Die staatliche Förderung für Biostrom macht die neuen Bioenergiefonds für Anleger attraktiv. Doch manche Fondsanbieter haben kaum Erfahrung.

Biogasanlagen gelten als die Energielieferanten der Zukunft. Die Produktion von Gas, Wärme und Strom aus Gülle und nachwachsenden Rohstoffen wird stark gefördert, um Alternativen für Atomstrom, Erdöl und Gas aus Russland zu schaffen.

Der Staat garantiert für Biostrom eine Grundvergütung. Dazu gibt es einen Bonus für die Verwendung nachwachsender Rohstoffe, einen weiteren für die Nutzung der Abwärme aus der Stromerzeugung und einen für den Einsatz neuester Technik.

Anlagenbetreiber, die 2006 alle Boni nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) erhalten, können zwanzig Jahre lang bis zu 20 Cent pro Kilowattstunde kassieren. Diesen Preis müssen regionale Versorger zahlen, wenn die Bioenergie ins Netz eingespeist wird. Dazu gibt es Investitionshilfen für den Bau von Biogasanlagen.

Der junge Markt floriert und lockt Investitionsgesellschaften an. Gleich mehrere haben geschlossene Fonds aufgelegt. Sie werben um privates Geld für den Bau von Anlagen mit Sprüchen wie „Klimaschutz betreiben und dabei auch noch Geld verdienen“. Sobald das Geld für ein Projekt reicht, wird der Fonds geschlossen und es werden keine Anteile mehr verkauft.

Beteiligen können sich Anleger mit Summen zwischen 5 000 und 50 000 Euro plus meist 5 Prozent Gebühr für zehn und mehr Jahre. Ihnen werden die Rückzahlung ihrer Einlage und hohe Renditen zwischen 8 und 18 Prozent pro Jahr in Aussicht gestellt. Gewinne müssen sie als Einkünfte aus einem Gewerbebetrieb versteuern.

Sechs Angebote unter der Lupe

Finanztest hat sechs aktuelle Fondsangebote näher unter die Lupe genommen. Einen guten Eindruck macht der neue MTV III Bioenergie Fonds des Initiators MTV Capital Invest AG in Frankfurt am Main. Dem Initiator liegen bereits Verträge, Genehmigungen und Gutachten für bis zu neun Biogasanlagen südlich von Bremen vor. Zudem übernehmen spezialisierte Firmen den Bau und den Betrieb der Anlagen.

In den Kraftwerken sollen nachwachsende Stoffe wie Mais und Gras zusammen mit Gülle in Energie umgewandelt werden. Da der ins Netz eingespeiste Strom zwanzig Jahre lang garantiert vergütet wird, spricht der Anbieter von einer Rendite, die „sich jährlich auf mehr als 10 Prozent beläuft“. Etwas weniger dürfte es wohl werden, dennoch ist der Fonds attraktiv.

Beim Biogasfonds Cash Cow II des Regensburger Anbieters Aufwind Schmack GmbH sind Finanztest nur die einmaligen ­Kosten übel aufgestoßen: Der Anbieter zieht von der Beteiligung jedes Anlegers erst einmal 35 Prozent für Kosten ab. Nur der Rest der Summe wird investiert.

Der Fonds will bundesweit sechs Biogasanlagen errichten und aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais, Roggen, Weizen und Sonnenblumen Biogas produzieren. Neben dem Strom soll Wärme verkauft werden, um zum Beispiel einen Wohnblock, benachbarte Betriebe und eine Gärtnerei zu heizen.

Die für zwanzig Jahre garantierte Stromvergütung, die hier fast 19 Cent pro Kilowattstunde für alle Anlagen ausmacht, dürfte die hohen Kosten der An­lage kompensieren und sie insgesamt ­wirtschaftlich machen.

Nicht überzeugt ist Finanztest dagegen vom Deutsche Biomassekraftwerk I GmbH (DBK I) in Gröbenzell. Der Fonds plant ein Kraftwerk in Haldersleben, das Strom und Wärme erzeugen soll. Er ist aus dem gescheiterten Fonds Star Hotel Alanya / Türkei hervorgegangen. Kosten aus diesem Fonds seien in den DBK I übergegangen, sagt DBK-1-Geschäftsführer Bruno Aniol. Ein Start mit solchen finanziellen Altlasten schmälert die Gewinnchancen unnötig. Positiv ist die 100-prozentige Kapitalabsicherung der eingezahlten An­legergelder durch die Württembergische Versicherung. Der Fonds hat dort eine Kapitallebensversicherung in Höhe seiner Investitionssumme abgeschlossen.

Allgemeine Risiken

Allen Fonds gemeinsam ist das unternehmerische Risiko. Anleger sind als Mitunternehmer am Gewinn und Verlust beteiligt. Macht die Firma Verluste, haftet der Anleger bis zur Höhe seiner Einlage.

Treten die Verluste erst ein, nachdem der Anleger schon Ausschüttungen des Fonds erhalten hat, muss er diese bis zur Höhe seiner Einlage zurückzahlen. Im schlechtesten Fall endet die Investition mit dem Verlust der Einlage.

