Kaum Schadstoffe

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Bio ist meist frei von Pestiziden – aber nicht immer frei von anderen Schadstoffen. Nach Pflanzenschutzmitteln und anderen Schadstoffen in Lebensmitteln fahnden wir bei Rückstandsuntersuchungen. Bei diesen schlanken Tests vergeben wir keine test-Qualitätsurteile.

Pestizide: Bio meist unverdächtig

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So schneiden Bio- und konventionelle Lebensmittel bei acht Untersuchungen der Stiftung Warentest auf Pestizide ab. Der Vergleichsszeitraum: Januar 2002 bis August 2007.

So schneiden Bio- und konventionelle Lebensmittel bei acht Untersuchungen der Stiftung Warentest auf Pestizide ab. Der Vergleichsszeitraum: Januar 2002 bis August 2007.

Frisches Bio-Obst und -Gemüse sowie Biotee sind meist pestizidfrei. Das zeigen unsere acht Untersuchungen auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (siehe Grafik). In knapp drei Viertel der Bioware konnten wir keine Pestizide nachweisen. So muss es auch sein. Denn bei der Ökoproduktion wird auf chemisch-synthetische Pestizide verzichtet. Gegen Schädlinge und Unkraut gehen Bioerzeuger mit robusten Pflanzen, aber auch mit Seifen, Ölen und Kupfer vor, und sie vermeiden Monokulturen.

So pestizidfrei wie das Gros der Bioprodukte waren nur 11 Prozent vom konventionellen Gemüse, Obst und Tee. Frei von Pestiziden heißt aber nicht, dass die Ware damit nie in Kontakt gekommen wäre. Viele Pflanzenschutzmittel können sich ganz oder bis auf Spuren abbauen. „Sehr gering“ oder „gering“ belastet waren 60 Prozent der konventionellen Produkte in unseren Tests. Damit liegen sie weit unter den gesetzlichen Höchstmengen, die eine gesundheitliche Gefährdung ausschließen. Überschreitungen dieser Höchstmengen kamen selten vor, doch 29 Prozent der normalen Handelsware war immerhin „deutlich“ oder „hoch“ belastet. Angesichts weiterer Umweltbelastungen sollte hier gelten: Je weniger Pestizide in der Nahrung, desto besser.

Mehrfachrückstände: Pestizidcocktail

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Grüner Öko-Tee überzeugte, weil wir fast nie Rückstände von Pflanzenschutzmitteln fanden. Da kam die konventionelle Konkurrenz nicht mit.

Je nach Lebensmittel nehmen wir bis zu 500 verschiedene Pestizide ins Visier. Zunehmend weisen wir auch Mehrfachrückstände nach. Dabei handelt es sich um Cocktails aus verschiedenen Pflanzenschutzmitteln. Die Mischungen können nicht nur auf Krankheiten und Schädlingsbefall der Pflanzen abgestimmt werden, sondern sollen auch Resistenzen verhindern. Eine Hintertür für Hersteller: Mit den verschiedenen Minimengen können sie Überschreitungen bei einzelnen Pestiziden umgehen. Bei einem Grüntee fanden wir zum Beispiel 20 unterschiedliche Mittel. Die gesundheitlichen Aus- und Wechselwirkungen von Mehrfachrückständen sind wissenschaftlich noch nicht hinreichend geklärt.

Frisch vom Feld: Bio ist meist top

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NATUR PUR? (Bilder von oben nach unten):
Fast alle Bio-Äpfel im Test waren pestizidfrei.
Rukolasalat speichert reichlich Nitrat. Dies galt in unserer Untersuchung auch für Ökorukola.

Unverarbeitet sind Bioprodukte den konventionellen überlegen, wie zum Beispiel folgende Untersuchungen zeigen.

Tomaten (test 8/05). Anders als bei den konventionell produzierten Tomaten waren alle Ökoproben frei von Pestiziden. (Im Test: 25 Proben, davon 3 Bio.)

Äpfel (test 8/06). Sieben von acht Bioäpfeln waren unbelastet, die meisten konventionellen Äpfel „sehr gering“ belastet. (Im Test: 27 Proben, davon 8 Bio.)

Limetten (test 6/07).Insgesamt waren alle konventionellen Limetten mit Pestiziden belastet. Bis auf „sehr geringe“ Gehalte eines Bioteilnehmers war diese Fraktion rein. (Im Test: 18 Proben, davon 8 Bio.)

Rukola (test 11/05). Drei Viertel der Salate war „deutlich“ bis „stark“ mit Nitrat belastet. Mit dem geringsten Nitratgehalt tat sich ein Bio-Rukola hervor, ein anderer Biosalat hatte aber „deutliche“ Nitratgehalte. (Im Test: 16 Proben, davon 2 Bio.)

