Bildungs­kosten Special

Fort­bildungs­kosten zählen bei Arbeitnehmern steuerlich als Werbungs­kosten.

Erst die Schule, dann Berufs­ausbildung oder Studium und schließ­lich die Fort­bildung im Berufs­leben. Im Laufe des Lebens kostet Bildung viel Geld. Der Staat fördert seine Bürger dabei steuerlich. Finanztest erklärt, wie Eltern, Studenten, Azubis und Arbeitnehmer Steuer­vorteile nutzen können.

Als Student oder Azubi profitieren

Gerade Studenten kommen schnell auf hohe Bildungs­kosten. Egal ob die Fahrt zur Uni, Nach­hilfe­stunden, Lern­mittel wie Laptop und Lehr­buch oder die Miete für die Wohnung am Studien­ort – alles können Studenten steuerlich absetzen. Da die Steuererklärung für Studenten aber freiwil­lig ist, nutzen viele diese Möglich­keit nicht. Was sie nicht wissen: Wer neben dem Studium nichts oder gar nichts verdient, könnte auch später – nach dem Abschluss – noch von seinen Bildungs­kosten profitieren. Können Studenten die Studien­kosten als Werbungs­kosten geltend machen, lassen sie sich nämlich für spätere Jahre vortragen und dann verrechnen (Ausbildung und Studium).

Studien­kosten nur als Sonder­ausgaben anerkannt

Nach aktueller Rechts­lage gibt es für viele Studenten noch ein Problem: Handelt es sich bei ihrem Studium um eine Erst­ausbildung ohne Beschäftigungs­verhältnis, erkennt das Finanz­amt ihre Studien­kosten nur als Sonder­ausgaben an. Diese lassen sich nicht für die Zeit nach dem Abschluss vortragen. Über die Frage, wann Bildungs­kosten für Ausbildung oder Studium als Werbungs­kosten und wann nur als Sonder­ausgaben gelten, entscheidet aktuell aber das Bundes­verfassungs­gericht (Az. 2 BvL 23/14 und 24/14). Deswegen ergehen die Steuer­bescheide in diesem Punkt vorläufig. Entscheidet das Bundes­verfassungs­gericht zugunsten der Studenten und Auszubildenden, können sie später noch durch ihre Studien­kosten Steuern sparen. Eine Steuererklärung ist also wichtig.

Unser Rat

Schulgeld. Gehen Ihre Kinder auf eine Privatschule? Setzen Sie 30 Prozent des Schulgelds in Ihrer Steuererklärung als Sonder­ausgaben ab. Pro Kind sind höchs­tens 5 000 Euro möglich. Kosten für Verpflegung und Unterbringung müssen Sie heraus­rechnen.

Studenten und Azubis. Geben Sie Aufwendungen für Ausbildung oder Studium in Ihrer Steuererklärung als Werbungs­kosten an. Handelt es sich um eine Erst­ausbildung ohne Beschäftigungs­verhältnis, erkennt das Finanz­amt die Ausgaben zurzeit zwar nur als Sonder­ausgaben an. Es erteilt den Steuer­bescheid aber bis zu einem Urteil des Bundes­verfassungs­gerichts vorläufig. Fehlt der Vorläufigkeits­vermerk, müssen Sie gegen den Steuer­bescheid Einspruch einlegen.

Arbeitnehmer. Erst wenn Ihre Bildungs­kosten und andere berufliche Ausgaben als Arbeitnehmer 1 000 Euro über­schreiten, ist eine genaue Auflistung nötig. Denn das Finanz­amt zieht Ihnen schon pauschal 1 000 Euro für Werbungs­kosten ab.

So stuft das Finanz­amt die Kosten ein

Zählen Bildungs­kosten als Werbungs­kosten, können sie noch Jahre später mit Einkünften verrechnet werden, als Sonder­ausgaben nur im Jahr der Entstehung. Studenten und Azubis sollten ihre Kosten abweichend von der aktuellen Praxis als Werbungs­kosten angeben (siehe Unser Rat).

Bildungs­kosten Special

Eltern durch Kinder­geld begüns­tigt

Eltern bekommen Kinder­geld oder Kinder­frei­beträge. Unterstützen sie ihr Kind später bei Ausbildung und Studium, können sie auch den Ausbildungs­frei­betrag nutzen. Gesondert setzen Eltern nur Schulgeld für Privatschulen ab (Schulbildung).

Beruflicher Zusammen­hang ist nötig

Bei einer Fort­bildung für Arbeitnehmer ist die Sache meist eindeutig: Liegt ein beruflicher Zusammen­hang vor, können Arbeitnehmer Aufwendungen für Weiterbildungen als Werbungs­kosten angeben. Dabei zählen aber nur die Kosten, die nicht vom Arbeit­geber über­nommen werden. Neben Lern­mitteln und Lehr­gangs­kosten können Arbeitnehmer in den ersten drei Monaten eines Kurses auch Verpflegungs- und Über­nachtungs­kosten absetzen (Fortbildung).

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