Biolebensmittel Special

Glückliche Tiere auf der Weide, knackiges, schadstofffreies Obst und Gemüse, liebevolle Öko­bauern – all das steht hinter Biolebensmitteln, die mit mehr Aufwand als konventionelle Ware produziert werden.

Heute gilt „Bio für alle“. Biomar­ken gibt es en masse und noch immer kommen neue hinzu, die Preise für die Produkte purzeln. Doch ist ihre Qualität gleich gut?

Ein gutes Gewissen kann man nicht kaufen, mit gutem Gewissen einkaufen schon. Und so greifen immer mehr Verbraucher zu Biolebensmitteln. Die Nachfrage übersteigt schon das heimische Ange­bot. Die deutsche Biobranche gerät damit unter Zugzwang, dennoch geht es ihr prächtig: Im vergangenen Jahrzehnt konnte sie den Umsatz verdreifachen, 2006 lag er bei 4,5 Milliarden Euro.

Neue Konzepte für neue Kunden

Biolebensmittel Special

Umfrage unter Bio-Konsumenten: Welche Lebensmittel kaufen Sie ausschließlich als Bioprodukte?

Umfrage unter Bio-Konsumenten: Welche Lebensmittel kaufen Sie ausschließlich als Bioprodukte?

Musste man früher nach Bioprodukten suchen, etwa in einem Naturkostladen, bietet sie heute nahezu jeder Supermarkt in wachsender Vielfalt an. Oft stehen sie inmitten konventioneller Lebensmittel und landen so auch im Einkaufskorb derer, die bisher Bio skeptisch beäugten. So erklärt sich, dass derzeit die großen Handelsketten am meisten an Bio verdienen.

Neu ist auch, dass sich die Hersteller bemühen, Bio für jedermann attraktiv und erschwinglich zu machen. „Bio für alle“, der Slogan der Biosupermarktkette basic, bringt das auf den Punkt. Unter ihren 8 000 Artikeln gibt es günstige Einstiegsprodukte wie Marmelade, Wohlfühlprodukte wie Yogi-Tee oder fix und fertige Tiefkühlgerichte. Sie alle sind schick verpackt und modern präsentiert.

Diese neuen Konzepte hätten sich schwerer durchsetzen können, wäre Bioware nicht häufig die einzige Alternative in Krisenzeiten gewesen. Hatte vor Jahren der BSE-Skandal die Nachfrage um 30 Prozent erhöht, sind es heute die Gammelfleischfunde. Artgerechte Tierhaltung, geringe Schadstoffbelastung, gesunde Ernährung – laut Ökobarometer 2007 lauten so die drei Hauptargumente für den Kauf von Biolebensmitteln. Dafür geben die Käufer bereitwillig mehr Geld aus. Wissen sie doch, dass die Produktion aufwendiger ist. Doch Bio muss nicht immer mehr kosten als normale Ware. Vergleiche mit teuren konventionellen Marken ergaben: Biomilch, Biospaghetti, Biomarmelade und Bioapfelsaft sind bisweilen günstiger.

Echte Biokost erkennen

Biolebensmittel Special

Neu ist der Trend hin zu modernen Biosupermärkten mit Tausenden von Produkten für wenig Geld.

Im Sog des Biobooms tauchten unzählige neue Produkte und Siegel auf: Über 300 Biomarken und 60 nationale und internationale Biosiegel zieren die Waren eines Biosupermarkts wie basic. Lassen Sie sich nicht verwirren, im Grunde ist die Biokennzeichnung simpel. Generell gilt: Umschreibungen mit den Begriffen „biologisch“ und „ökologisch“ stehen immer für echte Bioware. Beispiele dafür sind: „aus kontrolliert biologischem Anbau“, „aus ökologischem Landbau“ oder einfach nur die Kürzel „Bio“ oder „Öko“. Andere Umschreibungen lassen auch Biokost vermuten, sind aber keine, wie „naturnah“, „umweltverträglich“, „aus kontrolliertem Anbau“, „aus alternativer Tierhaltung“ oder „aus extensiver Landwirtschaft“. Sie entsprechen nicht vollends den Biovorgaben der EU.

Noch etwas ist wichtig: Jedes Bioprodukt trägt einen Kode auf dem Etikett, der die Ökokontrollstelle angibt und die Rückverfolgung erleichtert (wie „DE-006-Öko Kontrollstelle“ für den BioBio-Jogurt von Plus). Bei loser Ware sollten Sie den Verkäufer fragen und sich eventuell die Großpackung zeigen lassen.

Markanter fürs Auge ist das weitverbreitete grüne, sechseckige EU-Bio-Siegel, das 2001 eingeführt wurde. Nach der Ökoverordnung der EU müssen Lebensmittel mit diesem Siegel zumindest zu 95 Prozent biologische Zutaten enthalten. Im Zutatenverzeichnis sind sie mit einem Stern markiert. Der Handel druckt das EU-Bio-Siegel häufig neben seine eigenen Biomarken wie Füllhorn (Rewe) und BioWertkost (Edeka).

