Billige Flugreisen Test

Noch nie war Fliegen so günstig wie heute. Wir haben die Preise und Leistungen von 15 Fluggesellschaften auf sechs Strecken verglichen. Billigflieger liegen vorn.

Mit Billigkonzept zum Erfolg: Die ehemalige Charterfluggesellschaft Condor, zwischenzeitlich in Thomas Cook umbenannt, hat mit dem alten Namen und vor allem der Ausrichtung auf niedrige Preise zu einem Höhenflug angesetzt. Vier Monate nach dem Neustart meldete die Airline 30 Prozent mehr Passagiere als im gleichen Vorjah­reszeitraum und fast ein Viertel mehr Umsatz. Auch die chronisch defizitäre DBA, die im Juni 2003 für einen symbolischen Euro von British Airways an den Textilunternehmer Hans Rudolf Wöhrl ging, hat Ende letzten Jahres erstmals seit ihrer Gründung schwarze Zahlen geschrieben.

Die Branchenführer Ryanair und easyjet befinden sich schon lange im Steigflug, auch wenn die Zuwachsraten und die Gewinne neuerdings nicht mehr ganz so rasant in den Himmel wachsen.

V-Bird und Volare fliegen nicht mehr

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Mit moderaten Preisen und einem guten Bordservice landete Air Berlin bei unserem Vergleich auf einem Spitzenplatz.

Mit Billigkonzept in die Pleite: Bereits nach gut einem Jahr kam der überraschende Absturz für V-Bird. Das niederländische Unternehmen bediente vom Niederrhein-Flughafen in Weeze 17 Ziele in Europa. Am 8. Oktober 2004, dem Tag der Insolvenz, standen Tausende von Passagieren mit wertlosen Tickets da. Nur einen Monat später blieben die Maschinen der italienischen Billigairline Volareweb am Boden. Das Unternehmen musste ebenfalls Konkurs anmelden.

Seit die irische Fluggesellschaft Ryanair im Jahre 1992 mit dem Konzept der rigorosen Kostensenkung und damit einhergehenden extrem niedrigen Flugpreisen an den Start ging, ist in der europäischen Luftfahrt fast nichts mehr wie zuvor.

Die so genannten Low-Cost- (geringe Kosten) beziehungsweise No-Frills-Airlines (keine Extras) konkurrieren mit ihren Minipreisen nicht nur untereinander. Sie setzen auch die großen Linienfluggesellschaften unter Druck. Die Pleiten von Swissair und Sabena, so munkeln Insider, könnten nur ein Anfang gewesen sein. Alitalia kämpft bereits ums Überleben.

Wir haben auf der Basis von fünf europäischen Zielen (Barcelona, Lissabon, London, Mallorca, Rom) und innerdeutschen Flügen nach Berlin sowohl die Billigairlines als auch die nationalen Fluggesellschaften unter die Lupe genommen.

75 Testflüge durch Europa

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Hier sitzt man immerhin etwas bequemer als in vielen Billigfliegern: Passagiere in einem Lufthansa-Jet.

Unsere wichtigsten Fragen lauteten: Wie hoch sind die Preise und wie verändern sie sich, je näher der Abflugtermin rückt? Werden auf der Internetseite alle wichtigen Informationen genannt und ist die Buchung einfach? Wie ist der Flug organisiert, vom Check-in über den Service an Bord bis zur Pünktlichkeit?

Dafür haben wir bei jeder Airline fünf Flüge zu den oben genannten Zielen gebucht. Erfahrene Reisetester sind für uns kreuz und quer durch Europa gejettet und haben alle Flugdetails penibel in standardisierten Fragebögen festgehalten. Parallel wurden im Internet insgesamt 883 Preise ermittelt. Außerdem haben wir die Geschäftsbedingungen der Gesellschaften juristisch prüfen lassen. Erstaunliches Ergebnis: Auf den ersten Plätzen landeten ausschließlich Billigflieger. Das ist zwar zum Teil auf die sehr niedrigen Flugpreise zurückzuführen. Aber auch sonst stehen die Low-Cost-Airlines den nationalen Fluggesellschaften kaum nach. Im Gegenteil: Air Berlin und Condor bieten sogar den besseren Service an Bord.

