Bildungs­kosten Special

Ausgaben für die zweite Ausbildung zählen als Werbungs­kosten – Erst­ausbildungs­kosten nicht. Doch es gibt Tricks, diese Regelung zu umgehen.

Für Studien­anfänger hat Steuerberater Heinrich Braun einen besonderen Tipp: „Erst einen Taxi-Schein machen – und dann studieren.“ Denn so können hohe Kosten für ein Erst­studium, wie beispiels­weise Medizin oder eine teure Piloten­ausbildung, steuerlich vorteilhaft als Werbungs­kosten geltend gemacht werden.

Ansonsten gilt: Ausgaben für eine Erst­ausbildung zählen zu den privaten Lebens­kosten und damit nur als Sonder­ausgaben bis zu 6 000 Euro im jeweiligen Jahr. Das bringt den meisten wenig, da Sonder­ausgaben nur bei einem steuer­pflichtigen Einkommen ins Gewicht fallen.

Bildungs­kosten Special

Wer dagegen eine Erst­ausbildung in Zusammen­hang mit einem Dienst­verhältnis absol­viert – beispiels­weise ein duales Studium – oder eine erste Ausbildung abge­schlossen hat, kann Kosten für seine Aus- oder Weiterbildung unbe­grenzt absetzen und damit Steuern sparen. In Form eines Verlust­vortrags lässt sich eine Steuer­gutschrift sogar über mehrere Jahre mitschleppen. Sie zahlt sich dann aus, wenn erst­mals ein steuer­pflichtiges Einkommen existiert.

Rechts­widrige Steuer­regeln?

Braun hält die Unterscheidung zwischen Erst- und Zweit­ausbildung für rechts­widrig. Er vertritt aktuell 15 Piloten und Pilotinnen, die dafür kämpfen, ihre Erst­ausbildungs­kosten als Werbungs­kosten absetzen zu können.

„Eine Piloten­ausbildung kostet etwa 90 000 Euro. Da macht es einen großen Unterschied, ob ich die Kosten absetzen kann oder nicht.“ Braun hält die aktuelle Rechts­lage für eine Diskriminierung junger Menschen, die direkt nach der Schule mit ihrer Ausbildung beginnen. „Das ist ein schwerer Verstoß gegen das Grund­gesetz“, sagt er. „Früher oder später wird die Frage vor dem Bundes­verfassungs­gericht enden.“

Sechs Monate Ausbildung reichen

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Steuerlich vorteilhaft: Vor einem teuren Studium einen Taxi-Schein machen, Flug­begleiter oder Rettungs­sanitäter lernen.

Inzwischen hat der Bundes­finanzhof (BFH) die Hürde für die Anerkennung von Ausbildungs­kosten gesenkt. Anfang des Jahres fällte der zuständige sechste Senat ein bemerkens­wertes Urteil: Die Richter legten fest, dass es sich bereits bei einer sechs­monatigen Schulung zur Stewardess um eine abge­schlossene erste Ausbildung handelt (Az. VI R 6/12). „Berufs­ausbildung ist die Ausbildung zu einem künftigen Beruf. (...) Es ist kein Berufs­ausbildungs­verhältnis nach dem Berufs­bildungs­gesetz oder eine Ausbildungs­dauer von mindestens zwei Jahren erforderlich.“ Eine angehende Pilotin hatte geklagt, weil das Finanz­amt die Ausgaben für ihre zweite Ausbildung zur Pilotin von knapp 19 000 Euro in einem Jahr nicht als Werbungs­kosten anerkennen wollte.

Für Braun zeigt das Verhalten des sechsten Senats klar: „Die Richter wissen, dass die aktuelle Rechts­lage – das Unter­teilen in Erst- und Zweit­ausbildung – nicht halt­bar ist. Mit solchen Urteilen bieten sie jungen Menschen Schlupf­löcher, bis die Rechts­lage gekippt wird.“

Bis zum Bundes­verfassungs­gericht?

