoins als Strom­fresser? Sollte man jetzt noch einsteigen? Unser ausführ­licher Podcast gibt Antworten auf diese und viele andere Fragen.

Hier­zulande gibt es zum Beispiel Zertifikate. Eins der Papiere, mit dem Anleger auf Bitcoin­zuwächse spekulieren können, verkauft die Schweizer Bank Vontobel, das andere der schwe­dische Emittent XBT-Provider. Auch Fonds machen sich den Krypto-Hype zunutze. Der Misch­fonds Acatis Datini Valueflex zum Beispiel hat in großem Stil auf den Bitcoin gewettet – und damit zuletzt eine bessere Rendite erzielt als Aktienfonds Welt (siehe unseren Test Depot: Das sind Renditen wirklich wert – und so pflegen Sie Ihr Depot richtig, Finanztest 2/2018).

Tausende Nach­ahmer

Der Kurs­zuwachs des Bitcoin lockt Nach­ahmer an. Mehr als 1 000 Kryptowährungen soll es inzwischen geben. Bitcoin ist Markt­führer mit einer Markt­kapitalisierung – die Anzahl der Coins multipliziert mit dem aktuellen Wert – von rund 250 Milliarden Dollar. Ripple liegt mit 140  Milliarden Dollar auf Platz 2, gefolgt von Ether­eum mit der Rechen­einheit Ether mit knapp 95 Milliarden Dollar. Nur drei Dutzend digi­taler Währungen bringen es über­haupt auf eine Milliarde Dollar Markt­kapitalisierung, zahlreiche andere noch nicht einmal auf eine Million.

Unser Rat

Kryptowährungen. Echte, dezentrale Kryptowährungen, die mithilfe der Block­chain-Technologie geschürft und gehandelt werden, sind nicht per se unseriös. Eine Spekulation auf Bitcoin und Co gleicht aber einem Gang ins Spielcasino (Kaufen, wetten und schürfen). Setzen Sie nur Geld ein, das Sie nicht benötigen. Sie können alles verlieren.

Initial Coin Offering. Der Kauf von Tokens und anderen „Gutscheinen“, mit deren Verkauf Firmen Kapital aufnehmen, ist viel zu betrugs­anfäl­lig und riskant. Lassen Sie besser die Finger davon. Mehr dazu in unserem Special Kryptowährungen: Coins und Tokens – Spekulation oder Schwindel?  Übrigens: Die beiden Specials aus Finanztest 2/2018 zum Thema Kryptowährungen gibt es auch im Paket. Sie können das PDF zum Heft­artikel hier downloaden: Kryptowährungen.

Die dunkle Seite des Bitcoin

Früher galt Bitcoin vor allem als Währung für Dealer, die damit im Darknet Waffen- und Drogen­geschäfte abwi­ckelten. Als Darknet wird, wörtlich über­setzt, die dunkle Seite des Internets bezeichnet, in der Nutzer weit­gehend anonym surfen können. Zuletzt geriet Bitcoin im Zusammen­hang mit Lösegeld­forderungen in die Schlagzeilen.

Bei 21 Millionen ist Schluss

Bitcoin Special

„Ich bin dank­bar, Teil der Revolution zu sein“. Ex-US-Boxer Mike Tyson im Jahr 2015 bei der Vorstellung eines „Mike-Tyson“-Bitcoin-Wechsel­auto­maten in Las Vegas.

Bitcoin wurde geschaffen als eine dezentrale Währung, ohne Kontrolle durch Dritte. Bisher gibt es nach Angaben der Internetseite Coinmarketcap knapp 16,8 Millionen Bitcoins, bei 21 Millionen soll Schluss sein. Der Zuwachs verlang­samt sich aber immer weiter. Man kann auch Bruch­teile von Bitcoins handeln. Bei Einsteigern derzeit beliebt sind Käufe von Millibitcoins.

Währungen funk­tionieren anders

Ob es sich um eine Währung im klassischen Sinne handelt, darf bezweifelt werden. Bitcoin ist in Deutsch­land kein gesetzliches Zahlungs­mittel. Niemand ist verpflichtet, Bitcoins anzu­nehmen, und nur wenige tun das über­haupt, wie ein paar Läden, Cafés oder Kneipen in einigen deutschen Städten oder der Essensb­ring­dienst Lieferando. Wikimedia, die Stiftung hinter dem Online­lexikon Wikipedia, nimmt Spenden in Bitcoin an. Auch Mozilla, den Betreiber des Internet­browsers Firefox, kann man mit Bitcoins unterstützen.

