Firmen und Arbeitnehmer beteiligen sich noch zu selten an Weiterbildungen. Vor allem bildungsferne und ältere Menschen nehmen kaum teil. Zu diesem Fazit gelangt der Nationale Bildungsbericht 2008, der jetzt veröffentlicht wurde.

Für den Job dazulernen und das bis ins hohe Alter hinein: Das fordern Wirtschaft und Politik. Denn das Wissen verfällt immer schneller: Was gestern noch aktuell war, kann morgen schon veraltet sein. Damit werden die Themen Weiterbildung und lebenslanges Lernen immer wichtiger. Tatsächlich aber beteiligt sich die Bevölkerung an der allgemeinen und beruflichen Weiterbildung noch zu wenig. Immerhin: Der Rückgang der Teilnehmerzahlen an Weiterbildungen wurde im Jahr 2007 gestoppt. Das ist eine der Hauptaussagen zur Weiterbildung im Nationalen Bildungsbericht 2008.

Je höher die Bildung, desto stärker die Beteiligung

Demnach verharrt die Beteiligung an beruflicher Weiterbildung auf dem relativ niedrigen Niveau von etwa 26 Prozent. Hochschulabsolventen bilden sich dabei noch am häufigsten weiter: Im Vergleich zu Menschen ohne Berufsausbildung nehmen sie viermal so oft an Kursen und Lehrgängen teil. Bei den Berufsgruppen liegen die Beamten vorn.

Die wichtigsten Ergebnisse zur Weiterbildungsbeteiligung aus dem Bildungsbericht:

  • Berufliche Weiterbildungen, die von den Firmen angeboten werden, sind bei Arbeitnehmern weitaus beliebter als jene, die individuell organisiert werden müssen. Weil letztere viel Eigeninitiative voraussetzen, interessieren sich vor allem junge Menschen zwischen 19 und 29 Jahren dafür. Dagegen werden betrieblich organisierte Weiterbildungen vor allem von den 30- bis 49-Jährigen in Anspruch genommen. Menschen ab 50 sind bei Weiterbildungen generell selten vertreten.
  • Frauen beteiligen sich stärker als Männer an allgemeiner, also nicht-berufsbezogener, Weiterbildung. Dafür sind sie – insbesondere jene ab 30 Jahren – in der betrieblichen Weiterbildung deutlich seltener präsent als gleichaltrige Männer. Das liegt weniger an ihrer Qualifikation als vielmehr daran, dass sie zum Beispiel häufiger Teilzeit arbeiten.
  • Menschen, die Vollzeit arbeiten, haben eine fast dreimal höhere Chance auf eine Weiterbildung als Arbeitslose.
  • Fast jeder zweite Erwachsene in Deutschland bildet sich jährlich zwei Wochen weiter. Darunter fallen sowohl allgemeine, als auch berufsbezogene Weiterbildungen. Am längsten lernt die jüngste Altersgruppe der 19- bis 29-Jährigen, darunter insbesondere die jungen Frauen.

Deutsche Unternehmen im Mittelfeld

Mit einem Platz im hinteren Mittelfeld bleiben deutsche Firmen deutlich hinter Ländern wie Dänemark, Schweden und Frankreich zurück. Überhaupt sind die Weiterbildungsangebote deutscher Unternehmen zwischen 1999 und 2005 laut Bildungsbericht „deutlich gesunken“. Auffällig ist: Es kommt auf die Größe des Unternehmens und die Branche an. So nahmen im Jahr 2005 etwa 88 Prozent aller Großbetriebe ab 500 Beschäftigten an Kursen und Lehrgängen teil; bei Kleinunternehmen bis 49 Beschäftigten waren es nur noch knapp 50 Prozent. Zu den Branchen, die viel Zeit und Geld in die Weiterbildung ihrer Angestellten investieren, zählen vor allem das Kredit- und Versicherungsgewerbe und sonstige Dienstleistungen, kurz: die eher wissensintensiven Branchen. Angestellte im Bau- und Gastgewerbe sowie im Einzelhandel haben das Nachsehen. Ihre Chance, an einer Weiterbildung teilzunehmen, ist im Vergleich zu Angestellten in den weiterbildungsstarken Branchen um die Hälfte verringert.

Bestandsaufnahme des Bildungswesens

Der nationale Bildungsbericht erschien nach 2006 zum zweiten Mal. Er wurde von der Kultusministerkonferenz und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegeben und spiegelt den Stand des deutschen Bildungswesens wider. Im Einzelnen analysiert der Bericht die verschiedenen Bildungsbereiche, von der frühkindlichen Bildung über das allgemeinbildende Schulwesen bis hin zur Hochschullandschaft und der Weiterbildung im Erwachsenenalter. Der Schwerpunkt des Nationalen Bildungsberichts liegt in diesem Jahr auf den Übergängen nach der Schule in Ausbildung, Studium und Arbeitsmarkt. Er kann über die Homepage www.bildungsbericht.de kostenlos heruntergeladen werden.

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