Billige Heimwerkergeräte Test

Wer nur nach dem Preis kauft, handelt sich schnell Schrott ein. Rückgaberechte schützen zwar vor Geldverlust, aber Ressourcen werden verschwendet, und die Müllberge wachsen weiter.

Zu diesem Thema bietet test.de aktuellere Tests: Bohrmaschinen und Schwing- und Winkelschleifer

Schlagbohrmaschine, Stichsäge, Winkelschleifer oder Schwingschleifer für zehn Euro? T.I.P. macht es möglich – und kassiert für diese tollen Angebote im Test jedes Mal ein „Mangelhaft“. Alle vier Geräte brachen vorzeitig in der Haltbarkeitsprüfung zusammen. Siehste, sagt der qualitätsbewusste Markenkäufer, Schrott aus Fernost. Fernost stimmt, Schrott aber sogar im Fall T.I.P. nicht ganz. Denn da bescheinigten die Prüfer dem Akku-Bohrschrauber ABS (20,50 Euro) immerhin ein „Sehr gut“ in der Haltbarkeit. Allerdings funktionierte er nur „ausreichend“.

Der Kauf dieser Schnäppchen gleicht einem Lotteriespiel. Denn so eindeutig wie bei den vier Schlagbohrmaschinen, die für das, was sie eigentlich können sollten, ein „Mangelhaft“ kassierten, fielen die Urteile nicht überall aus. Das beste Gerät unter den sehr beliebten Akku-Bohrschraubern, der Alpha-Tools ASE 18-2G, kam immerhin auf ein „Befriedigend“. Aber die Leistung reicht gerade mal für den Kleinwerker, der ein Gewürzregal oder eine Spielzeugkiste zusammenschrauben möchte: „Die Motoren sind zu schwach“, resümierten die Prüfer, „und gehen bei höherer Leistung in die Knie“. Was solls, beruhigt sich der Sparsame: Für die fünf Bohrlöcher und Schrauben pro Jahr wird das Ding schon taugen, mehr bringen meine zwei linken Hände sowieso nicht zustande.

Und es kann ihm auch gar nichts Schlimmes widerfahren: Sollte das Billiggerät trotz geringer Nutzung innerhalb der zweijährigen Gewährleistungsfrist den Geist aufgeben, wird umgetauscht oder der Kaufpreis erstattet. Das bedeutet aber auch Ärger und Lauferei. Und der Umweltbewusste gibt zu Recht zu bedenken: Auf der Strecke bleibt ein „Altgerät“ als Müll. Denn repariert werden diese Produkte nicht. Dazu wären, von den teuren Transporten samt Logistik für den Service abgesehen, selbst fernöstliche Arbeitskosten zu hoch.

Bisher nimmt der Handel die Geräte freiwillig zurück, eine Rückgabeverordnung für Elektrogeräte existiert (noch) nicht. Träte sie in Kraft, würden sich wohl auch die Preise schnell ändern, denn eine umweltfreundliche Entsorgung kostet Geld – manchmal vielleicht sogar mehr als die Herstellung eines Billigprodukts.

In einigen Fällen sind es auch gar nicht grobe generelle Mängel, auf Grund derer man diese Billiggeräte insgesamt verdammen müsste. Bei den Winkelschleifern zum Beispiel gab es durchaus noch akzeptable Arbeitsergebnisse, solange nicht Fliesen geschnitten werden mussten. Dennoch haben alle Geräte eine typische Schwachstelle: Die Kohlebürsten verschleißen zu schnell. Wenn sich dann die Kohlen verklemmen, kann es zu Lichtbögen kommen; sie zerstören die Lamellen des Kommutators – das Gerät ist unbrauchbar und schrottreif. Zum rechtzeitigen Auswechseln beigelegte Ersatzkohlen helfen auch nicht weiter. Zudem sind diese Geräte nicht einmal vom Fachmann zu öffnen. Wären sie zu reparieren, dürfte der Laie aus Sicherheitsgründen sowieso nicht Hand anlegen.

Nichts „fürs Leben“

Billige Heimwerkergeräte Test

Dauerprüfung von Motor und Schlagwerk nicht überstanden: T.I.P. SB 500-1.

Dennoch: „Die Billigen“ erobern den Markt. Bei den Schlagbohrmaschinen zum Beispiel stieg ihr Anteil von 21 Prozent im Jahr 2001 auf 40 Prozent im Folgejahr. Da scheint sich im Kaufverhalten etwas zu ändern. Denn besonders bei Heimwerkergeräten stand bisher die Haltbarkeit im Vordergrund. Nicht nur die Profis schafften sich leistungsstarke Maschinen „fürs Leben“ an, auch die Laien wollten etwas Solides im Handwerkskasten liegen haben. Der neue Trend scheint pragmatischer zu sein: Hält das Gerät die Gewährleistungszeit über, hat es sich bezahlt gemacht; sonst gibt es ohne finanziellen Verlust ein neues – eine neue Art von Leasing-Mentalität.

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