In einem der ersten Musterfälle, der Klage eines jungen Piloten aus Baden-Württem­berg (Az. VI R 2/13), wird Anfang 2014 ein Urteil vom BFH erwartet. Bislang haben die Finanzge­richte immer gegen die Steuer­pflichtigen entschieden, wenn es darum ging, die Bildungs­kosten der Erst­ausbildung als Werbungs­kosten zuzu­lassen. Nun gilt es aber als wahr­scheinlich, dass der Bundes­finanzhof nicht selbst urteilen, sondern das Verfahren dem Bundes­verfassungs­gericht vorlegen wird. Denn hält ein Gericht ein Gesetz für verfassungs­widrig, auf dessen Gültig­keit es bei der Entscheidung ankommt, dann kann es das Verfahren aussetzen und an das Bundes­verfassungs­gericht weitergeben. „Es kann noch Jahre dauern, bis wir eine Entscheidung haben“, sagt Braun. „Bis dahin brauchen junge Leute Umge­hungs­strategien. Deshalb lohnt es beispiels­weise, vor dem Erst­studium einen Taxi-Schein zu machen oder sich als Rettungs­sanitäter ausbilden zu lassen.“

Ausgaben, die zählen

Junge Menschen in Erst­ausbildung sollten in jedem Fall alle Ausgaben sammeln. Als Bildungs­kosten zählen:

  • Arbeits­mittel (wie etwa Computer, Drucker, Ordner, Kopier­kosten),
  • Arbeits­zimmer (Miete, Büromöbel),
  • Studien- und Seminar­gebühren,
  • Fahrt­kosten (Hin- und Rückweg),
  • Verpflegungs­pauschalen.

Wenn der Studien­ort nicht der Lebens­mittel­punkt ist, zählen auch Ausgaben für die Unterkunft und die doppelte Haus­halts­führung (BFH, Az VI R 78/10).

Tipp: Ab 2014 gilt für die Abrechnung das neue Reisekostenrecht.

Kosten richtig geltend machen

Damit die Ausgaben für die Bildung einen Steuer­vorteil bringen, müssen Betroffene eine Steuererklärung machen, einige Briefwechsel mit dem Finanz­amt in Kauf nehmen und hartnä­ckig bleiben.

Für die Steuererklärung ist es wichtig, dass oben auf dem Mantelbogen ein Haken bei „Erklärung zur Fest­stellung des verbleibenden Verlust­vortrags“ gesetzt wird statt bei „Einkommens­steuererklärung“. Lehnt das Finanz­amt diesen Antrag ab, sollten Betroffene Einspruch einlegen und das Ruhen des Verfahrens beantragen, indem sie auf eins der anhängigen Verfahren beim BFH verweisen, beispiels­weise auf das Aktenzeichen VI R 2/13.

Der Null-Bescheid

„Es kann sein, dass das Finanz­amt einen Einkommensteuer­bescheid schickt, der auf null Euro lautet“, sagt Braun. „So ein Bescheid nutzt nichts, er schadet massiv, wenn es darum geht, die angesparten Kosten in die nächsten Jahre zu tragen.“

Braun rät deshalb, gegen den Null-Bescheid Einspruch einzulegen, erneut Antrag auf Verlust­fest­stellung zu stellen und – wenn das Finanz­amt diesen Antrag ablehnt – wieder Einspruch einzulegen und das Ruhen des Verfahrens zu beantragen. „In keinem Fall sollten die Einsprüche zurück­genommen werden – auch wenn das Finanz­amt dazu auffordert“, sagt Braun. „Das Finanz­amt muss den Einkommens­steuer­bescheid aufheben und einen Verlust­fest­stellungs­bescheid erlassen.“

Tipp: Sofern die Abrechnung mit dem Finanz­amt freiwil­lig ist – und in den letzten Jahren keine Einkommensteuererklärung gemacht wurde – kann ein Antrag auf Verlust­fest­stellung noch sieben Jahre rück­wirkend gestellt werden.

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