Bildungsfonds Meldung

Anleger haben Geld – und Studenten brauchen es. Der Bildungs­fonds von ­Career Concept bringt beide zusammen. Er fördert mit dem ­Anlegergeld besonders begabte Studenten und verspricht den Einzahlern dafür eine „attraktive Rendite“.

Nicht in Immobilien oder Schiffe, sondern in helle Köpfe sollen Anleger investieren, die sich am „Bildungsfonds Exklusiv I“ der Münchener Career Concept AG beteiligen. Läuft alles gut, profitieren Studenten und Geldanleger davon.

Studenten erhalten eine Förderung, die sie später finanziell nicht übermäßig belastet, und Privatanleger eine ordentliche Rendite. Denn sobald die Studenten den erhofften Top-Arbeitsplatz haben, zahlen sie das Geld mit Zinsen zurück.

Insgesamt 10 Millionen Euro will ­Career Concept bis Ende Juni über die Sparkasse Leipzig und mindestens drei weiteren Sparkassen aus dem Bundesgebiet für den Fonds einsammeln. Weil die Nachfrage so stark sei, denkt der Anbieter über eine Verlängerung der Platzierungsphase und eine Erhöhung des Fondsvolumens auf das Doppelte nach.

„Pro Tag erhalten wir zirka 100 Bewerbungen von Studenten“, berichtet Career Concept. Für den Winter 2005/2006 ist der Nachfolgefonds Exklusiv II geplant.

Förderung für Top-Studenten

Anders als bei sieben Vorgängerfonds können sich erstmals alle Studenten – unabhängig von Studienort und Studienabschnitt – bewerben. Und erstmals stellen Privatanleger und nicht Unternehmen oder Stiftungen das Geld zur Verfügung.

Gefördert werden sowohl Erstsemester als auch Diplomanden oder Promotionsanwärter. Aussicht auf Geld haben aber laut Prospekt nur überdurchschnittlich leistungsorientierte, engagierte und motivierte Studenten.

Career Concept fördert bereits 1 100 Studenten. Die durchschnittliche Fördersumme liegt bei rund 12 000 Euro. Die Studenten bekommen über mehrere Jahre Monatsbeträge von 300 bis zu 1 250 Euro.

Zudem sind Einmalzahlungen bis zu 30 000 Euro möglich. Der Fonds übernimmt beispielsweise Studiengebühren an privaten oder ausländischen Universitäten.

Private Anleger können sich mit einer Einlage ab 5 000 Euro plus 5 Prozent Agio (Aufgeld) für mehr als 20 Jahre bis 2026 beteiligen. Dafür sollen sie laut Prospekt eine „attraktive Rendite“ erhalten.

Die Anleger bekommen ab 2007 jährlich Ausschüttungen, die sich aus dem zurückgezahlten Geld und den Zinsen zusammensetzen.

Ihre Einzahlungen fließen also nach und nach verzinst zurück. Die jährlichen Ausschüttungen sollen im Jahresdurchschnitt knapp 11 Prozent der Einlage und insgesamt 229 Prozent betragen, plant Career Concept.

Der Fondsanbieter prognostiziert eine jährliche Rendite von 6,1 Prozent nach Agio und vor Steuern bei einer Laufzeit von über 20 Jahren. Einem Spitzenverdiener mit einem Höchststeuersatz von zurzeit 42 Prozent plus Solidaritätszuschlag werden 4,5 Prozent in Aussicht gestellt, die nach Steuern übrig bleiben sollen.

Offen ist allerdings, welche Rendite wirklich herauskommt. Einen sicheren Zins kann es nach Auskunft von Career Concept nicht geben. Denn im Gegensatz zu herkömmlichen Bildungsdarlehen hängt die Höhe der Rückzahlung vom ­späteren Verdienst der Studenten ab.

Investoren können Geld verlieren

Wer viel verdient, zahlt mehr zurück als jemand, der wenig verdient. Fest steht nicht die Schuldenlast, sondern nur die Rückzahlungsdauer sowie der im Voraus vereinbarte Prozentsatz des Verdienstes, der monatlich für die Rückzahlung abgezweigt werden muss.

