Bioprodukte Meldung

Das deutsche, sechseckige Biosiegel für Lebens­mittel wird 10 Jahre alt. Es garantiert, dass Bio­produkte die Ökostandards der EU einhalten. Im ersten Halbjahr 2011 stieg der Umsatz von Bio­produkten um satte 10 Prozent. test.de klärt, welche Siegel es auch noch gibt und was wirklich „Bio“ ist.

Biosiegel garantiert EU-Ökostandards

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Deutsches Bio-Zeichen. Seit 2001 steht es für EU-Ökostandards auf mittlerweile 63 000 Produkten.

Produkte mit Biosiegel müssen Verbraucher längst nicht mehr mit der Lupe suchen. Bei rund 4 000 Handelsunternehmen in Deutschland gibt es mittlerweile fast 63 000 verschiedene Lebensmittel mit dem sechseeckigen Symbol. Das staatliche Biosiegel war am 5. September 2001 unter der damaligen Verbraucherschutzministerin Renate Künast eingeführt worden. Es sollte mehr Klarheit in den Dschungel der Siegel, Marken, Prüf- und Gütezeichen bringen und den Käufern den Griff ins Öko-Regal erleichtern. Das Biosiegel garantiert, dass der Hersteller die Standards der EG-Öko-Verordnung einhält. So darf ein Produkt mit Biosiegel höchstens fünf Prozent nicht ökologische Bestandteile enthalten, verboten ist unter anderem der Einsatz von Gentechnik und chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln. Zudem schreibt die Verordnung eine artgerechte Haltung der Tiere vor. Das deutsche Bio-Zeichen ist freiwillig.

EU-Siegel seit 2010 zusätzlich auf dem Produkt

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EU-Bio-Logo. Das Siegel muss seit Juli 2010 auf Ware stehen, die der EU-Öko-Verordnung entspricht.

Neu hinzugekommen ist im Juli 2010 das blattförmige EU-Biosiegel. Es muss auf jedem Bioprodukt in der Europäischen Union, also auch solchen aus Deutschland stehen. Oft tragen diese zusätzlich das deutsche Biozeichen. Das jüngere EU-Siegel kennen selbst eingefleischte Biokäufer bis heute kaum; manche glauben, dass es weniger streng sei als das deutsche Biosiegel. Das stimmt nicht: Denn beiden Siegeln liegt die EG-Öko-Verordnung zugrunde. Ihr Aussagegehalt ist also identisch.

Immer mehr Biolebensmittel aus dem Ausland

Deutschland ist heute der größte Markt für Bioprodukte in Europa: Von 2000 bis 2009 stieg der Umsatz im Handel um 180 Prozent, wie eine Studie der Uni Bonn zeigt. Während der Umsatz 2010 nahezu stagnierte, bekommt die Branche derzeit einen enormen Schub: Für das erste Halbjahr 2011 haben Marktforscher einen Umsatzanstieg von gut 10 Prozent berechnet. Die deutschen Biobauern können die Nachfrage im Inland nicht mehr befriedigen, denn die ökologisch bewirtschafteten Flächen reichen nicht aus. Zudem wurden hierzulande Fördermittel für die Umstellung auf Bio seit 2005 gekürzt. Die Folge: Deutsche Firmen importieren zunehmend Bioprodukte aus Spanien und osteuropäischen Ländern.

Bio aus der Ferne meiden

Auch wenn das Biosiegel eine Erfolgsgeschichte ist: Ein Blick auf die Herkunft ist auch bei Bioware empfehlenswert. So hob eine Sprecherin des Verbraucherzentrale Bundesverbandes anlässlich des Siegeljubiläums hervor: „Das Biosiegel zeigt nicht die Ökobilanz eines Produkts. Wenn Tomaten aus trockenen Regionen in Spanien stammen und stark bewässert wurden, können sie trotzdem als bio gelten“. Wem es also um Umweltschutz geht, der sollte zusätzlich regional und saisonal einkaufen und die per Flugzeug importierte Ananas links liegen lassen.