Ein Gehalt für eine Villa oder fünf Brötchen

Eine Währung sollte sich zur Wert­über­tragung eignen – was angesichts der heftigen Kurs­schwankungen beim Bitcoin kaum möglich ist. Man stelle sich vor, das Gehalt käme in Bitcoins. In einem Monat könnte man damit die Miete bezahlen, im nächsten Monat eine Villa kaufen – und im über­nächsten womöglich nur fünf Brötchen. Niemand, weder ein privater Anleger noch ein Einzel­händler, würde sich auf dieses Spiel einlassen, wenn es um seine Existenz ginge. Dann doch lieber Euro. Eine Schutz­funk­tion kann der Bitcoin jedoch in Ländern mit hoher Inflation oder Kapital­verkehrs­kontrollen entfalten. Hier kann es sich lohnen, die Landes­währung umzu­tauschen.

Bundes­bank und Bafin warnen Anleger vor Verlusten

Davor, Bitcoins als Wert­aufbewahrungs­mittel anzu­sehen – der dritten Funk­tion, die eine Währung erfüllt – warnen Bundes­bank und Finanz­aufsicht Bafin. Anleger könnten das einge­setzte Geld komplett verlieren.

Der, die, das Bitcoin?

Laut Duden ist sowohl die männ­liche als auch die weibliche Form möglich. test.de hat sich für die gebräuchlichere männ­liche Form entschieden. Was die Frage von Einzahl oder Mehr­zahl angeht, halten wir uns an die bündige Definition von Heise Online: „Der Plural Bitcoins stellt die Geld­einheit der digitalen Währung dar, während die Einzahl Bitcoin das gesamte dezentrale Währungs­system beschreibt. Das besondere an Bitcoin ist, dass das gesamte System „nur“ aus dem Netz­werk der Nutzer der Währung besteht, sprich aus Sendern und Empfängern von Geld­beträgen, sowie der Aufzeichnung aller getätigten Trans­aktionen, der sogenannten Block­chain.“

Vorsicht vor Absturz und Diebstahl

Einen Vorgeschmack auf die Risiken hat der Absturz vor Weih­nachten gegeben, als der Preis für 1 Bitcoin von 20 000 Dollar binnen weniger Tage auf rund 11 000 Dollar fiel. Als Grund für den Rück­schlag wurde unter anderem die Schließung einer Bitcoinbörse in Südkorea genannt. Immer wieder gerät das digitale Geld auch unter Druck, weil Hacker eine Platt­form leergeräumt haben. Auch wer auf seinem privaten Computer Bitcoins speichert, sollte sich vor Diebstahl schützen.

Bitcoin kaufen

Wer den Nervenkitzel sucht und zum Bitcoin­besitzer werden will, kann sich eine digitale Geldbörse, genannt Wallet, zulegen. Darüber, welche Arten von Geldbörsen es gibt und bei wem man sie beziehen kann, gibt es Anleitungen im Web. Die Wallet hat eine öffent­liche Konto­nummer und einen privaten Schlüssel, mit dem man sie verschließen kann. Ein wenig einfacher kommt man zum Beispiel bei der Platt­form Bitcoin.de an Bitcoins heran. Sich dort anzu­melden, geht ähnlich leicht wie ein Tages­geld­konto zu eröffnen. Die Bitcoins werden dann allerdings auf der Platt­form verwahrt, man speichert sie nicht selbst auf seinem Handy oder Computer.

Kosten im Blick

Bitcoiner sollten auf einen fairen Preis und – wichtig – die Kosten achten. Kurz vor Weih­nachten kostete eine Trans­aktion nach Angaben der Seite Bitcoinfees.info zeit­weise mehr als 30 Dollar. Das lohnt sich nicht für eine Pizza oder ein Bier.

Dieses Special ist erst­mals am 18. Juli 2017 auf test.de erschienen. Es wurde am 16. Januar 2018 komplett aktualisiert.

Dieser Artikel ist hilfreich. 57 Nutzer finden das hilfreich.