Billighotels Test

In der Krise steigt die Nachfrage nach günstigen Hotels. Wir haben untersucht, wer am meisten bietet: Budget-Hotels, Hostels, Jugendherbergen oder CVJM-Häuser?

Billige Betten boomen. Während die Auslastung in Luxushotels einbricht, zieht die Nachfrage bei günstigen Herbergen an. Es gibt viele Möglichkeiten, sein Haupt für wenig Geld zu betten. Wir haben sechs Budget-Hotel- und zwei Hostel-Ketten untersucht, außerdem exemplarisch je drei Jugendherbergen und Häuser des CVJM (Christlicher Verein Junger Menschen). Als Ziele wählten wir für Kurzreisen beliebte Städte wie Berlin, Köln und München.

Ibis ganz vorn, Formule 1 ganz hinten

Billighotels Test

Das beste Frühstück bietet Ibis. Mit 10 Euro ist es aber auch am teuersten.

Der mit weltweit über 4 000 Häusern größte Hotelkonzern Europas Accor ist auch im preiswerten Bereich stark vertreten. Die Accor-Marken Ibis, Etap und Formule 1 unterscheiden sich aber beträchtlich. In unserem Test belegen sie sowohl den ersten (Ibis) als auch den letzten Platz (Formule 1). Während die Ibis-Hotels mit ihren ordentlichen Zimmern und dem in diesem Segment „sehr guten“ Frühstück auch etwas anspruchsvollere Gäste zufriedenstellen, dürften die Formule-1-Häuser, die meist am Stadtrand in Autobahnnähe liegen, selbst für genügsame Monteure nur ein Minimalangebot darstellen. Hier wirkt wirklich alles billig: die ungemütlichen Zimmer, die engen Toiletten und Duschen auf dem Gang, die mit einem Selbstreinigungsmechanismus ausgestattet sind, und das karge Frühstück. Dafür bekommt man das Zimmer auch schon ab 27 Euro pro Nacht, für das Frühstück werden 4 Euro pro Gast berechnet.

Die drei besten Budget-Hotels

In den besten Budget-Hotels – preisgünstige Häuser mit reduziertem Service – muss wesentlich mehr gezahlt werden. Dafür bieten Ibis, Express by Holiday Inn und Motel One aber auch deutlich mehr Komfort. Die freundlich und modern eingerichteten Zimmer sind zwar nicht besonders groß, verfügen aber über alles Notwendige, ebenso die funktionalen Badezimmer.

Dass ein Niedrigpreishotel nicht billig aussehen muss, zeigt zum Beispiel Motel One. Die derzeit 21 Häuser der Kette bieten einen einheitlichen Markenauftritt mit hochwertigen Materialien und einem modernen Design. Dazu gehören bequeme Betten, Flachbildfernseher, Granitwaschtische und Regenschwallduschen. Einen Schrank sucht man aber vergebens. Für die Kleidung gibt es eine Stange mit ein paar Bügeln. Da die meisten Gäste aber nur ein bis zwei Tage bleiben, ist das kein großer Mangel. Ein Telefon gibt es in den Zimmern auch nicht, was ebenfalls hinnehmbar ist.

Andererseits können scheinbar weniger wichtige Zusatzangebote den Gesamteindruck eines Hotels positiv beeinflussen. Dazu gehören zum Beispiel die kostenlose Internetnutzung und WLan auf den Zimmern, Bioprodukte zum Frühstück, Was­serko­cher, gratis Tee und Kaffee.

B & B angenehm, Etap wirkt billiger

B & B- und Etap-Hotels sind etwas einfa­cher als die Testsieger. Die Zentralen dieser Ketten befinden sich in Frankreich. Dort spielt die Budget-Hotellerie eine viel größere Rolle als bei uns. In Deutschland zählen nur 8 Prozent aller Hotels zu diesem Segment, in Frankreich 57 Prozent. Auch wenn B &B verspricht, trotz günstiger Preise Stil und Qualität nicht zu vernachlässigen, kommen die Häuser doch etwas schlichter daher. Die frischen Farben und das helle Mobiliar hinterlassen aber einen angenehmen Eindruck. Die Etap-Zimmer wirken dagegen billiger und weniger einladend, auch wenn der knappe Raum sehr zweckmäßig genutzt wird. Attraktive öffentliche Räume, etwa eine Bar oder eine Lounge, gibt es weder bei B &B noch bei Etap. Die Häuser liegen häufig auch in Stadtrandlagen.

Hostels: Nicht nur für Backpacker

Die Zeiten, in denen Hostels ausschließlich billige Unterkünfte für anspruchslose Rucksacktouristen waren, sind längst vorbei. Heute bilden Einzelreisende, Familien und sogar Geschäftsleute einen Großteil der Gäste. Daneben gibt es aber immer noch billige Betten in Schlafsälen (dorms) für Backpacker. Was den Komfort betrifft, können manche Hostels durchaus auch mit den besseren Budget-Hotels konkurrieren, zum Beispiel das Meininger am Senefelderplatz in Berlin. Allerdings bieten die getesteten Hostels kein völlig einheitliches Bild. So wirken manche ältere Häuser etwas abgenutzt und die Gefahr von Lärmbelästigungen kann hier aufgrund der dünnen Wände und Türen deutlich höher sein.

Die Onlinebuchung bei Budget-Hotels und Hostels ist meist problemlos, versteckte Kosten gibt es nicht. Nur das Hostel A &O fällt negativ auf. Hier ist, ähnlich wie bei Billigfliegern, der Stornoschutz für fünf Euro voreingestellt und muss, wenn nicht gewünscht, deaktiviert werden.

Jugendherbergen

Das Angebot der 548 Jugendherbergen in Deutschland ist sehr unterschiedlich. Während das Münchner Haus in unserer kleinen Auswahl mit Stockbetten und Duschen auf dem Flur wenig einladend wirkt, bietet die neue Herberge in Köln-Deutz einen modernen Hotelkomfort. Jugendherbergen öffnen sich zwar schon seit langem Einzelreisenden, sie werden in erster Linie aber von Schulklassen und Jugendgruppen besucht. Nächtliche Ruhestörungen können deshalb nicht ausgeschlossen werden.

Besonders günstig sind die Jugendunterkünfte für Alleinreisende allerdings nicht. Außerdem muss man auch Vereinsmitglied sein, was für Erwachsene ab 27 Jahre und Familien jährlich 21 Euro kostet.

Gästehäuser des CVJM

Noch relativ wenig bekannt sind die Gästehäuser des CVJM. Die Betriebe, teils Jugendgästehäuser, teils Hotels, arbeiten alle selbstständig und bieten einen sehr unterschiedlichen Standard. Die Skala reicht von sehr einfach, das heißt kleine Zimmer und Sanitäreinrichtungen auf dem Flur (im Jugendgästehaus München), bis zu einem guten Hotelkomfort (in Düsseldorf). Die Atmosphäre in den Häusern in Berlin und in München wird durch den christlichen Verein geprägt, ebenso die Hausordnung: Unverheiratete Paare bekommen in München kein Doppelzimmer.

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