Grüner Tee (test 7/06). Öko-Tee war gar nicht mit Pestiziden belastet oder nur „sehr gering“. Dagegen war jeder dritte konventionelle Grüntee nicht akzeptabel. (Im Test: 30 Proben, davon 8 Bio.)

Früchtetee (test 5/06). Von den sechs Bioprodukten im Test waren fünf „nicht belastet“, ein Früchtetee nur „gering“. Von 34 konventionellen waren 5 „deutlich“ belastet. (Im Test: 40 Proben, davon 6 Bio.)

Giftflecken auf der Bioweste

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Risiko Weinblätter: In diesem Test waren die Ökoprodukte am höchsten belastet.

Bisweilen hat auch Bioware Giftflecken auf der sonst so reinen Weste. Die grünen Bio-Paprika (test 7/03) waren „deutlich“ mit Pestiziden belastet. (Im Test: 29 Proben, davon 2 Bio.) Ähnliches gilt auch für die Biovertreter unter den gefüllten und ungefüllten Weinblättern (test 3/04). Ein Produkt war „deutlich“, ein anderes „stark“ belastet. (Im Test: 33 Proben, davon 2 Bio.) Auch auffällig viele konventionelle Paprika und Weinblätter hatten mit Pestiziden zu kämpfen.

Andere Schadstoffe

Bei den Untersuchungen auf Rückstände aus Deckeln (test 3/05) und auf Weichmacher in Speiseölen (test 1/06) prüften wir unter anderem auf gesundheitskritische Weichmacher. Das Ergebnis: Bei diesen Rückständen spielte die Erzeugung keine Rolle: Öko- und konventionelle Ware war in gleichem Maße belastet – mal weniger, mal mehr. Ein ganz ähnliches Resümee zogen wir auch bei unserer Untersuchung auf Schimmelpilzgifte in Brot (test 2/02).

Unser Fazit: Preis

Biolebensmittel kosten fast immer etwas mehr als konventionelle. Die Öko-Landwirtschaft ist sehr arbeitsintensiv und weniger ertragreich. Schließlich soll auf Massentierhaltung und auf Monokulturen verzichtet werden. So verwundert es kaum, dass die Ökoware wie beispielsweise beim exotischen Ananassaft in manchen Tests zu den teuersten Produkten gehörte. Die Biosäfte kosteten drei- bis viermal so viel wie konventionelle. Anders gestalten sich die Preise bei Grundnahrungsmitteln. Zum Beispiel waren die Bio-Apfelsäfte im Test nicht teurer als manche konventionelle. Auch Bio-Spaghetti kosteten etwa so viel wie konventionelle Markenprodukte.

Unser Fazit: Geschmack

Bioprodukte schmecken im Allgemeinen nicht anders als konventionelle. Ökolebensmittel haben bisweilen sogar kulinarische Nachteile, wenn sie hochverarbeitet sind. Die Verwendung ökologischer Zutaten allein führt nicht zu einem sensorisch optimalen Endprodukt. Das kann an den Rezepturen liegen, aber auch an nicht ausreichend sorgfältiger Verarbeitung, Abpackung, Lagerung, Transport. Auch unerwünschte Keime sind bisweilen ein Problem. Die Mindesthaltbarkeitsfrist ist oft zu lang. Dann passiert es, dass ein Kochschinken „sauerdumpf“ oder ein Mozzarella „alt“ schmeckt.

Unser Fazit: Gesundheit

Öko-Obst, Öko-Gemüse und Öko-Tee sind meist erfreulich pestizidfrei. Das ist ein klarer gesundheitlicher Vorteil, den konventionelle Produkte so nicht immer bieten. Pestizidfreie Ware ist im Sinne des vorbeugenden Gesundheitsschutzes also allemal besser. Ein weiterer Ökobonus: Tendenziell reichert sich weniger Nitrat in Biogemüse an. So kommt auf Bio-Äcker möglichst kein nitrathaltiger Stickstoffdünger. Nitrat ist zwar ein natürlicher Pflanzenbestandteil, kann aber zu Nitrit umgewandelt werden. Daraus können krebserzeugende Nitrosamine entstehen.

Viele Menschen schätzen aber auch die ethische Qualität der Bio-Landwirtschaft. Sie legen Wert auf eine nachhaltige, das heißt ökologische und sozialverträgliche Produktion, die den natürlichen Kreislauf von Boden, Pflanze und Tier fördert. Das sorgt für ein gutes Lebensgefühl. Und ein schonender Umgang mit der Umwelt dient letztlich der Gesundheit aller.

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