Umweltbelastung durch Fliegen: Flugverkehr kontra Klimaschutz

Kohlendioxid ist nicht alles: Billige Tickets verführen zum Fliegen. Im vergangenen Jahr reisten 65,7 Millionen Passagiere von deutschen Flughäfen aus in andere Länder, 1990 waren es 24,2 Millionen, teilte das Statistische Bundesamt kürzlich mit. Das Fluggastaufkom­men ist innerhalb von 16 Jahren auf das Zweiein­halbfache gestie­gen – und damit auch die Umweltbelas­tung. Der globale Luftverkehr ist zwar nur für zwei bis drei Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich, doch Stickoxide, die zum Aufbau von Ozon führen, kommen hinzu. Außerdem erzeugt der aus den Triebwerken emittierte Wasserdampf Kondensstreifen und Zirruswolken, die zur Erderwärmung beitragen. „Die Klimawirkung des Flugverkehrs“, sagt Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes, „ist mindestens dreimal stärker als die vergleichbare Emission am Boden.“

Besteuerung gefordert: Umweltverbände fordern schon lange, den Flugverkehr zu besteuern. Nur so werde weniger geflogen und klimaschädliches CO2 verringert. Zurzeit zahlen die Fluggesellschaf­ten keine Steuer auf den Treibstoff (Kerosin) und sie müssen keine Mehrwertsteuer für Tickets bei grenzüberschreitenden Flügen abführen. Ab 2010 will die Euro­pä­ische Kommission den Flugverkehr in das Europäische Emissionshandelssystem einbeziehen. Wenn Fluglinien mehr Emissionen verursachen, als ihnen Zertifikate zugestanden werden, müssten sie Emissionszertifikate hinzukaufen. Später sollen auch die Flüge zwischen EU-Staaten und Nicht-EU-Staaten einbezogen werden.

Die Luftfahrtverbände begrüßten das, fordern jedoch eine gerechte Lösung und verweisen auf andere Strategien zur Minderung des CO2-Ausstoßes. An erster Stelle stünden ein geringerer Treibstoffverbrauch und die schnelle Einführung des einheitlichen europäischen Luftraums, der allein Kerosineinsparungen von bis zu zwölf Prozent ermögliche. Experten gehen davon aus, dass dadurch jeder Flug um 50 Kilometer verkürzt werden könnte.

Was Passagiere tun können: Sie haben die Möglichkeit, für die von ihnen verursachten Klimagase zu bezahlen und damit einen Emissionsausgleich zu finan­zieren. Die Anbieter von Ausgleichsprojekten, zum Beispiel die Umweltfirma atmosfair, investieren das Geld in Solar-, Wasserkraft- oder Biomasseprojekte, die etwa die gleiche Menge Kohlendioxid einsparen. Der Ausgleich für ein Hin- und Rückflugticket Berlin–New York kostet zum Beispiel 84 Euro (siehe: Klimaschutzagenturen).

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