Bioprodukte Meldung

Sind Biolebensmittel wirklich besser als herkömmliche? Wir haben unsere Lebensmitteltests der vergangenen fünf Jahre unter die Lupe genommen und ziehen ein Fazit.

Das Fazit unseres Vergleichs ist für Bio-Fans ernüchternd: In der Summe unterscheidet sich die Qualität von Öko- und konventionellen Lebensmitteln kaum. Für diese Auswertung haben wir von insgesamt 78 Lebensmitteluntersuchungen, die von Januar 2002 bis August 2007 im test-Magazin veröffentlicht wurdennur die 54 Tests berücksichtigt, in denen auch Bioware vertreten war. Für manche Untersuchungen hielt der Markt einfach keine Bioprodukte parat wie etwa bei Apfelfruchtsaftgetränken oder bei Matjes nordischer Art. In den 78 Tests stellten Biolebensmittel einen Anteil von 13 Prozent. Damit sind sie in den Tests stärker repräsentiert als am Lebensmittelmarkt insgesamt. Trotz des Bio-Booms liegt ihr Anteil dort nur bei rund 4 Prozent.

Wir zogen für den Vergleich im Wesentlichen Lebensmitteltests mit test-Qualitätsurteilen heran. Diese Urteile von „sehr gut“ bis „mangelhaft“ kommen nur nach umfassender Prüfung mit wissenschaftlich abgesicherten Methoden zustande. Labors fahnden nach Schadstoffen und Keimen. Geschulte Prüfer beurteilen Fehler in Aussehen, Geruch, Geschmack und Konsistenz.

Tops und Flops auf beiden Seiten

Bioprodukte Meldung

So verteilen sich die test-Qualitätsurteile für Bio- und konventionelle Produkte bei 29 Lebensmitteluntersuchungen der Stiftung Warentest. Der Vergleichszeitraum: Januar 2002 bis August 2007.

So verteilen sich die test-Qualitätsurteile für Bio- und konventionelle Produkte bei 29 Lebensmitteluntersuchungen der Stiftung Warentest. Der Vergleichszeitraum: Januar 2002 bis August 2007.

Doch egal, ob ökologisch oder konventionell – die Qualität der getesteten Lebensmittel war selten top. Nur 1 Prozent der konventionellen Ware und 4 Prozent der Bioprodukte verdienten ein „Sehr gut“. Nicht einmal jedes zweite Lebensmittel beider Lager konnte als „gut“ bezeichnet werden. Gleichstand auch bei schlechterer Qualität: Etwa 30 Prozent der ökologischen wie auch der konventionellen Produkte war nicht besser als „ausreichend“ oder „mangelhaft“ (siehe Grafik).

Über die Qualität eines Lebensmittels entscheidet letztlich die Sorgfalt in der gesamten Produktion. Das heißt, die Erzeugung und die Auswahl der Rohstoffe müssen stimmen, die Verarbeitung, die Verpackung, der Transport, die Lagerung.

Zwischen „sehr gut“ und „mangelhaft“

Bioprodukte Meldung

Zurück zur Natur: Eine Ökobäuerin erntet Salat.

Aber mit der Sorgfalt tun sich manche Betriebe schwerer als andere. Das gilt auch für Biobetriebe. Bei ihnen fällt außerdem auf: Die Qualität der Biolebensmittel differierte im selben Test oft extremer als bei konventionellen Produkten. Das zeigen unter anderem folgende Beispiele: 

Olivenöl (test 5/06). Als einziges Olivenöl überzeugte ein Öko-Öl mit „sehr gut“. Ein anderes fiel dagegen durch deutliche sensorische Fehler auf – „mangelhaft“. Hohe Gehalte an gesundheitskritischen Weichmachern kamen hinzu. (Im Test: 12 Olivenöle, davon 3 Bio.)

Rapsöl (test 9/03). Auch hier war der Testsieger ein Vertreter der Biobranche, der Testverlierer aber auch – ein Rapsöl mit sensorischen Fehlern und geringer Hitzestabilität. (Im Test: 15 Öle, davon 6 Bio.)