Gute von schlechten Fonds zu unterscheiden, ist in einem jungen Markt schwer. Kein Anbieter kann aussagekräftige Leistungsbilanzen vorlegen, weil Biogasfonds erst seit kurzem aufgelegt werden. Einige Gesellschaften wie die DBK I oder die Europäische Bioraffinerie bieten erst seit kurzem Biofonds an und haben kaum Ahnung von der Verwaltung solcher Fonds.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat ihre Prospekte zwar genehmigt. Doch das ist kein Gütesiegel, auch wenn einige Anbieter das im Internet so darstellen. Die Bafin prüft nur die formale Richtigkeit der Prospekte. ­Jeder muss zum Beispiel vor dem Total­verlust der Anlage warnen. Wie groß die ­Gefahr dafür ist, prüft die Bafin nicht.

Fonds mit Alleinherrscher

Die höchste Rendite in unserer Fonds­auswahl stellt die neu gegründete Europäische Bio-Raffinerie GmbH & Co. KG in Göttingen Anlegern in Aussicht: 17, 6 Prozent. Die Gesellschaft will in eine Bioraffinerie mit Labor und zugehörigen Immobilien investieren, die stärkehaltige Saaten zur Energiegewinnung benutzt. Die erzeugte Wärme soll kostengünstig im eigenen Werk eingesetzt werden, der Biostrom an einen Stromversorger verkauft werden. Zudem wird der steuerfreie Kraftstoff Bioethanol hergestellt.

Bereits nach sechs Jahren bekommt der Anleger laut Fondsgeschäftsführer Waldemar Neumüller seine Einlage in voller ­Höhe zurück. Nach der Rückzahlung wird ihm dann eine Mindestverzinsung von zirka 15 Prozent im Jahr versprochen. Diese Verzinsung könne dem Anleger aufgrund der Vergütungen nach dem EEG „immer ausgezahlt“ werden, teilte Neumüller mit.

Das Konzept von Biochemiker Neumüller macht zwar einen guten Eindruck, nicht aber die „Alleinherrschaft“ Neumüllers. Er ist Inhaber des Patents, Lizenzgeber und -nehmer, Initiator, Platzierungsgarant und Geschäftsführer des Fonds. Die ­Firmenadresse ist auch seine Privatadresse.

Neumüller will ordentlich Kasse auf Kosten der Anleger machen. Er erhält ein monatliches Geschäftsführergehalt von 25 000 Euro sowie zusätzlich jährliche Tantiemen von 160 000 Euro bei 100-prozentiger Planerfüllung. Dazu gibts einen Dienstwagen und eine Dienstwohnung.

Lizenzeinnahmen in Höhe von 5 Prozent des Jahresumsatzes stehen ihm zusätzlich zu. Das sind laut Prognose ab 2010 etwa 5 Millionen Euro jährlich. Schließlich hat sich Neumüller auch noch eine Gewinnbeteiligung in Höhe von 60 Prozent seines Kapitals genehmigt, das er nicht bar einzahlt, sondern mit 50 Prozent seiner jährlichen Lizenzeinnahmen und Gewinne bis auf 37,5 Millionen Euro auffüllt.

Unverschämt hohe Kosten

Auch der Metacon Kraftwerk-Fonds Nr. 1 der Metacon Investitions GmbH & Co. KG in Berlin wirkt auf den ersten Blick ­attraktiv. Die unverschämt hohen Kosten von 43,6 Prozent der Beteiligungssumme des Anlegers schrecken jedoch ab.

Was übrig bleibt, steckt der Fonds in ­eine Biogasanlage, die zurzeit in Forst in der Lausitz gebaut wird. Die nach dem EEG voll geförderte Anlage verkauft den Biostrom an einen regionalen Energie­versorger. Dafür wird eine Rendite von 9 Prozent prognostiziert.

Den Prospekt für den Fonds Biomasseheizkraftwerk Taufkirchen / Vils GmbH & Co. KG fanden wir im Internet. Antworten auf unsere Fragen erhielten wir vom Anbieter nicht. Der Fonds investiert in eine Anlage, die durch das Verbrennen von Holz sowohl Strom als auch Wärme erzeugt. Im Rahmen des EEG kann auch dieser Fonds 20 Jahre lang mit festen Einnahmen kalkulieren. Ob das nötige Geld von knapp 4,6 Millionen Euro bereits aufgebracht wurde, teilte die Gesellschaft nicht mit. Negativ aufgefallen sind uns die mit 8,72 Prozent pro Jahr extrem hohen laufenden Kosten dieses Fonds. Weder einen Prospekt noch eine Antwort schickte die Heidelberger EC Bioenergie GmbH bis zum Redaktionsschluss. Sie fiel deshalb beim Risikocheck durchs Raster.

Mögliche Renditekiller

Riskant sind die Fonds alle, vor allem weil die Branche so jung ist. Die Kosten für die Technik, den Betrieb und die Wartung der Anlagen könnten falsch kalkuliert sein. Dasselbe gilt für die Kosten der nachwachsenden Rohstoffe, die Gülle und die Ver­arbeitung von Reststoffen und Dünger.

Doch die garantierte Vergütung für die Stromeinspeisung ist so hoch, dass seriös kalkulierte Fonds mit vernünftigen Rückstellungen sogar einige Planungsfehler kompensieren können.

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