Service wurde gestrichen

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Klimakiller: Umwelt-verbände fordern Warnungen auf Flugtickets ähnlich wie auf Zigarettenschachteln. Neue Untersuchungen belegen, dass Fliegen das Klima stärker belastet als bisher angenommen.

Andererseits muss, wer besonders billig fliegen will, deutliche Abstriche beim Service machen. Besonders auffällig ist das bei Ryanair. Die Iren haben alles gestrichen, was nicht unbedingt notwendig ist. So müssen die Passagiere meist zu Fuß zum Flugzeug laufen, was bei Regen nicht gerade ein Vergnügen ist. Der Sitzkomfort lässt zu wünschen übrig und einen im Preis inbegriffenen Bordservice gibt es praktisch nicht. Wer etwas essen und trinken will, wird zur Kasse gebeten. Und das nicht zu knapp: Ein Sandwich kostet fünf, ein Bier vier Euro.

Zweites Schlusslicht bei der Flugbewertung ist Germania Express (Gexx). Hier sind die Preise für Snacks und Getränke zwar recht günstig, doch wurde der Bordservice nicht auf allen Flügen angeboten. Schwerwiegender war aber der Ausfall eines Flugs von Lissabon nach Berlin, was unserem Tester erst eine Woche vor Abflug mitgeteilt wurde. Sein Flugplan war damit Makulatur. Der Anruf bei der Gexx-Hotline verlief frustrierend. Eine unfreundliche Mitarbeiterin zeigte wenig Entgegenkommen. Das Einzige, was sie anbot, war ein Flug sieben Tage später, was natürlich nicht akzeptabel war.

Ein ähnlicher Fall, bei dem ein Condor-Flug von Frankfurt am Main nach Mallorca um zehn Stunden vorverlegt wurde, verlief erfreulicher. Die Condor-Mitarbeiter in Frankfurt waren sehr bemüht und haben für unseren (anonymen) Tester schließlich einen Ersatzflug ab Köln gefunden. Das Bahnticket von Frankfurt nach Köln gabs gratis.

Gibts den Flug zum Taxipreis wirklich?

Niedrige Preise verführen zum Fliegen. Wer ein Rückflugticket für 50 Euro bekommt, fragt kaum nach gutem Service. Doch kann man wirklich zum Taxipreis fliegen? Und gibts die Superangebote aus der Werbung überhaupt? Wir haben die Preise (immer Hin- und Rückflug) nach zwei Modellen erhoben. Zum einen für einen Flug am Wochenende – erfasst in fünf Schritten von vier Monaten bis zwei Wochen vor Abflug. Beim zweiten Modell ging es um einen Flug in der Woche (Dienstag hin, Mittwoch zurück). Die Preise wurden für Termine von drei Monaten bis eine Woche vor Abflug ermittelt.

Das Ergebnis der Preiserhebung steht in der Tabelle Billige Flugreisen. Superpreise, wie sie die Werbung anpreist, haben wir nur ganz selten gefunden. Den günstigsten Hin- und Rückflug bietet mit 33 Euro Ryanair. Insgesamt liegen die Iren mit einem Durchschnittspreis von 109 Euro aber nur knapp vor easyjet (112 Euro). Die teuersten Billigflieger sind Condor und Germania Express mit Durchschnittspreisen von 189 beziehungsweise 195 Euro.

Aberwitzige Höchstpreise

Bei den nationalen Fluggesellschaften ist das Bild sehr uneinheitlich. Zwar bieten auch sie günstige Verbindungen an. Die Höchstpreise sind mit 900 bis 1 600 Euro aber geradezu aberwitzig, wenn man bedenkt, dass dafür kaum mehr als bei den Billigfliegern geboten wird. Nur British Airways kann auf der Londonroute mit einem Durchschnittspreis von 160 Euro mit den Billigheimern konkurrieren.

