Billigflüge Test

Einige Billigflieger sind in letzter Zeit teurer geworden. Mehr Service gibt es dafür aber nicht. Schnäppchenpreise bieten auf Dauer nur Ryanair, Easyjet und Germanwings.

Das Discountprinzip, kleine Preise und abgespeckter Service, ist nicht nur am Boden erfolgreich, auch am Himmel setzt es sich immer mehr durch. Wenn mit Flugpreisen von 19 Euro geworben wird, lassen sich auch Bodenständige zu einer Flugreise überreden. Im vergangenen Jahr haben rund 42,5 Millionen Deutsche einen Billigflieger be­stie­gen. Das sind 29 Prozent mehr als 2005. Damit umfasst das Niedrigpreissegment laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Verkehrsflughäfen (ADV) schon fast ein Viertel des deutschen Flugmarkts.

Europäischer Marktführer mit 5 500 Starts im Monat und 754 Strecken ist Ryan­air. Der irische Billigflieger befördert seine Kunden regulär schon für 20 Euro beispielsweise von Bremen nach London und zurück. Außer dem reinen Transport darf man aber nichts erwarten. Bequemlichkeit und Service sind bei Ryanair dem Rotstift zum Opfer gefallen.

Ein ähnlich pures Niedrigpreiskonzept verfolgt Easyjet. Die britische Airline arbeitet ebenfalls mit einer schlanken Kostenstruktur und liegt preislich nur geringfügig höher als Ryanair. Von den deutschen Gesellschaften kann gerade noch Germanwings mithalten. Die Geschäfts­mo­delle von Air Berlin und Condor weichen vom strengen Niedrigpreisprinzip dagegen erheblich ab. Sie bieten einen guten Service, den der Kunde aber mit deutlich höheren Preisen bezahlt.

Billigflieger gegen große Airlines

Billigflüge Test

So viel kosteten die Flüge im Durchschnitt 120 bis 10 Tage vor Abflug.

So viel kosteten die Flüge im Durchschnitt 120 bis 10 Tage vor Abflug.

Der Erfolg der Billigflieger ist an den großen Linienfluggesellschaften (Netzcarrier) nicht spurlos vorbeigegangen. Mit ihrem weltweiten Streckennetz können sie kostenmäßig zwar nicht mit den Billigfliegern konkurrieren, auf einigen Europastrecken kontern sie dennoch mit interessanten Schnäppchenpreisen. Den Service haben sie in den vergangenen Jahren freilich auch deutlich reduziert.

Wir haben sowohl die Billigheimer als auch die großen Fluggesellschaften gegeneinander antreten lassen. Die Auswahl ergab sich durch die sechs festgelegten Flugziele: von Deutschland nach London, Madrid, Palma de Mallorca, Paris, Rom und innerhalb Deutschlands nach Berlin. In der Testauswahl landeten schließlich sechs große Billigairlines und fünf Linienfluggesellschaften.

Mit Service doppelt so teuer

Unsere Tester haben bei den ausgewählten Airlines jeweils sechs Flüge gebucht. Drei davon haben sie storniert, die anderen drei umgebucht und dann in Anspruch genommen. Parallel dazu haben wir über einen Zeitraum von vier Monaten die Preise erhoben. Dabei erfassten wir sowohl die Höhe der Ticketpreise als auch die Preisschwankungen in Abhängigkeit vom Buchungszeitpunkt.

Auf einen kurzen Nenner gebracht, lautet das Ergebnis: Es gibt billige Fluggesellschaften, die kaum Service bieten, und es gibt solche mit gutem Service, die aber im Durchschnitt mindestens doppelt so teuer sind. Da jeder Fluggast selbst entscheidet, welcher Variante er den Vorzug gibt, haben wir auf test-Qualitätsurteile verzichtet. Die Reihenfolge in der Tabelle ergibt sich aus dem Gruppenurteil „Preisniveau und -verfügbarkeit“.

Am billigsten fliegt man, keine Überraschung, mit Ryanair und Easyjet. Bei den deutschen Airlines liegt Germanwings vorn. Tuifly, Air Berlin und besonders Condor verlangen deutlich mehr für ihre Flugtickets.

Früh zu buchen lohnt sich nach wie vor (siehe Grafik). Der Preisanstieg über vier Monate ist bei den Billigfliegern aber relativ moderat, einen Monat vor Abflug geben die Preise oft sogar noch einmal nach. Bei den Linienfluggesellschaften schießen sie dagegen kurz vor Abflug stark in die Höhe, Spätbucher werden hier mit hohen Aufschlägen bestraft.