Tomatenkonserven (test 11/04). Platz zwei für ein „aromatisches“ Bioprodukt, letzter Rang für einen „metallisch“ schmeckenden Ökoverwandten. Der hinterließ auch noch ein „brennendes Gefühl“ im Mund. (Im Test: 25 Tomatenkonserven, darunter 5 Bioprodukte.)

Frische Pasta (9/04). Eine Bio-Pasta war „gut“ mit „al-dente-Teig“ und „fest-saftiger“ Füllung. Eine andere Bio-Sorte floppte. Sie schmeckte „ausdruckslos“, die Füllung war „matschig-wässrig“. (Im Test: 30 gefüllte Pastaprodukte, davon 5 Bio.)

Honig (test 4/04). Von sieben Biohonigen waren drei „gut“, vier aber „mangelhaft“. Ähnlich stark schwankten die Noten für konventionelle Honige. Die Hauptprobleme: nicht sortenrein, mit Rückständen belastet, sensorische Fehler. (Im Test: 34 Honige, darunter 7 Bio-Honige.)

Punkte für Umwelt und Soziales

Bioprodukte Meldung

Hygiene hat Priorität: Ein Mitarbeiter presst den Kochschinken in eine Form. Handschuhe und Folien sollen unerwünschte Keime fernhalten.

Eine artgerechte Tierhaltung, die Erhaltung des Kreislaufs von Boden, Pflanze und Tier: Für viele gehört auch das zur Qualität eines Lebensmittels. Doch seit Bio brummt, die Discounter in die Branche eingestiegen sind und Bioprodukte aus der ganzen Welt kommen, misstrauen einige dem Biokonzept. Bleiben dabei Ethik und Nachhaltigkeit auf der Strecke?

Das interessiert uns auch. Seit zwei Jahren ergänzen wir einige Lebensmitteltests um die Prüfung der ökologischen und sozialen Verantwortung von Unternehmen. Diese CSR-Tests – CSR ist die Abkürzung vom englischen Corporate Social Responsibility – führen wir per Fragebogen und Betriebsbesichtigungen durch. Die Bilanz der Biohersteller ist hier vorbildlich, wie folgende Beispiele belegen.

Garnelen (test 4/06). Bio-Garnelen schnitten im Warentest „gut“ ab. Ihre Hersteller engagierten sich „stark“ bis „sehr stark“ für Umwelt, Tierschutz, soziale Mindeststandards. Das leisteten nur drei konventionelle Hersteller, bei den meisten ließ die Verantwortung zu wünschen übrig. (Im Test: 20 Garnelen, davon 2 Bio.)

Kochschinken (test 8/07). Anbieter und Hersteller von konventionellem Schinken verweigerten bisweilen die Auskunft. Alle Bioproduzenten konnten eine Kontrolle der gesamten Lieferkette belegen. Sie engagierten sich „stark“ für Umwelt und Tiere. (Im Test: 25 Schinken, davon 3 Bio.)

Öko kontra Öko

Bioprodukte Meldung

Die Nase entscheidet mit: Hier eine sensorische Prüfung von Olivenöl.

Sechs Jahre sowie einige Lebensmittelskandale ist es her, dass das EU-Bio-Siegel eingeführt wurde. Es garantiert nur einen Bio-Mindeststandard. Das heißt unter anderem: Die Produkte sollten möglichst pestizidfrei angebaut werden. Aber bei Tierhaltung, Ackerbau und Verarbeitung sind mehr Kompromisse erlaubt als bei alteingesessenen Bio-Anbauverbänden.

Demeter, Bioland und andere traditionelle Anbauverbände haben für ihre Bauern wesentlich strengere Richtlinien. Dadurch leisten sie einen größeren Beitrag zur Nachhaltigkeit. Das macht die Produkte teurer, aber nicht unbedingt gesünder und sicherer. In den Tests schnitten sie nicht besser ab als die Bioprodukte von Discountern und Handelsketten.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1334 Nutzer finden das hilfreich.