Der höchstmögliche Effektivzins, mit dem Top-Verdiener ihre Förderung zurückzahlen, ist im Prospekt mit 17,5 Prozent angegeben.

Es kann aber auch sein, dass Studenten weniger Geld zurückzahlen müssen als sie erhalten haben.

Die verdienstabhängige Rückzahlung wird nur in zwei Sonderfällen ganz oder teilweise durch ein konventionelles Darlehen mit fester Schuldensumme ersetzt, und zwar bei Studienabbruch und bei fehlenden Verdienstmonaten nach Studienende. Als fehlende Verdienstmonate werden längere Promotionszeiten, kurz- bis mittelfristige Arbeitslosigkeit (bis zu 6 Jahren) oder Kindererziehungszeiten im Zeitraum von acht Jahren nach Ablauf der Förderung gerechnet.

In diesem Fall muss die Förderung teilweise verzinst zurückgezahlt werden. Der Darlehenszins hängt vom Kapitalmarkt ab und würde zurzeit zwischen 7 bis 11 Prozent liegen. Das ist deutlich mehr als der Zinssatz von 5 bis 5,5 Prozent, den zum Beispiel die staatliche KfW Förderbank zurzeit für ihre künftigen Studienkredite angibt (siehe Geld fürs Studium: Kredite für die Karriere).

Natürlich hofft Fondsinitiator Career Concept, dass die geförderten Studenten später besonders einträgliche Arbeitsplätze ergattern. Denn der Verdienst wirkt sich direkt auf die Rendite der Geldgeber aus. Je deutlicher die Summe aller Rückzahlungen über den Fördersummen liegt, desto besser fällt die Rendite aus.

Wenn die Rückzahlungen aber um 15 Prozent geringer ausfallen als kalkuliert, liegt die Rendite laut Prospekt nicht bei 6,1 Prozent, sondern nur bei 3 Prozent. Bei einem Rückgang um 20 Prozent geht sie auf null zu. Bei noch höheren Einbußen kann der Anleger sogar Geld verlieren.

Andererseits rechnet Career Concept mit 9,5 Prozent Rendite, falls die Rückflüsse 15 Prozent höher liegen als geplant.

Bevor jedoch überhaupt eine Rendite für Anleger herauskommt, müssen die Kosten gedeckt sein, die Career Concept vom angelegten Geld abzieht.

Die Nebenkosten, die gleich zu Anfang der Anlage auf einen Schlag anfallen, machen erfreulicherweise nur 9,5 Prozent der Beteiligungssumme aus. Mehr ins Gewicht fallen die laufenden Kosten von rund 2,5 Prozent pro Jahr. Über die gesamte Laufzeit liegt die Kostenquote bei rund 3 Prozent der Einlagesumme pro Jahr.

Um die angepeilte Rendite von 6,1 Prozent nach Kosten und vor Steuern zu erreichen, müssen sich die Fördermittel im Schnitt also mit deutlich mehr als 6,1 Prozent verzinsen.

„Emotionale Rendite“ zählt mit

Niemand weiß, ob die verdienstabhängigen Rückzahlungen der Studenten hoch genug ausfallen, damit sich das Geschäft für die Investoren lohnt.

„Fakt ist in jedem Fall, dass die Förderer nur eine geringe Rendite auf ihr eingesetztes Kapital erhalten, die weit unter derjenigen liegt, die dem hohen Risiko angemessen wäre.“ So steht es auf der von Career Concept für Studenten eingerichteten Website www.bildungsfonds.de.

Vorstand Oliver Krieg will Geldgebern ­jedoch noch etwas anderes bieten: Menschen, die in Bildungsfonds investieren, wollen auch „besonders nachhaltig und mit gutem Gewissen“ anlegen. Im Prospekt ist von „emotionaler“ und „volkswirtschaftlicher Rendite“ die Rede.

Anleger des Bildungsfonds wollen denn auch nach Meinung von Career Concept „nicht primär Geld verdienen“, sondern sich an der Lösung eines gesellschaftlichen Problems beteiligen.

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