Biokost Meldung

Wer Öko kauft, erwartet besonders gesunde, besonders hochwertige Lebensmittel. Die Tests der vergangenen Jahre zeigen jedoch: Biokost muss qualitativ noch zulegen.

Erst der BSE-, dann der Nitrofen-Schock: Der eine trieb so manchen Neukunden in die Bio-Nische, der andere brachte den Glauben an die gesunde Ökokost schwer ins Wanken. Der Kauflust an der Biotheke wurde ein Dämpfer verpasst. Aber ungeachtet aller Skandale: Der ökologische Landbau schont die Böden, schützt die Umwelt und langfristig auch die Gesundheit. Deshalb beziehen wir bei unseren Lebensmitteltests wann immer möglich Bioprodukte ein. Ganz selbstverständlich ist das nicht, denn die tatsächliche Marktbedeutung von Öko lässt zu wünschen übrig. Gerade mal 3,7 Prozent des gesamten Lebensmittelumsatzes entfielen im vergangenen Jahr auf das Ökosegment.

Wie steht es um die Qualität der Bioware? Wir haben uns noch einmal unsere Lebensmitteluntersuchungen angesehen. In den letzten drei Jahren waren es insgesamt 15 Projekte, in denen rund 100 Ökoprodukte vertreten waren. Interessiert hat uns vor allem die Schadstoffbelastung, aber auch der Geschmack.

Pestizide

Biokost Meldung

Ökolandbau ist arbeitsintensiv, die Ware deshalb teurer.

Gesundheit ist ein wesentliches Motiv für den Biokauf. Insbesondere chemisch-synthetische Pestizide, Unkraut-, Pilz- und Insektenvernichtungsmittel, sind gesundheitsschädlich. Da sie außerdem oft nur schwer abbaubar sind und die Böden jahrzehntelang belasten, sind sie im ökologischen Landbau nicht erlaubt.

Allerdings: Auch für konventionelle Lebensmittel gibt es gesetzlich geregelte Höchstmengen, die eine gesundheitliche Gefährdung weitgehend ausschließen. Und Überschreitungen dieser gesetzlich festgelegten Höchstmengen haben wir bei unseren Lebensmitteltests kaum feststellen müssen. Wobei wir bei den Pestiziduntersuchungen rund 250 verschiedene Mittel im Visier haben. Darunter befindet sich auch das spektakulär gewordene giftige Nitrofen. Bei unseren Tests haben wir es aber nie gefunden.

Ausgesprochen erfreulich war die Pestizidsituation beim Biogemüse im Oktober 2000. Für diesen Test hatten wir Kartoffeln und Möhren als Wintergemüse ausgewählt, Tomaten und Blattsalate als Sommergemüse – insgesamt 33 Proben. In keiner fanden wir kritische Rückstandsmengen. Im konventionellen Anbau gibt es – wie Kontrolldaten zeigen – zumindest bei Blattsalaten (wegen der relativ großen Oberfläche der Salatblätter) deutlich mehr Rückstände. Ausreißer gibt es manchmal auch bei importiertem Obst und Gemüse.

Spektakulär waren unsere Untersuchungen zum grünen Tee. Von den 68 geprüften grünen Tees waren immerhin 43 deutlich bis stark belastet. Alle acht Ökotees waren nicht darunter. Beim Früchtetee konnte sich die Bioware nicht ganz so gut behaupten. Insgesamt waren von 50 Früchtetees 30 deutlich bis stark belastet, darunter einer der zwei Biotees im Test. Er enthielt unter anderem das giftige Holzschutzmittel Pentachlorphenol. Das zweite Bioprodukt gehörte zu den Tees, die nur sehr gering belastet waren. Nur 5 waren völlig unbelastet.

Nitrat

Biokost Meldung

Die kleinen Bioläden von einst haben sich zu schicken Supermärkten gemausert.

Nitrat – ein wichtiger Pflanzennährstoff – ist an sich nicht schädlich, kann aber im Organismus zu Nitrit beziehungsweise zu Krebs auslösenden Nitrosaminen weiterreagieren. In der konventionellen Land­wirtschaft ist die Nitratkonzentration im Boden oft durch mineralischen Stickstoffdünger erhöht.

Aber auch Treibhausware kann erhöhte Werte aufweisen, weil bei ihr das Nitrat nicht durch Sonnenlicht abgebaut wird. Biologisch angebautes Freilandgemüse enthält deshalb meist weniger Nitrat als konventionell angebautes.

