Schon für 99 Cent pro Tag versprechen Billigvermieter einen Leihwagen – doch die Fabelpreise unterliegen starken Einschränkungen und vieles kostet extra.

Navicar war der Erste. Seit November 2002 bietet der Berliner Billigvermieter einen Smart zu Tagesmieten ab neun Euro an. Wenige Monate später folgten die Europcar-Tochter Interrent sowie Sixti, die Billigmarke des Münchner Autovermieters Sixt, mit teilweise noch günstigeren Offerten. Schließlich fiel im Oktober 2003 der Startschuss für Avis Basic, den Preiswertableger von Avis.

Wie aus 99 Cent fast 20 Euro werden

Die Discountverleiher orientieren sich strikt am Konzept der Billigflieger. Hier wie dort gibts die größten Schnäppchen hauptsächlich in der Werbung. So kommt beispielsweise der „99 Cent Hammer“ von Navicar mit Vollkasko und Reinigung auf immerhin fast 20 Euro. Dieser Preis gilt auch nur in Berlin für maximal zehn Stunden und nur an drei Wochentagen (Montag, Mittwoch, Samstag).

Genau wie die Schnäppchen-Airlines setzen Billigvermieter auf einen lupenreinen Direktvertrieb mit geringem Personaleinsatz. Der Kunde kann meist nur per Internet und Kreditkarte buchen. Schon eine telefonische Buchung wird teuer. Wenn überhaupt möglich, kostet die Buchung an der Hotline 0,62 Euro pro Minute.

Den verlockenden Werbepreis erhält zudem nur, wer frühzeitig bucht. Im Dezember musste man zum Beispiel bei Sixti sechs Wochen im Voraus ordern, um für eine Anmietung in Berlin das Topangebot von fünf Euro (Tagesmiete Smart) zu erhalten. Bei Navicar waren zum selben Zeitpunkt gar drei Monate Vorausbu­chung nötig, um in den Genuss des günstigsten Preises (neun Euro/Smart) zu kommen. Bei allen Anbietern gilt: Der jeweils günstigste Tarif ist nur für bestimmte Tage in der Woche verfügbar. Ansonsten betragen die Tagesmieten nicht selten das Doppelte bis Dreifache des Werbeschnäppchens – egal wie lange im Voraus gebucht wird. Ein Billigmietwagen ist in der Endabrechnung aber auch aus anderen Gründen meist deutlich teurer, als man angesichts der Werbung glauben könnte. Während bei traditionellen Autoverleihern der Tagespreis für 24 Stunden gilt, rechnen Billiganbieter kalendertäglich ab. Will man also einen Wagen von Montag, 12 Uhr, bis Dienstag, 12 Uhr, mieten, werden zwei Tagessätze fällig.

Jedes Extra kostet zusätzlich

Die Tagesmieten sind immer Basispreise. Darin enthalten sind nur die Kosten für die gesetzlich vorgeschriebene Haftpflichtversicherung und begrenzte Freikilometer (meist 100 bis 200 pro Tag). Alles andere kostet extra. Zum Beispiel der Kaskoschutz. Je nach Mietwagenfirma, Versicherungsart und Höhe der Selbstbeteiligung werden dafür rund fünf bis acht Euro pro Miettag fällig.

Auch die Reinigung des Wagens gehört zu den Extras. Kostenpunkt: 14 oder 15 Euro. Wer diesen Posten einsparen will, kann den Wagen selbst reinigen. Bei Schmuddelwetter ist es allerdings so gut wie unmöglich, das saubere Auto ohne Schmutzspritzer bis zur Verleihstation zu bringen. Dann wird trotz aller Mühen die volle Reinigungsgebühr berechnet.

Für den Fünf-Euro-Smart von Sixti erhöht sich damit die Tagesmiete (Abholung morgens, Rückgabe abends) auf 25 Euro. Für den 8,99-Euro-Golf von Interrent müssen im Endeffekt 31,49 Euro bezahlt werden. Natürlich sind das im Vergleich immer noch sehr günstige Angebote – sie liegen aber rund drei- bis fünfmal so hoch wie die beworbenen Basispreise.

Verspätungszuschlag bis zu 45 Euro

Kunden von Billigvermietern werden für Nachlässigkeiten zur Kasse gebeten. Halten sie etwa die vereinbarte Rückgabezeit nicht ein, kann es teuer werden. So kennt Sixti bei Verspätungen kein Pardon. Umgehend werden 45 Euro Verspätungszuschlag berechnet. Navicar übt sich dagegen bis zu drei Stunden in Geduld, bevor die fast schon moderaten 14 Euro aufgeschlagen werden.

Auch der Stand der Tankuhr kann Extrazahlungen auslösen. Erfolgt die Rückgabe nicht mit der jeweils geforderten Mindestbetankung, wird nicht nur der Preis für das fehlende Benzin berechnet, sondern auch noch eine Tankgebühr von bis zu zehn Euro veranschlagt.

Abgespecktes Serviceangebot

Einstellen muss sich der Billigkunde auch auf ein abgespecktes Serviceangebot. So sind beispielsweise Einwegmieten nicht möglich. Der Wagen muss immer an der Station zurückgegeben werden, an der er übernommen wurde.

Vorausgesetzt, sie hat geöffnet. An den Wochentagen machen die meisten Anmietstationen um 18 Uhr zu und am Wochenende sind sie in der Regel geschlossen. Die Folge: Wer den Wagen nicht innerhalb der Geschäftszeiten zurückgeben kann, muss ihn einen zusätzlichen Tag mieten. Nur in Berlin unterhalten alle Billigautovermieter zumindest eine Filiale in der Innenstadt, die am Sonntag geöffnet ist – auch wenn es wie bei Interrent nur zwei Stunden sind (16 bis 18 Uhr).

Trotzdem sollten Berlinbesucher die Leistungen der verschiedenen Anbieter vergleichen. Bei einer Testanfrage für eine Anmietung im Januar von Freitag bis Sonntag bewegten sich die Preise zwischen 66 Euro (Avis Basic) und 78,47 Euro (Interrent). Beim günstigsten Angebot musste der Wagen jedoch schon am Sonntag um 12 Uhr zurückgegeben werden. Bei Sixti hat man dagegen bis 16 Uhr, bei Interrent und Navicar sogar bis 18 Uhr Zeit dafür. Das macht eine bis zu sechs Stunden längere Nutzungsdauer.

Noch flexibler ist es bei den etablierten Autovermietern. Für dasselbe Wochenende offerierten Avis und Budget einen Kleinwagen für jeweils rund 97 Euro. Trotz der etwa 20 Euro Mehrkosten lohnt sich das Angebot für Flugreisende. Denn der Wagen kann am Flughafen entgegengenommen und abgegeben werden. Zudem kann sich der Kunde mit der Rückgabe am Sonntag bis 23 Uhr Zeit lassen.

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