Preise im Aufwind

Verglichen mit unserem letzten Test (2/05: siehe Billige Flugreisen) haben die Preise bei einigen Billigfliegern stark angezogen. Während Easyjet sein Preisni­veau etwa halten konnte und Germanwings sowie Ryanair sogar etwas billiger geworden sind, kostet ein Rückflugticket bei drei Billigfluggesellschaften heute im Durchschnitt deutlich mehr: Condor plus 87 Euro, Air Berlin plus 76 Euro und Tuifly plus 70 Euro.

Unschöne Bedingungen

Bei den großen Airlines sind die Preise dagegen oft gefallen. Der Rückgang ist jedoch meist dar­auf zurückzuführen, dass der Anteil extrem hoher Preise – Tickets für über 1 000 Euro – verringert wurde.

Billigtickets werden häufig mit unschönen Bedingungen verkauft. Wer zum Beispiel nicht fliegen kann, etwa weil der Arbeitgeber eine Urlaubssperre verhängt hat, guckt meist in die Röhre. Er muss nicht nur Storno bezahlen – Sondertarife sind sogar mit Stornokosten bis zu 100 Prozent erlaubt –, sondern sieht auch die Steuern und Gebühren mitunter nicht wieder. Dabei müssen sie immer zurückgezahlt werden. Einige Fluggesellschaften stecken sich dieses Geld, das häufig mehr als die Hälfte des Ticketpreises ausmacht, dreist ein. Air Berlin, Ryanair, Easyjet und Germanwings behaupten, dass eine Stornierung nicht möglich sei und zahlen nichts zurück. Das ist „mangelhaft“ und zudem rechtswidrig.

Andere zahlen Steuern und Gebühren zwar zurück, aber nur, wenn sich der Kunde telefonisch an die Airline wendet. Eine Internet-Stornierung gibt es meist nicht. Verbraucherfreundlich sind beim Stornieren nur Condor und British Airways.

Umbuchen ist oft auch keine Lösung. Denn das kostet 25 bis 60 Euro pro Strecke, also genauso viel wie ein günstiges Ticket. Einige Billigairlines bieten aber die Umschreibung auf eine andere Person an. Die Konditionen sind ähnlich wie beim Umbuchen (siehe Tabelle), nur Ryanair verlangt dafür unverschämte 130 Euro.

Entgegen der Praxis beim Stornieren hat die juristische Prüfung des Kleinge­druckten kaum Beanstandungen ergeben. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen sind heute im Gegensatz zu unserem letzten Test weitgehend korrekt.

Problemlos verlief das Buchen im Internet und das Bezahlen der Tickets. Erfreulich: Alle Airlines bieten mittlerweile eine kostenlose Zahlungsmöglichkeit an, häufig Bankeinzug. Dass Condor, Easyjet, Germanwings, Ryanair und Tuifly ihren Kunden im Internet eine Versicherung unterjubeln wollen, die weggeklickt werden muss, zeugt allerdings nicht gerade von Seriosität. Nichts gegen ein solches Angebot, aber der Kunde soll bitteschön selbst entscheiden, ob er es haben will.

Service wird klein geschrieben

Wer ein Rückflugticket für 50 Euro bekommt, fragt kaum nach gutem Service. Den bekommt er meist auch nicht. Um die Kosten niedrig zu halten, verzichten die Gesellschaften auf alles, was nicht unbedingt notwendig ist. Ryanair hat das Sparen geradezu perfektioniert. Das fängt schon bei den Flughäfen an. Traditionelle Airports findet man bei der irischen Fluggesellschaft höchst selten. Um Flughafengebühren zu sparen, werden kleine, oft etwas abgelegene Airports angeflogen, etwa Beauvais statt Paris, Weeze statt Düsseldorf oder Hahn im Hunsrück statt Frankfurt/Main. Der ehemalige Militärflughafen Hahn führt zwar auch Frankfurt im Namen, liegt von der hessischen Metropole aber rund 125 Kilometer entfernt.

Bordkarten mit Sitzplatzzuweisung haben die billigsten Anbieter ebenso gestrichen wie oft den bequemen Zugang zum Flugzeug über eine Flugbrücke („Finger“). Vor allem bei Ryanair, aber auch bei anderen Fluggesellschaften müssen die Passagiere häufig zum Flugzeug gehen, was bei Regen und Wind kein Vergnügen ist. Gegen die freie Platzwahl an Bord ist grundsätzlich zwar nichts einzuwenden, doch sie verursacht häufig eine unangenehme Hektik und Drängelei.