Das Preisniveau erreicht aber auch im Low-Cost-Bereich gelegentlich Höhen, die weit über „billig“ liegen: So sollte ein kurzfristig gesuchter Flug mit Germanwings nach Barcelona 610 Euro kosten.

In die Bewertung ging auch die Verfügbarkeit von günstigen Preisen ein. Wir haben untersucht, wie sich die Flugpreise innerhalb von vier Monaten bis eine Woche vor dem Abflug verändern. Außer bei Germania Express, wo mit Festpreisen pro Strecke (77 bis 111 Euro) gearbeitet wird, lohnt es sich bei allen Airlines so früh wie möglich zu buchen. Die absoluten Schnäppchen scheint es sowieso nur kurz nach dem Erscheinen der neuen Flugpläne zu geben. Während die Tarife bei DBA und Hapag-Lloyd Express nur moderat ansteigen, müssen Spätbucher bei Alitalia, Iberia, Lufthansa, Germanwings und teilweise bei Ryanair erheblich mehr bezahlen. So kostete zum Beispiel ein Ryanair-Flug von Karlsruhe nach Barcelona/Girona drei Monate vor Abflug 32,51 Euro, eine Woche vor dem Start aber mehr als das Zehnfache (350,51 Euro).

Die Kehrseite der Billigtickets

Über günstige Preise freut sich natürlich jeder Verbraucher. Sie kommen aber nicht von ungefähr. Denn die Fluggesellschaften sparen nicht nur beim Service, sondern auch beim Personal. So sind die Zeiten, als Stewardessen noch in einem exzellent bezahlten Traumberuf arbeiteten, längst vorbei. Häufig werden die Flugbe­gleiter nicht nur für den Bordservice, sondern auch für Reinigungs- und Absperrdienste herangezogen. Und die Piloten, so vermutet die Vereinigung Cockpit, müssen häufig bis zum Limit der gesetzlich festgelegten Einsatzzeiten fliegen.

Ein weiterer Verlierer des Billigflieger-Booms ist die Umwelt. Tag für Tag befinden sich mehr als 25 000 Flugzeuge am Himmel über Europa. In den nächsten 10 bis 15 Jahren, so die Vermutung in einem Forschungsbericht der EU-Kommission, dürfte sich diese Zahl sogar verdoppeln.

Keine guten Aussichten für das Klima. Die Umweltorganisation Germanwatch hat im vergangenen Jahr auf unveröffentliche Untersuchungen verwiesen, die belegen, dass das Fliegen das Klima etwa doppelt so stark belastet wie lange angenommen. Danach beträgt der Anteil des Luftverkehrs am Treibhauseffekt fast neun Prozent. Die Umweltverbände forderten von der Bundesregierung einen Aktionsplan gegen den Trend zu immer mehr Flugreisen. Ähnlich wie auf Zigarettenpackungen sollten Warnhinweise Air Berlin auf den Tickets die Reisenden über die Klimaschädlichkeit des Fliegens informieren.

Die Billigflieger betonen, pro Passagier weniger umweltbelastend zu sein als die traditionellen Airlines. Denn sie setzten hauptsächlich moderne Flugzeuge ein, die weniger Kerosin verbrauchen und leiser seien. Außerdem, so rechnet der europäische Verband der Low-Fare-Airlines ( www.elfaa.com) vor, könnten Billigflieger durch die dichte Bestuhlung in jeder Maschine rund zehn Prozent Passagiere mehr befördern. Eine Boeing 737-800 hätte bei den traditionellen Airlines beispielsweise 162 Plätze, bei einer Billigairline seien es aber 189. Schließlich sei das Billigkonzept umweltfreundlicher, weil nur Direktflüge angeboten werden und weniger Müll produziert wird.

Billig und sicher?