Höchste Bioqualität

Premiumqualität unter den Bioprodukten wird immer noch den acht traditionellen Öko-Anbauverbänden zugeschrieben, von denen Bioland, Naturland und Demeter die größten sind. Meist in den 1970ern oder 1980ern gegründet, gehören sie zu den Biopionieren. Demeter ist bekannt für sein besonderes Naturverständnis, das sich an der Lehre Rudolph Steiners ausrichtet. Die kleineren Verbände – Biokreis, Biopark, Ecoland, Gäa ­– sind regional verankert. Dem Verband Ecovin gehören Erzeuger von Biowein an. Die Richtlinien der acht Verbände sind strenger als die Bio-Vorgaben der Europäischen Union.

Schadstofffreier und gesünder?

Besonders bei Pestizidrückständen kann Obst und Gemüse aus biologischem Anbau überzeugen. Viele Untersu­chungen belegen das. So zum Beispiel auch unsere Tests zu Rückstände in Äpfeln und Rückstände in grünem Tee: Die Bioprodukte waren im Gegensatz zu den konventionellen wenig bis gar nicht belastet. Im Öko-Anbau dürfen grundsätzlich keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Im konventionellen Anbau schon. Hier werden die Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel europaweit sogar angepasst, was in diesem Fall nichts Gutes bedeutet: Sie werden gelockert.

Dass Biolebensmittel auch in puncto Nährwert besser abschneiden, konnte bisher nicht eindeutig bewiesen werden. Neuere Untersuchungen legen das allerdings nahe: So bilden artgerecht gehaltene Weidekühe dank des natürlichen Futters vermehrt gesunde ungesättigte Fettsäuren in ihrem Muskelfleisch. Und Biomilch enthält möglicherweise mehr Omega-3-Fettsäuren und mehr Vitamine als konventionelle Milch.

Deutsche Bioware wird knapp

Die gestiegene Nachfrage übersteigt die Kapazität der deutschen Biobauern. Vor allem bei Gemüse, Milch und Fleisch kann es eng werden. Denn nur knapp fünf Prozent unserer landwirtschaftlichen Fläche wird bisher von Biobauern betrieben. Dringend gefragt sind weitere konventionelle Landwirte, die auf Bio umsatteln. Doch das geht nicht so schnell. Ein Wechsel braucht Zeit und die Subventionen für die Umstellung sind nicht sehr hoch. Und da Bioware immer gefragter und billiger wird, zählen Landwirte mit großen Absatzmengen. Doch eine immer schnellere und zunehmend industrialisierte Ökoproduktion kann langfristig das ursprüngliche Konzept „Klasse statt Masse“ gefährden und in sein Gegenteil umkehren. Bei Bio sollte nach wie vor der ethische Anspruch mehr wiegen als der Profit.

Der Import, insbesondere von südländischen Biolebensmitteln, läuft auf Hochtouren. Längst bietet der hiesige Biosupermarkt nicht mehr nur regionales Grünzeug an. In Spanien zum Beispiel wächst die ökologische Anbaufläche viel schneller als bei uns. Der Nachteil: Lange Transportwege schaden der Umwelt. Vor allem der Transport mit dem Flugzeug ist wegen der Treibhausgase nicht gerade günstig für die Ökobilanz. Nach wie vor gilt: Biolebensmittel sollten idealerweise aus der Region gekauft werden, Obst und Gemüse, wenn sie Saison haben.

Bio ist nicht gleich Fair Trade

Schon 70 Prozent der Fair-Trade-Produkte tragen auch ein Biosiegel, doch beides sollte nicht verwechselt werden. Der faire Handel (Fair Trade) setzt auch auf nachhaltige Produktion, ihm geht es aber in erster Linie um wirtschaftliche Gerechtigkeit für die Produzenten in der Dritten Welt. Die rund 750 Artikel mit dem bekannten internationalen TransFair-Siegel wie Kakao, Tee und Schokolade verkauften sich 2006 so gut wie noch nie. Ihr Umsatz verdoppelte sich auf 110 Millionen Euro. Die höchsten Gewinne erzielen bisher fair gehandelter Kaffee und Bananen.

Nachhaltig essen und leben

Nicht nur Bio- und Fair-Trade-Lebensmittel tun langfristig Umwelt, Tier und Mensch gut. In immer mehr Lebensbereichen – wie Mode, Möbel, Energie – ist Nachhaltigkeit „in“. Das Konzept stammt aus der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts: Es soll nur so viel Holz geschlagen werden, wie auch nachwächst. Dahinter steht ein zukunftsorientierter Lebensstil. Auch kommende Generationen sollen in einer intakten Umwelt und unter gerechten Bedingungen leben können.

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