Billigflieger Test

Einige Billigflieger tricksen immer noch bei der Preisangabe. Und Geld bei einem stornierten Flug zurückzubekommen, war oft mühsam oder nicht möglich.

Kommt nach dem Höhenflug der Absturz? Die Konjunkturkrise hat die Fluggesellschaften voll erwischt. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung sanken die Flugbewegungen im vierten Quartal 2008 um knapp 5 Prozent. Der Passagierverkehr, so die Prognose des Flughafenverbandes ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen), wird 2009 um mindestens 3 Prozent schrumpfen.

Viele Airlines, vor allem die Billigflieger, versuchen mit ständigen Sonderaktionen gegenzusteuern. Einige scheuen auch vor Tricksereien nicht zurück, um den Kunden noch ein paar Euro mehr abzuknöpfen. Seit November fordert eine EU-Verordnung aber strikte Preistransparenz. In der Werbung und beim Buchen im Internet müssen Endpreise stehen, die den Flugpreis, Steuern, Flughafen- und Sicherheitsgebühren sowie Kerosinzuschläge enthalten. Variable Zusatzkosten wie Gepäckgebühren müssen zum Buchungsbe­ginn angekündigt werden. Um zu verhindern, dass sie den Kunden untergeju­belt werden, verbietet die Verordnung, dass solche Posten bei der Buchung bereits voreingestellt sind. Der Verbraucher soll sie nicht wegklicken müssen, sondern aktiv bestellen.

Per Salamitaktik ans kleine Geld

Als wir im November die Flüge für diesen Test buchten, stellten wir fest, dass sich viele Billigflieger wenig um die neuen Vorschriften scherten. Da waren Versicherungen weiterhin voreingestellt (Condor, Easyjet, Germanwings, Ryanair), bei Easyjet auch noch die Gepäckkosten und bei Ry­anair eine Gebühr für bevorzugtes Einsteigen. Air Berlin kündigt eine Servicegebühr von bis zu 15 Euro zwar an, aufgeschlagen wird sie aber erst beim vierten Buchungsschritt. Die Billigflieger blieben also ungerührt bei ihrer Salamitaktik, die zunächst mit einem günstigen Preis lockt, der beim Buchen nach und nach durch Zusatzgebühren aufgestockt wird. Genau das wollte der Gesetzgeber aber verhindern.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat aus diesem Grund mehrere Fluggesellschaften abgemahnt. In unserem Test erhielten vier Airlines ein „Mangelhaft“ im Prüfpunkt Preistransparenz.

Zehn Airlines unter der Lupe

Wir haben zehn Fluggesellschaften unter die Lupe genommen, darunter Billigflieger und Netzcarrier. Die Auswahl ergab sich durch die festgelegten Flugziele: von Deutschland nach Barcelona, London, Paris, Rom, Wien oder Palma de Mallorca sowie innerhalb Deutschlands nach Berlin. Während die Billigflieger nur Punkt-zu-Punkt-Verbindungen anbieten, betreiben die Netzcarrier weltweite Streckennetze.

Um den Buchungsablauf zu beurteilen, haben wir bei allen Gesellschaften jeweils drei preisgünstige Flüge gebucht, um sie später umzubuchen und schließlich zu stornieren. Außerdem haben wir die Webseiten analysiert und die Geschäftsbedingungen begutachtet. Parallel dazu fand eine Preiserhebung über mehrere Wochen statt, um herauszubekommen, wie sich die Ticketpreise bei näher rückendem Abflugtermin verändern. Geflogen sind wir diesmal nicht. Dafür haben wir im Internet eine Leserbefragung durchgeführt, bei der uns über 1 100 Teilnehmer ihre Flugerfahrungen geschildert haben.

Trotz Werbepreiskosmetik: Reisende kön­nen immer noch günstig fliegen. Ryanair und Easyjet sind nach wie vor die Billigheimer der Branche. Für Hin- und Rückflug bieten beide mit Durchschnittspreisen von 144 beziehungsweise 166 Euro die mit Abstand günstigsten Flugpreise – auch mit Gepäck. Rund die Hälfte der Preise wurde inklusive Koffer erhoben, was bei Easyjet und Ryanair immerhin mit 11 und 15 Euro und bei Germanwings mit 5 Euro pro Strecke zu Buche schlägt.

Frühbucher fliegen billiger

Billigflieger Test

Auch eine andere alte Erkenntnis hat sich wieder bewahrheitet: Frühes Buchen lohnt sich. Bis auf eine Ausnahme steigt der Ticketpreis bei allen Airlines einen Monat vor dem Abflugtermin deutlich an – besonders bei Air France, British Airways und Lufthansa. Nur bei Condor blieb der Preis nach Mallorca über den gesamten Zeitraum fast gleich, allerdings auf einem recht hohen Niveau (siehe Grafik).

Obwohl wir diesmal etwas anders vorge­gangen sind, ist ein Vergleich mit unserem letzten Test Billigflüge 08/2007 interessant. Danach ist die Spitzengruppe bei der Preisbewertung gleich geblieben: Ryanair, Easyjet und Germanwings. Einen deutlichen Sprung nach vorn machte Iberia. Einfache Erklärung: Wir hatten diesmal nicht die Hauptstadt Madrid, sondern Barcelona als Ziel ausgewählt. Flüge zur Metropole am Mittelmeer bietet Iberia in Kooperation mit der Billig­airline clickair an, was den Preis nach unten gedrückt hat.