Viele fragen sich angesichts der niedrigen Preise, ob Billigflieger nicht auch an der Sicherheit sparen. „Billig heißt nicht gleich unsicher“, entgegnet darauf Cornelia Eichhorn, Sprecherin des Luftfahrt-Bundesamts (LBA). Die gesetzlich vorgeschriebenen Sicherheitsstandards gelten für alle Fluggesellschaften. In Deutschland sind sie sehr hoch. Jede Fluggesellschaft wird genau geprüft, bevor sie eine Starterlaubnis vom LBA bekommt, und zwar hinsichtlich „der wirtschaftlichen, der flugbetrieblichen und techni­schen Voraussetzungen“.

Auch der Flugbetrieb wird in puncto Sicherheit stark reglementiert. Wartungsintervalle, Ausbildung und Lizenzierung der Piloten, Flug- und Ruhezeiten: Für alles gibt es genaue Anforderungen, die auch regelmäßig überprüft werden. So müssen ausländische Luftfahrtunternehmen jederzeit damit rechnen, unangemeldet vom LBA kontrolliert zu werden. Bisher hat es keinerlei Probleme bei den Billigairlines gegeben, nicht einmal einen Verdacht auf Sicherheitsmängel.

Verspätungen

Fluggäste können auf vieles verzichten, bei Verspätungen kennen sie aber oft kein Pardon. Hier kann unser Test leider nur ein Schlaglicht werfen. Wir haben lediglich die Ankunftspünktlichkeit der fünf Testflüge bewertet. Da wir zudem nicht beurteilen konnten, inwieweit die Verspätungen auf Kosten der Airline gehen, haben wir die Pünktlichkeit bei der Endauswertung auch nur ganz gering gewichtet.

Air Berlin hatte hier wohl etwas Pech. Alle fünf Flüge waren unpünktlich. Nach eigenen Angaben (neueste Zahlen von 2003) sollen 84,6 Prozent aller Air Berlin-Flüge pünktlich gewesen sein. Dagegen konnte TAP Air Portugal im Test bei der Pünktlichkeit glänzen. Offiziell sieht es nicht so gut aus. Nach der Statistik der Association of European Airlines (AEA, www.aea.be), der 28 nationale Fluggesellschaften angehören, liegt TAP Air mit einem Anteil von nur 65 Prozent pünktlichen Flügen – darunter werden Verspätungen von weniger als 15 Minuten verstanden – in den ersten zehn Monaten 2004 auf dem letzten Platz. Am pünktlichsten waren laut dieser Statistik Finnair, Lux­air und SAS. Die Lufthansa erreichte immerhin den neunten Platz (84,2 Prozent pünktliche Flüge).

Unzulässige Klauseln

Zum Schluss noch ein trauriges Kapitel: die Geschäftsbedingungen der Fluggesellschaften. Wir haben sie juristisch auf unzulässige Klauseln prüfen lassen und sind bei allen fündig geworden. Am besten schneidet Iberia mit nur einem Rechtsverstoß ab. Es folgen und Hapag-Lloyd Express mit je drei unzulässigen Klauseln. Das ist gerade noch akzeptabel. Bei allen anderen häufen sich die Rechtsverstöße. In drei Fällen mussten wir deshalb das test-Qualitätsurteil um eine Stufe abwerten.

Viele Verstöße rühren daher, dass einige Airlines das seit Juli 2004 geltende Montrealer Abkommen noch nicht umgesetzt haben. Darin wird die Haftung bei Tod und Verletzungen sowie Gepäckschäden und Verspätungen geregelt. Darüber hinaus finden sich bei fast allen Airlines unzulässige Änderungsvorbehalte, zum Beispiel bezüglich der Flugzeiten, der Flugzeuge oder der Routen. Alitalia, British Airways, DBA, easyjet, Lufthansa und Germanwings behalten sich zudem noch unerlaubte Preiserhöhungen vor.

Die Vertragsbedingungen sollen laut Gesetz verständlich und transparent sein. Ob ein Klauselwerk von 35 Seiten, wie bei easyjet, dieser Forderung entspricht, ist doch sehr zweifelhaft.

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