Billigvorwahl 3 800 Prozent teurer

2
Billigvorwahl - 3 800 Prozent teurer
Die 74-jährige Helga Fischer will ihre rasant gestiegene Telefon­rechnung zurück­weisen. Sie hat einen Anwalt mit der Prüfung beauftragt. © Fotolia

Monate­lang war die 0 10 17 eine besonders güns­tige Vorwahl für Fern­gespräche. Plötzlich fiel die Tarif­ansage weg.

Billige Vorwahl. Helga Fischer aus Grainau in Bayern telefoniert fast täglich mit der Verwandt­schaft in Österreich. „Einmal im Monat rufe ich auch meine Freundin in Australien an.“ sagt die Seniorin. Mit der Vorwahl 0 10 17 der Discount Telecom S&V GmbH war das lange Zeit besonders günstig. Eine Minute Fern­gespräch kostete nur 2,6 Cent. Kundenfreundlich wies der Anbieter vor jedem Telefonat auf den Preis hin. Im Januar 2011 zahlte die Grainauerin nur 2,85 Euro für ihre Gespräche ins Ausland.

Gepfefferte Rechnung. Seit dem 14. März schaltete Discount Telecom plötzlich keine Tarif­ansage mehr. Das ignorierte Helga Fischer. Sie telefonierte weiter mit der Vorwahl. So bekam sie auch nicht mit, dass der Anbieter gleich­zeitig den Minuten­preis auf 95 Cent für Australien und Österreich erhöhte. Das ist das 38-Fache im Vergleich zum vorherigen Preis. Die Seniorin wunderte sich über ihre hohen Rechnungen, schrieb das aber ihrem eigenen Telefon­verhalten zu. Erst als sie sich die Oktober­rechnung genauer ansah, fiel ihr auf, dass sie für ihre üblichen 0 10 17-Fern­gespräche jetzt 187,06 Euro zahlte.

Freiwil­lige Tarif­ansage. Eine Tarif­ansage ist keine Pflicht. Der Bundes­verband der Verbraucherzentralen fordert dies schon seit langem, doch die Reform des Tele­kommunikations­gesetzes, das auch eine Preis­ansage vor Call-by-Call-Gesprächen vorschreibt, lässt auf sich warten. Über die aktuellen Preise informiert Discount Telecom die Kunden allerdings auf der eigenen Internetseite.

Offener Streit. Helga Fischer hat einen Anwalt beauftragt, die Rechnung zu prüfen. Eine Erhöhung um 3 800 Prozent hält er für sittenwid­rig, insbesondere wenn gleich­zeitig die Tarif­ansage wegfällt:„Die Wucher­grenze liegt bei 150 Prozent.“

Tipp: Orientieren Sie sich bei der Suche nach einer Billigvorwahl am Telefonnavigator. Wir nennen nur Anbieter mit Tarif­ansage oder Anbieter, die ihre Preise stabil halten.

2

Mehr zum Thema

  • Reiserecht Diese Regeln gelten für Pauschal­reisen

    - Pauschal­urlauber sind recht­lich gut abge­sichert. Das Pauschal­reiserecht schließt Indivi­dualreisende unter bestimmten Umständen ein. Die wichtigsten Regeln.

  • Textilsiegel im Test Wegweiser für nach­haltige Kleidung

    - Fünf Textilsiegel im Test, die für Umwelt­schutz und bessere Arbeits­bedingungen in der Textilbranche stehen. Der Check der Stiftung Warentest zeigt große Unterschiede.

  • Ungebetene Anrufe Neuen Strom­vertrag unterge­schoben

    - „Preis­garantie: Wir sind 10 Prozent billiger.“ Mit solchen Versprechen lotsen ungebetene Anrufer Strom­kunden in teure Verträge. Oft täuschen sie vor, vom aktuellen...

2 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 19.01.2012 um 11:04 Uhr
Prozentrechnung

@npatzschke: Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben unsere Berechnung geprüft und festgestellt, dass wir auf der Grundlage eines Minutenpreises von 2,5 Cent gerechnet haben. Wie Sie richtig ausführen, hat sich der Preis bei einem Minutenpreis von 2,6 Cent um 3554 Prozent erhöht. Wir bedauern das Versehen.

npatzschke am 11.01.2012 um 23:43 Uhr
Prozentrechnung

Bei der Berechnung der Erhöhungsrate ist Ihnen ein kleiner Rechenfehler unterlaufen. Wenn eine Minute Ferngespräch vor der Erhöhung 2,6 Cent und nach der Erhöhung 95 Cent kostet ist das eine Erhöhung um 3 554 Prozent und nicht um 3 800 Prozent, was immer noch eine große Zahl ist.