Bio ist nicht gleich Bio

Lebensmittel aus ökologischem Anbau erkennt man an den Begriffen „Öko“ oder „Bio“. Wohlklingende Beschreibungen auf der Verpackung wie „aus naturnahem Anbau“ oder „ohne Zusatzstoffe“ machen ein Produkt dagegen noch nicht zur amtlichen Bioware. Auch wenn ein Produkt unter einer Bio-Eigenmarke einer Handelskette firmiert – etwa BioBio bei Netto Marken-Discount oder Bioness bei Lidl, – ist das allein kein Beleg für die Einhaltung der EG-Öko-Standards. Die Bio-Eigenmarken sind keine Siegel. Solche Produkte sind nur „Bio“ im Sinne der EG-Öko-Verordnung, wenn zusätzlich auch das rechteckige oder das europäische Biosiegel auf ihrer Verpackung zu finden sind. Außerdem muss eine Ökokontrollstelle angegeben sein.

Anbauverbände sind noch strenger

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Spezialheft Ernährung. Sind Bio und fairer Handel wirklich besser? Das Spezialheft gibt Antworten.

Noch strenger als die Standards der EG-Öko-Verordnung sind die Richtlinien der Bioanbauverbände wie Bioland, Naturland und demeter. Ihre Produkte sollen möglichst aus 100 Prozent Bio-Zutaten bestehen. Im Vergleich zum EU-Standard gelten bei ihnen unter anderem strengere Kriterien für die Tierhaltung, etwa die Besatzdichte in Ställen, die Futterbeschaffung sowie die Bewirtschaftung der Biohöfe. Die Produkte der Anbauverbände können Verbraucher an deren Siegeln erkennen (siehe unten). Ausführliche Informationen über nachhaltige Landwirtschaft, fairen Handel und gesundes Essen bietet das „Spezial Ernährung“. Wie gut Bioprodukte im Vergleich zu herkömmlichen Lebensmitteln abschneiden, erklärt die „Bilanz aus 85 Tests“ der Zeitschrift test.

Siegel von Bioanbauverbänden

Bioland

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Größter Verband in Deutschland (5 443 Betriebe). Warenzeichen seit 1976. Konzept fußt auf organisch-biologischem Anbau der 40er Jahre.

demeter

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Basiert auf biologisch-dynamischer Landwirtschaft, deren Konzept auf den Anthroposophen Rudolf Steiner zurückgeht. Warenlogo seit 1928. Derzeit gibt es 1 387 deutsche demeter-Betriebe.

Naturland

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Fördert internationalen Ökolandbau. Derzeit 2 441 Betriebe in Deutschland. Engagiert für Aquakultur, Wald, Textilien, Kosmetik. Seit 1982.

Biokreis

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Gegründet 1979 in Passau. Regionaler Schwerpunkt liegt in Ostbayern. Darüber hinaus in fünf Bundesländern vertreten. 872 Betriebe.

Biopark

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1991 in Mecklenburg-Vorpommern gegründet. Inzwischen 571 Mitgliedsbetriebe bundesweit. Schwerpunkt Milch, Fleisch.

Gäa

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Erster Anbauverein der DDR, den Umweltaktivisten 1988 gegründet haben. Mit 342 Betrieben heute bundesweit aktiv.

Ecoland

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Zusammenschluss von 41 Betrieben in Baden-Württemberg. Gewürzprojekt unterstützt kleine Projekte in Entwicklungsländern.

Verband Ökohöfe

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Erst 2007 gegründet. Mitglieder: 162 Höfe in Niedersachsen, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt.

Ecovin

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215 Ökowinzer in 10 deutschen Weingebieten gehören dazu. Seit 1985. Programm: schonender Umgang mit Wasser und Boden.

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