Unsere Biogemüse-Untersuchung konnte das im Wesentlichen bestätigen: Die Nitratwerte lagen unter denen, die durch Vergleichsstudien für konventionelles Gemüse vorliegen. Doch fanden wir bei den insgesamt acht Proben Blattsalat auch zwei Ausrutscher. In einem Eichblatt- und in einem Kopfsalat haben wir deutliche bis sehr hohe Werte gemessen (bis zu 3 315 Milligramm Nitrat pro Kilogramm), wie sie in einem Salat aus biologischen Anbau eigentlich nicht vorkommen dürften.

Allerdings weisen auch Biobauern darauf hin, dass Nitrat ein pflanzeneigener Nährstoff ist und der Nitratgehalt eines Gemüses letztlich von der Sorte, dem Boden, der Witterung und vom Erntezeitpunkt abhängt. Das heißt, Biogemüse enthält nicht zwangsläufig weniger Nitrat als das konventionelle Grünzeug. Das zeigte sich auch in unserer Karotten- und Tomatensaftuntersuchung. Zwei Karottensäfte aus Biomöhren hatten beispielsweise einen geringfügig höheren Nitratgehalt als die meisten konventionell hergestellten Säfte.

Geschmackssache

Biokost Meldung

Im Biomarkt gibt es nicht nur karge Körnerkost, sondern auch Fertigprodukte.

Die kulinarische Sachlage ist für viele Feinschmecker eindeutig: Sie schwören auf Bio. Sie haben namhafte Köche auf ihrer Seite – aber nicht die Wissenschaft. Weltweit belegen Tests, dass ökologisch angebaute Karotten, Kopfsalat und Co. im sensorischen Blindversuch summa summarum keinesfalls besser abschneiden als traditionell Angebautes.

Bei verarbeiteten Lebensmitteln beziehungsweise Fertigprodukten fiel unser sensorisches Testvotum manchmal sogar eindeutig zugunsten von Nicht-Öko aus. Zum Beispiel Kakaogetränkepulver: Beide Ökoprodukte im Test enthielten keinen Emulgator und hatten einen doppelt so hohen Kakaogehalt. Diese Rezeptur führte zu einer deutlich schlechteren Löslichkeit. Ein echtes Manko für ein solches Pulver. Außerdem beeinträchtigte der ungereinigte Rohrzucker die mikrobiologische Qualität. Die Verwendung naturbelassener Zutaten hatte also nicht zu einem hochwertigeren Endprodukt geführt.

Beispiel Olivenöl: An die Güteklasse „nativ extra“ werden per Gesetz höchste sensorische Anforderungen gestellt. Von insgesamt 20 Olivenölen konnten 10 Öle diese Anforderungen nicht erfüllen und bekamen das test-Qualitätsurteil „mangelhaft“ – darunter ein Öko-Öl. Dafür war das zweite Bioprodukt im Test der Testsieger. Das heißt: Ökologischer Anbau allein kann nicht sicherstellen, dass das so gewonnene Öl qualitativ optimal ist. Wichtig ist auch die sorgfältige Weiterverarbeitung.

Beispiel Räucherlachs: Die beiden Biolachsprodukte zählten zu den mikrobiologisch „mangelhaften“ des Tests. Und auch in der Sensorik gab es bessere konventionelle Produkte. Mängel bei der Verarbeitung haben offensichtlich dazu geführt, dass sich die zweifelsfrei ökologisch verbesserten Aufzuchtbedingungen nicht in einer besseren Qualität der Handelsware niederschlugen.

Und auch beim Röstkaffee waren die zwei Ökoprodukte nicht von besserer, allerdings auch nicht von schlechterer Qualität als die meisten anderen herkömmlichen Produkte im Test. Das heißt: Auch hier brachten umweltverträglichere Anbaubedingungen im Endprodukt keine sensorischen Vorteile.

Fazit: Ökologischer Landbau, artgerechte Tierhaltung, umweltfreundliche Produktion, naturbelassene Rezeptur – die auf Nachhaltigkeit ausgerichteten ethischen Kriterien der Biokost sind klar. Gegenüber konventionellen Produkten führen sie aber nicht immer zu einer besseren Qualität des Endprodukts, wie unsere Bilanz zeigt.

Offensichtlich müssen insbesondere bei der Verarbeitung und beim Vertrieb der Öko-Lebensmittel noch Anstrengungen unternommen werden, um den im allgemeinen deutlich höheren Preis auch durch ein besonders hochwertiges Endprodukt zu rechtfertigen.

Allerdings ist Qualität ein relativer Begriff. Für viele Menschen gehören zur Qualität auch die ökologische und die sozialverträgliche Produktion sowie andere ideelle, individuell geprägte Aspekte. Diese Kriterien entziehen sich unserer Test-Analytik, die zwangsläufig naturwissenschaftlich ausgerichtet ist und objektivierbar sein muss.

Dieser Artikel ist hilfreich. 751 Nutzer finden das hilfreich.