Bildung für den Beruf Meldung

Für das erste Studium im Leben können Studenten wie Frederic Gurr bis zu 4 000 Euro im Jahr als Sonderausgaben absetzen.

Bildung erhöht nicht nur die Chancen: Arbeitnehmer, Arbeitslose und Studenten können auch bis zu 4 000 Euro Bildungskosten im Jahr absetzen – und viele sogar alles.

Marita Grünewald wollte es mit über 50 Jahren noch mal wissen: Die Grundschullehrerin schrieb sich als Studentin ein und studierte neben der Schule zwei Jahre lang das Fach Lebenskunde. Im vergangenen Sommer hat sie mit Erfolg die Staatsprüfung gemacht.

Das Studium war für die heute 53-Jährige nicht nur eine geistige Bereicherung. Sie hat seitdem auch gute Aussichten auf eine Beförderung. Denn jetzt kann sie ihre Schüler nicht nur in Geschichte, sondern auch in Lebenskunde unterrichten.

Werbungskosten ohne Grenzen

Bildung für den Beruf Meldung

Marita Grünewald hat zum zweiten Mal studiert und kann ihre Schüler jetzt auch in Lebenskunde unterrichten. Ihre ­Studienkosten rechnet sie voll als Werbungskosten ab.

Auch das Finanzamt honoriert das Studium der Grundschullehrerin. Sie kann die Ausgaben vollständig als Werbungskosten in der Steuererklärung angeben. Vor allem mit den Studiengebühren, den Kosten für Fachliteratur und Fahrten zur Uni und zur Arbeitsgemeinschaft hat Marita Grünewald bisher sehr viel Steuern gespart (siehe Tabelle).

Ein Zweit-, Ergänzungs- oder Aufbaustudium betrachtet das Finanzamt nämlich als berufliche Fortbildung, wenn ­Arbeitnehmer so mehr Geld verdienen wollen. Dann sind alle Ausgaben dafür Werbungskosten. Das gilt sogar, wenn das neue nichts mit dem alten Studium zu tun hat und einen Berufswechsel ermöglicht.

Arbeitnehmer können den günstigen Werbungskostenabzug aber auch nutzen, wenn sie Computer-, Sprach-, Meisterkurse und andere Fortbildungen machen. In diesem Fall müssen die Kurse aber für die Arbeit im gelernten Beruf nötig sein.

Ob die Fort- oder Ausbildung 1 000 ­Euro oder 30 000 Euro kostet, ist egal. Das Finanzamt erkennt alles an. Waren es bei Marita Grünewald zum Beispiel 10 000 Euro, hat sie damit 3 000 Euro Einkommensteuern gespart, wenn ihr persönlicher Spitzensteuersatz bei 30 Prozent lag. Besser geht es nicht.

Über die Pauschale kommen

Der Nachweis von Werbungskosten lohnt sich immer, wenn sie höher als der Pauschbetrag von 920 Euro im Jahr sind, den ­Arbeitnehmer dafür automatisch bekommen. Diese Pauschale überschreiten die meisten aber leicht. Oft ist schon die Fortbildung teurer als 920 Euro im Jahr.

Lehrer wie Marita Grünewald haben zu Hause außerdem häufig ein Arbeitszimmer, für das sie bereits 1 250 Euro im Jahr als Werbungskosten absetzen können. Andere kommen mit ihren Fahrten zur Arbeit über die Pauschale von 920 Euro.

Für die meisten zahlen sich berufliche Fortbildungen wie ein Computerkurs oder ein Zweitstudium deshalb beim Finanzamt aus. Ihre Ausgaben dafür tragen sie wie die Lehrerin Marita Grünewald vom ersten bis letzten Cent in die Anlage N zur Steuererklärung ein. Ist in dem Formular nicht genug Platz, listen sie alles auf einer formlosen Anlage auf.

Nicht nur Arbeiter, Angestellte und ­Beamte kommen auf diese Weise an Steuerersparnisse. Auch Arbeitslose und Mütter oder Väter in Erziehungsurlaub können Werbungskosten absetzen, wenn sie sich in dem Beruf fortbilden, in dem sie künftig auch arbeiten wollen.

Sie deklarieren ihre Ausgaben als vorab entstandene Werbungskosten in der Steuererklärung. Sind sie höher als der während des Jahres erzielte Lohn, verrechnet das ­Finanzamt den Rest mit anderen Einkünften  – auch mit denen des Ehepartners.

Können die Ausbildungskosten wegen fehlender Einkünfte nicht verrechnet werden – wie bei vielen Arbeitslosen  –, tragen die Finanzbeamten sie automatisch ins vorangegangene Jahr zurück oder auf Antrag in andere Jahre vor. Sie drücken die Steuerschuld der Vergangenheit oder Zukunft.

Auch Umschulungen abrechnen

Seit einigen Jahren sind sogar Ausgaben für Umschulungen Werbungskosten. Dafür hat der Bundesfinanzhof (BFH) in München gesorgt. Die erste, die dort gegen das Finanzamt gewonnen hat, war eine gelernte Industriekauffrau. Sie hatte als Arbeitslose eine Umschulung zur Fahrlehrerin ­gemacht und später auch in ihrem neuen Beruf gearbeitet.

Das Finanzamt wollte von ihren Ausbildungskosten trotzdem nur rund 460 Euro als Sonderausgaben abziehen. Die Richter am Bundesfinanzhof erkannten die Ausgaben dagegen als Werbungskosten an. Dadurch konnte die Frau Ausgaben in Höhe von 11 880 Euro absetzen.

