Die Biobranche hat ihren Umsatz im Jahr 2011 um neun Prozent auf rund 6,6 Milliarden Euro erhöht. Höhere Preise, aber auch eine erhöhte Nach­frage führten zu dem Umsatz­wachs­tum. Deutsche Verbraucher kauf­ten 2011 vor allem mehr tierische Produkte in Bioqualität. test.de sagt, wo sich Bio am meisten lohnt.

Gestiegene Nach­frage nach Biofleisch

Nachdem der Umsatz mit Biolebens­mitteln 2010 nur um zwei Prozent gewachsen war, haben deutsche Verbraucher im vergangenen Jahr wieder mehr Geld für Biokost ausgegeben. Das geht aus einem Bericht des Bundes Ökologische Lebens­mittel­wirt­schaft e.V. (BÖLW) hervor. Einer­seits mussten die Verbraucher mehr zahlen – vor allem für tierische Bioprodukte. Anderer­seits stieg aber auch die Nach­frage. Das betrifft vor allem Biofleisch – hier ist die Nach­frage 2011 um fast 30 Prozent gestiegen. Offen­bar haben kritische Berichte über die Massentierhaltung in der konventionellen Land­wirt­schaft bei vielen Verbrauchern zu bewuss­terem Einkaufen geführt. Artgerechte Tierhaltung ist auch der wichtigste Grund für den Kauf von Biolebens­mitteln. Das ergab eine aktuelle Umfrage unter rund 1000 Bundes­bürgern für die jüngste „Ökobarometer“-Studie, durch­geführt im Auftrag des Bundes­land­wirt­schafts­ministeriums.

Auch mehr Biomilch­produkte und Bioeier verkauft

Nach dem Dioxinskandal Anfang 2011 griffen die Kunden außerdem verstärkt zu Bioeiern sowie Biomilch- und Biomolkerei­produkten wie Butter, Jogurt, Quark und Käse. Aber auch die Umsätze mit Kaffee, Fleisch­ersatz­produkten, Süßwaren, Getränken und Brot­aufstrichen in Bioqualität stiegen. Bei Obst, Gemüse und Kartoffeln bremsten dagegen die EHEC-Krise, kleine Ernten und dementsprechend hohe Preise den Umsatz. Insgesamt profitierten vor allem große Biosu­permärkte und andere groß­flächige Natur­kost­fach­geschäfte, weniger dagegen die Discounter. Sie beein­flussen mit ihrer Mengen- und Preis­politik den Gesamt­umsatz aber dennoch stark, da auf sie bereits ein Viertel des Umsatzes mit Biolebens­mitteln entfällt.

Bioanteil nur bei vier Prozent

Trotz des Umsatz­wachs­tums liegt der Bioanteil am gesamten Lebens­mittel­markt immer noch bei nicht mal vier Prozent. Er dürfte zukünftig wachsen: Vor allem die Nach­frage nach heimischen Bioprodukten ist im vergangenen Jahr gestiegen und weit größer als das Angebot. Die Ökoflächen und die Zahl der Biobauern in Deutsch­land wachsen aber zu lang­sam: 2011 wurde nur 2,3 Prozent mehr Fläche ökologisch bewirt­schaftet als im Jahr zuvor: Insgesamt etwas über eine Million Hektar. Das ist nur ein Anteil von rund sechs Prozent an der gesamten deutschen Land­wirt­schaft – in der Nach­haltig­keits­strategie der Bundes­regierung sind 20 Prozent als Ziel angestrebt.

Nach­frage kann nur durch Importe gedeckt werden

Dass nicht mehr deutsche Bauern auf Bio umstellen, liegt unter anderem an hohen Investitions- und Futterkosten – vor allem in der Biomast und in der Ferkel­aufzucht. Da die Schere zwischen Angebot und Nach­frage immer weiter auseinander­geht, ist Deutsch­land zunehmend auf den Import von Bioprodukten angewiesen. Besonders hoch sind die Import­anteile von Bioölsaaten (76 Prozent), aber auch von einzelnen Obst- und Gemüsearten wie Biotomaten (82 Prozent), Biomöhren (48 Prozent) oder Bioäpfeln (50 Prozent). Unerwartet hoch lag die Importquote im vergangenen Jahr mit 24 Prozent bei Biohülsenfrüchten, die als Futterpflanzen in der Biomast von Schweinen und Geflügel wichtig sind. Biotrinkmilch kam 2011 zu 32 Prozent aus dem Ausland, Biobutter zu 26 Prozent.

Vorteile von Biolebens­mitteln

Neben artgerechter Tierhaltung sind die wichtigsten Gründe für den Kauf von Biolebens­mitteln laut „Ökobarometer“-Studie die regionale Herkunft beziehungs­weise die Unterstüt­zung regionaler Betriebe sowie eine geringe Schad­stoff­belastung. Die Stiftung Warentest hat in ihrer „Bilanz aus 85 Tests“ zwei Vorteile gegen­über herkömm­lichen Lebens­mitteln ausgemacht: Pestizide kommen in Bioware tatsäch­lich nur selten vor. Außerdem können Käufer von Biolebens­mitteln Unternehmen unterstützen, die soziale, ethische und ökologische Verantwortung über­nehmen. So engagieren sich beispiels­weise bei Hähnchenbrustfilets nur Anbieter, die nach Ökokriterien produzieren, für das Wohl der Tiere. Hinweise darauf, dass Bioware generell gesünder oder schmack­hafter ist als konventionelle, liefern die Test­ergeb­nisse allerdings nicht.

Biosiegel und andere grüne Produkte

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Zu erkennen sind Biolebens­mittel an verschiedenen Siegeln. Pflicht ist das EU-Biosiegel für Lebensmittel (siehe Abbildung), zusätzlich dürfen Bioprodukte hier­zulande auch das bekann­tere deutsche Siegel tragen. Für Durch­blick im Dschungel der zahlreichen Bio-Siegel sorgt die Meldung 10 Jahre Biogarantie.

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Tipp: Am 15. Februar 2012 beginnt in Nürn­berg die „Biofach“– eine Messe für Bio-Produkte aus allen Lebens­bereichen. Die Messe dauert bis zum 18. Februar. Informationen finden Sie unter www.biofach.de.

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