Beim Umbuchen wird es teuer

Wer aus persönlichen Gründen seinen Flug nicht antreten kann, muss das Geld für das Billigticket weitgehend in den Wind schreiben. Er kann zwar bei vielen umbuchen, nur lohnt es sich oft nicht. Die Airlines kassieren oft 25 bis 30 Euro pro Strecke als Um­buchungsgebühr – für Hin- und Rückflug macht das 50 bis 60 Euro. Außerdem muss man die Differenz zahlen, wenn der neue Flugpreis teurer ist. Umgebucht werden kann meist online oder per E-Mail, bei Iberia und Lufthansa wird man ans Servicetelefon verwiesen. Bei Air France konnten wir die Billigtickets nicht umbuchen.

Bei einigen Billigairlines ist es möglich, die Tickets auf eine andere Person umschreiben zu lassen. Dafür berechnen sie ähnliche Gebühren wie beim Umbuchen. Bei Ryanair dürfte es sich aber eher um ein theoretisches Angebot handeln, denn bei einer Umschreibungsgebühr von 100 Euro pro Person ist eine neue Buchung meist günstiger (siehe „Testtabelle: Billige Flüge“).

„Stornieren ist fast schon eine Strafe“

Wer den Flug storniert, muss auf jeden Fall Steuern und Gebühren zurückgezahlt bekommen. Einige Airlines wollen das aber offen­bar verhindern. So sucht man klare Infor­mationen zum Stornieren auf vielen Webseiten vergeblich. Der Kunde muss stattdessen eine kostenpflichtige Servicenummer anrufen, um dort manchmal zu er­fahren: Die Rückerstattung von Steuern und Gebühren ist schriftlich zu beantragen. Mit­unter wird sie erst bearbeitet, wenn der betref­fende Flug stattge­funden hat. Ryanair und Easyjet haben uns trotz großer Hartnäckigkeit der Tester keinen Cent zurückerstattet.

Und selbst wenn man Steuern und Gebühren rückerstattet bekommt, wird ein Teil davon durch die Bearbeitungsgebühren aufge­fressen. Bei einem stornierten Flug überwies uns Germanwings ganze 48 Cent, und das 79 Tage nach der Stornierung. Kein Wunder, wenn sich viele Betroffene fragen: Wozu der ganze Aufwand? Ein Tester fasste seine Erfahrungen so zusammen: „Buchen ist einfach, Umbuchen schwieriger und Stornieren fast schon eine Strafe.“

Viele unwirksame Klauseln

Ärgerlich ist auch das Ergebnis der juristischen Prüfung des Kleinge­druckten, der allgemeinen Geschäftsbedingungen also. Alle Airlines verwenden Klauseln, mit denen sie die Position der Kunden unerlaubt verschlechtern – besonders häufig bei Ryanair, Germanwings, Iberia und Air France.

Die Verstöße betreffen oft Klauseln, in denen es um Preiserhöhungen, Flugänderungen, Haftungsansprüche, Datenschutz und Gebühren geht. Die Lufthansa verwendet unbeirrt eine Klausel, die schon von mehreren Gerichten als unwirksam eingestuft wurde. Danach soll ein Flugschein seine Gültigkeit verlieren, wenn die Flugkupons nicht in der vorgesehenen Reihenfolge genutzt werden. Die Lufthansa will damit das sogenannte Überkreuzbuchen verhindern, womit Passagiere teurere Preise umgehen, indem sie zwei Flugscheine mit Mindestaufenthaltszeit erwerben und von jedem nur eine Strecke benutzen. Bei Air France, British Airways und Iberia haben wir diese unwirksame Klausel ebenfalls entdeckt.

Wer preiswert fliegen will, erwartet keinen besonderen Service. Die große Mehrheit der Teilnehmer an unserer Umfrage wünscht sich vor allem günstige Tickets, eine Airline, die auf Sicherheit Wert legt, sowie Pünktlichkeit. Auf kostenlosen Bordservice, bevorzugtes Einsteigen und Bonusprogramme legen die meisten keinen Wert.

„Es macht keinen Spaß“

Dass das Fliegen mit einer Billigairline nicht unbedingt ein Vergnügen ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Für Missvergnügen sorgen häufig das Gedränge bei der Platzsuche, enge Sitze, die sich teilweise nicht verstellen lassen und nervige Werbedurchsagen. Das drückt sich auch in vielen Kommentaren unserer Umfrage aus, vor allem zu Ryanair und Easyjet: „Man kommt von A nach B. Irgendwie. Und das billiger als mit jedem anderen Verkehrsmittel, aber es macht keinen Spaß.“ Ein anderer hat meist gute Erfahrungen mit Ryanair gemacht, „aber wenn mal ein Flug ausfällt, ist man allein und ärgert sich stundenlang rum.“

Beim Einsteigen fühlte sich mancher an Viehtransporte erinnert, und angesichts massiver Werbung und Gewinnspielaktionen während des Fluges kam mitunter der Eindruck auf, an einer Kaffeefahrt teilzu­nehmen. Air Berlin verärgert viele ihrer Kunden mit der versteckten Servicegebühr. Lesen Sie die Umfrageergebnisse im Detail.

Jeder zehnte Flug war unpünktlich

Pünktlichkeit steht bei den Wünschen der Fluggäste ganz oben. Wir haben deshalb zwei Monate lang die Ankunftszeiten von Europaflügen der ausgewählten Airlines auf elf deutschen Flughäfen erfasst und mit den Planzeiten verglichen. Danach waren rund zehn Prozent der Flüge bei der Ankunft mehr als 15 Minuten verspätet. Rund neun Prozent landeten bis zu einer Stunde zu spät und knapp ein Prozent bis zu zwei Stunden. Mehr als zwei Stunden waren lediglich 0,4 Prozent aller Flüge verspätet. Die Ursachen für eine Verspätung sind vielfältig und laut Eurocontrol, der Internationalen Organisation für Flugsicherung, nur etwa zur Hälfte von der Airline zu verantworten. Daher verzichten wir auf eine Auswertung für jede einzelne Airline.

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