Mittlerweile sehen auch die Finanzämter die Kosten für Umschulungen als ­Werbungskosten an. Es ist egal, ob der Umschüler arbeitslos oder fest angestellt ist. Er muss seinen Finanzbeamten nur ­davon überzeugen, dass er später im neuen Beruf Geld verdienen will.

Weniger fürs Erststudium

Auch Arbeitnehmer, die auf eigene Kappe neben der Arbeit das erste Studium ihres Lebens absolvieren, konnten ihre Studienkosten mithilfe des Bundesfinanzhofs schon mal voll als Werbungskosten absetzen – aber nicht lange.

In einem bahnbrechenden Urteil hatten die BFH-Richter im Jahr 2002 die Ausgaben einer Bankangestellten für ihr Studium der Betriebswirtschaft als Werbungskosten anerkannt. Die Frau konnte nur mit akademischem Abschluss ihre Stelle auf Dauer behalten. Sie hatte deshalb ohne Gegenleistung vom Arbeitgeber das erste Studium im Leben absolviert.

Die Finanzverwaltung schloss sich ­zunächst der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs an. Letzten Sommer hat die Regierung durch neue Regelungen das Urteil dann aber zusammen mit anderen wichtigen Gerichtsentscheidungen rückwirkend zum ersten Januar 2004 ausgehebelt. Die Folgen waren für den Staat zu teuer.

Seit 2004 sind Ausgaben für das erste Studium im Leben deshalb nur noch Werbungskosten, wenn die Studierenden  wie an Berufsakademien  dafür Lohn beziehen. Andernfalls können sie ihre Kosten nur als Sonderausgaben bis zur Höhe von 4 000 Euro im Jahr absetzen.

Ohne Dienstverhältnis erkennt das ­Finanzamt auch Ausgaben für die erste ­Berufsausbildung im Leben nicht mehr als Werbungskosten an, obwohl der Bundesfinanzhof auch das im Fall eines Piloten schon mal anders entschieden hat. Der Mann hatte sein Maschinenbaustudium abgebrochen und einen Schulungsvertrag zum Piloten bei einer Fluggesellschaft unterschrieben, weil er dort gute Aussichten auf einen Arbeitsplatz hatte.

Die Ausgaben für die Ausbildung von rund 8 300 Euro gab der Exstudent als vorab entstandene Werbungskosten in der Steuererklärung an, weil er damals keine Einnahmen hatte. Das Finanzamt sollte sie mit dem Verdienst in späteren Jahren verrechnen. Das taten die Beamten schließlich nach einem Machtwort des Bundesfinanzhofs.

Doch seit dem Jahr 2004 hilft dieses Urteil Auszubildenden ohne Dienstverhältnis nicht mehr weiter. Nur wenn sie  – so wie Lehrlinge im Betrieb  – mit ihrer Ausbildung Geld verdienen, können auch sie ­dafür noch ohne Ende Werbungskosten beim Finanzamt absetzen.

Bis zu 4 000 Euro Sonderausgaben

Ohne Arbeitsvertrag sind Ausgaben für die erste Berufsausbildung und das erste Studium nur Sonderausgaben. Das Finanzamt erkennt höchstens 4 000 Euro im Jahr an.

Vor 2004 haben die Beamten solche Ausbildungskosten meist sogar nur bis zur Höhe von 1 227 Euro im Jahr abgezogen. Studenten, die wie Frederic Gurr gleich nach der Schule und dem Zivildienst ein Studium begonnen haben, sind jetzt zum Beispiel besser dran als früher.

Der 23-Jährige, der in der Stadt Brandenburg Informatik studiert, ist bislang trotzdem auf seinen Studienkosten sitzen geblieben. Der Lohn, den er in den Semesterferien verdient hat, war so niedrig, dass er dafür keine Steuern zahlen musste. Der Student konnte deshalb mit seiner Ausbildung noch keine Steuern sparen.

Sonderausgaben wirken sich nämlich nur in Jahren aus, in denen Auszubildende Einkommen versteuern müssen. In Jahren, in denen die Steuerschuld so wie bei Frederic Gurr null beträgt, fallen sie unter den Tisch. Das Finanzamt überträgt sie nicht auf Jahre, in denen der Verdienst höher ist. Das tut es nur mit Werbungskosten.

Auch deshalb hatten viele Studenten ­gehofft, dass der Bundesfinanzhof auch­ ­ihnen das Tor zum Steuernsparen weiter öffnet und ihre Studienkosten als Werbungskosten anerkennt. Das ist durch die Gesetzesänderungen nicht mehr möglich.

Manchmal hat der Abzug als Sonderausgaben aber sogar Vorteile. Die Pauschalen, die es für Sonderausgaben wie Ausbildungskosten gibt, betragen nur 36/72 ­Euro im Jahr (Alleinstehende/Ehepaare). Deshalb bringen schon relativ geringe Ausgaben Steuerersparnisse.

In der Steuererklärung gehören Sonderausgaben auf Seite 3 des Mantelbogens. Ist dort zu wenig Platz, können sie auf einer formlosen Anlage aufgelistet sein.

Mit Schulabschlüssen sparen

Auch Kosten für das Nachholen des Abiturs, der mittleren Reife oder anderer Schulabschlüsse sind Sonderausgaben, von denen das Finanzamt bis zu 4 000 Euro im Jahr anerkennt.

Vor 2004 war auch hier bei 1 227 Euro Schluss. Jetzt können alle, die als Erwachsene wieder die Schulbank drücken, mehr als früher herausholen.

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