Ausbildung und Studium: Bisher Nachteile für viele Studenten

Bildungs­kosten Special

Studierenden kann das Urteil des Bundes­verfassungs­gerichts Geld bringen.

Der Weg zur Bildungs­einrichtung, Lehr­bücher, Studien- oder Schul­gebühren: Junge Erwachsene bringen dafür viel Geld auf. Grund­sätzlich sind solche Ausbildungs­kosten für sie steuerlich absetz­bar. Doch der Unterschied liegt im Detail. Je nach Art der Ausbildung gelten die Aufwendungen als Werbungs­kosten oder als Sonder­ausgaben.

Wer direkt studiert, hat Nachteile

Noch stehen Studenten, die unmittel­bar nach dem Abitur an die Hoch­schule gehen, steuerlich schlechter da. Sie und alle, die eine Erst­ausbildung ohne Beschäftigung absol­vieren, dürfen ihre Bildungs­kosten bisher nur als Sonder­ausgaben absetzen (siehe Grafik). Das führt dazu, dass sie Kosten nur im Jahr der Entstehung abziehen können. Meist arbeiten sie nebenher nur auf Minijob-Basis oder haben so einen geringen Lohn auf Lohn­steuerkarte, dass sich der Sonder­ausgaben­abzug nicht lohnt. Bildungs­kosten verpuffen.

Für Betroffene gibt es Hoff­nung

Das kann sich ändern: Das Bundes­verfassungs­gericht prüft, ob die aktuelle Regelung verfassungs­widrig ist (Az. 2 BvL 23/14 und 24/14). Studenten sollten daher Bildungs­kosten in ihrer Steuererklärung als Werbungs­kosten angeben und in der neuen Zeile 98 eine „1“ eintragen (Special Steuerformulare, Finanztest 3/2018). Das Finanz­amt erkennt die Ausgaben zwar nur als Sonder­ausgaben an, erteilt den Steuer­bescheid aber bis zu einem Urteil des Bundes­verfassungs­gerichts vorläufig. Fehlt der Vorläufigkeits­vermerk, ist ein Einspruch nötig.

Nach dem Abschluss Steuern sparen

Sind Kosten als Werbungs­kosten absetz­bar, können sie noch Jahre später Steuern senken.

Beispiel: Lisa Böhler kann ihre Studien­kosten von 5 000 Euro als Werbungs­kosten geltend machen. Neben ihrem Studium arbeitet sie als Kell­nerin auf Lohn­steuerkarte und hat einen Jahres­verdienst von 2 000 Euro. In ihrer Steuererklärung werden nun die Werbungs­kosten von ihrem Einkommen abge­zogen, es ergibt sich ein Verlust von 3 000 Euro. Böhler beantragt, diesen Verlust vorzutragen. Im nächsten Jahr kann sie die 3 000 Euro erneut als Werbungs­kosten angeben.

Vorteile bei dualer Ausbildung

Ein Abzug als Werbungs­kosten ist aktuell möglich, wenn die Ausbildung inner­halb eines Arbeits­verhält­nisses statt­findet. Beispiele hierfür sind duale Berufs­ausbildungen im Hand­werk, aber auch ein duales Studium. Finden schu­lische Ausbildung oder Studium nach einer bereits abge­schlossenen Berufs­ausbildung statt, ist ebenfalls ein Abzug als Werbungs­kosten erlaubt. Die Erst­ausbildung muss allerdings mindestens zwölf Monate dauern – bei mindestens 20 Stunden wöchentlich. Das Studium nach einem Taxifahrer­schein oder der Ausbildung zum Rettungs­sanitäter zählt also nicht als Zweit­ausbildung, ein Master­studium schon.

Rentner- Studium im Ruhe­stand

Immer mehr Rentner beginnen im Ruhe­stand noch ein Studium. Aber können sie die Studien­kosten auch steuerlich absetzen? Nach einem Urteil des Finanz­gerichts Schleswig-Holstein (Az. 4 K 41/16) ist dies möglich, wenn das Studium konkret hilft, später einen Erwerb zu erzielen. Senioren-Studenten müssen also nach­weisen, dass nach dem Studium eine Beschäftigung in Aussicht steht. Dazu reicht bereits ein Minijob. Alternativ ist es für Rentner möglich, glaubhaft zu machen, dass sie eine Selbst­ständig­keit planen.

Studiert jemand aus reinem Interesse und dient der Unibesuch so nur dem Vergnügen in der Frei­zeit, gibt es für ihn keinen Steuer­abzug.

Eltern nutzen Ausbildungs­frei­betrag

Für Eltern ist die Rechts­lage eindeutig: Wenn das Kind für Ausbildung oder Studium nicht mehr zu Hause wohnt und sie es finanziell unterstützen, können sie in ihrer Steuererklärung den Ausbildungs­frei­betrag von 924 Euro nutzen. Zusätzlichen Abzug bringt nur Schulgeld für eine Berufs­ausbildung, aber nicht für ein Studium (Schulbildung). Alle anderen Kosten können die Kinder nur selbst angeben.

Diese Kosten lassen sich absetzen

Dabei müssen Auszubildende und Studierende Folgendes beachten:

  • In Verträgen etwa für die Miet­wohnung oder das Bildungs­darlehen müssen sie selbst als Vertrags­partner auftauchen – läuft der Vertrag über die Eltern, können Kinder die Kosten nicht angeben. Voll abzugs­fähig sind unter dieser Bedingung sämtliche Ausbildungs­gebühren, aber auch Nach­hilfe­stunden.
  • Lern­mittel wie Kopien, Fachbücher, Laptop, Tablet oder Bücher­regal zählen ebenfalls. Sind einzelne Dinge inklusive Mehr­wert­steuer teurer als 487,90 Euro (952 Euro ab 2018), werden sie über mehrere Jahre abge­schrieben. Wurde für die Ausbildung ein Darlehen aufgenommen, zählen auch Zinsen und Gebühren, die Rück­zahlungen aber nicht.

Fahrt­kosten und zweiter Haushalt

Absetzen lassen sich auch Fahrt­kosten zur Bildungs­einrichtung. Bei einem Voll­zeitstudium oder einer rein schu­lischen Ausbildung zählen allerdings nicht die tatsäch­lichen Kosten. Zur Anwendung kommt die Entfernungs­pauschale von 30 Cent je Kilo­meter zwischen Zuhause und Bildungs­stätte. Leben junge Erwachsene sowohl in einer Unterkunft am Ausbildungs­ort als auch zu Hause bei ihren Eltern, können sie Kosten für eine doppelte Haus­halts­führung angeben. Bedingung ist allerdings , dass sie zu mehr als 10 Prozent an den Haus­halts­kosten der Eltern beteiligt sind. Ist dies erfüllt, können sie von ihren Miet- und Neben­kosten für den Haushalt am Bildungs­ort bis zu 1 000 Euro monatlich absetzen.

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