Sardinenbüchsengefühl

Hat man endlich Platz genommen, beschleicht einen nicht selten ein Sardinenbüchsengefühl. Denn die Billig-Airlines schrauben die Sitze äußerst eng hintereinander, um die Kapazität voll auszunutzen. Bei Easyjet und Ryanair lassen sich zudem die Rückenlehnen der Sitze nicht mehr verstellen. Unsere Tester attestierten ihnen zusammen mit Germanwings den schlechtesten Sitzkomfort.

Möglicherweise müssen die Fluggesellschaften die Reihen in ihren Flugzeugen schon bald etwas lichten, denn die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) hat angekündigt, dass künftig ein Mindestabstand zwischen den Flugsitzen vorgeschrieben werden könnte. Damit soll der wachsenden Thrombosegefahr begegnet werden. Sie entsteht durch das eingezwängte Sitzen im Flugzeug und wird immer mehr zum Problem.

Beim Bordservice knausern alle Airlines, mal mehr, mal weniger. Bestenfalls bieten sie den Fluggästen eine Tageszeitung, einen kleinen Snack und eine gewisse Auswahl an Getränken an. Bei den Preisführern gibt es ohne Geld gar nichts. Wer etwas essen und trinken will, muss zahlen: Ein Sandwich kostet zwischen 3 und 5 Euro, ein Kaffee etwa 2,50 Euro. Wer sich beispielsweise bei Ryanair eine Mahlzeit an Bord leistet, bekäme für das gleiche Geld locker ein weiteres Ticket.

Das Kabinenpersonal war in der Regel kompetent und freundlich. Nur Ryanair muss man hier wieder ausnehmen. Auf zwei Testflügen, beide leicht verspätet, drängten die gestressten Flugbegleiter die Gäste derart schroff und unfreundlich auf ihre Plätze, dass sie sich fast wie auf einem Viehtransport vorkamen.

So mancher Fluggast würde wohl gern etwas mehr zahlen, wenn er eine Airline fände, die Pünktlichkeit garantiert. Doch die gibt es nicht. Schon die Wetterabhängigkeit des Luftverkehrs steht dem entgegen. Nach der Statistik der Association of European Airlines (AEA) waren rund 80 Prozent der Kurz- und Mittelstreckenflüge der 30 Mitglieder, zu denen jedoch kein großer Billigflieger gehört, im ersten Quartal 2007 pünktlich. Verspätungen bis zu 15 Minuten werden dabei nicht berücksichtigt. Alitalia, Iberia und Lufthansa liegen danach im Mittelfeld, Air France ist mit rund 85 Prozent etwas besser und British Airways mit etwa 73 Prozent deutlich schlechter. Die englische Website www.flightontime.info nennt für Ryanair und Easyjet noch schlechtere Werte (70 beziehungsweise 66 Prozent für 2006), allerdings gelten die nur für britische Airports. Interessanterweise kann man hier sehen, dass sich die Pünktlichkeit in den letzten Jahren verschlechtert hat.

Kein Wunder, denn in den extrem optimierten Abläufen der Billigflieger ist kaum Platz, um Verspätungen auszugleichen. Die Maschinen sind täglich bis zu zwölf Stunden in der Luft, für Start und Landung werden in der Regel nur 30 Minuten eingeplant. Wenn sich ein Flug am Morgen stark verspätet, kann das im Laufe des Tages kaum wieder wettgemacht werden.

Billigflieger sparen an allem, nur nicht an der Sicherheit – das betonen sie jedenfalls unisono. Angesichts der hohen Sicherheitsstandards in Deutschland und Europa und der strengen Kontrollen durch das Luftfahrtbundesamt (LBA) kann man dem durchaus Glauben schenken. Bei den getesteten Niedrigpreisgesellschaften sind in puncto Sicherheit bisher keine Probleme bekannt geworden; in Unfallstatistiken tauchen sie nicht auf.

Die Billigflieger wollen weiter stark wachsen. Ryanair und Germanwings haben ihre Flugzeugflotte gegenüber unserem letzten Test vor zwei Jahren fast verdoppelt und Easyjet ist um rund ein Drittel gewachsen. Andere schließen sich zusammen. So wurden Hapag Lloyd Express und Hapagfly zu Tuifly. Das ganz große Rad dreht Air Berlin. Durch die Übernahme von DBA und den geplanten Kauf von LTU ist sie zur viertgrößten Airline in Europa aufgestiegen. Der nächste Übernahmekandidat könnte Condor sein. Eine Kooperation gibt es schon. Größe führt aber offenbar zu höheren Kosten. Air Berlin hat bei den Preisen im Schnitt schon fast Lufthansa-Niveau erreicht.

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