Für die Mehrzahl der deutschen Unternehmen sind Kontakte ins Ausland schon lange eine der wichtigsten (Über-)Lebensadern. Langsam entdeckt jetzt auch die Bildungsbranche, wie viel Exportpotenzial in ihren Trainingsmaßnahmen schlummert. Ohnehin ist Internationalisierung Pflicht - und das nicht nur, weil auch immer mehr Kunden global aktiv sind. Eine neue fremdsprachige Online-Datenbank der Initiative iMOVE soll den Bildungsträgern helfen, weltweit Aufträge zu gewinnen.

Die Konkurrenz macht es vor

Nach Schätzungen der Weltbank ist der globale Markt für Bildungsdienstleistungen zwar beachtliche 2,2 Billionen US-Dollar schwer, doch der deutsche Anteil daran ist noch recht überschaubar: Nur 16 Prozent der heimischen Anbieter haben sich bislang über die Landesgrenzen hinaus gewagt, wie eine Studie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) ergeben hat. Noch immer konzentrieren sich die deutschen Wissensvermittler überwiegend auf den nationalen Markt. „Aber die Globalisierung hält auch in dieser Branche Einzug“, sagt iMOVE-Leiterin Sabine Gummersbach-Majoroh. Die Konkurrenz ist schon um einiges weiter: Vor allem Amerikaner und Briten bieten ihre Bildungsdienste überall an und haben sich auch in Deutschland längst etabliert. So buchen beispielsweise deutsche Bildungshungrige durchaus schon Online-Kurse bei amerikanischen Instituten.

Deutsche Angebote genießen exzellenten Ruf

Die Beratungsstelle iMOVE soll dafür sorgen, dass Bildung aus deutschen Landen nicht den Anschluss verpasst. Denn eigentlich genießt sie weltweit einen exzellenten Ruf, ist Christoph Matschie, Parlamentarischer Staatssekretär im BMBF, überzeugt: „Training Made in Germany ist ein Qualitätssiegel wie Produkte Made in Germany.“ Mit seiner betriebsnahen Aus- und Weiterbildung verfüge Deutschland über eines der qualitativ hochwertigsten Ausbildungssysteme. Dessen Vorteile gelte es, international zu vermarkten, zumal der Bedarf an höher qualifizierten Arbeitskräften weiter steigen werde: „Hier tut sich ein enormer Markt auf, auf dem Deutschland seine Position sichern muss“, betont Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD). Chancen sehen ihre Experten unter anderem im Auf- und Ausbau der beruflichen Bildung in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern, als Wachstumsmärkte haben sie neben den mittel- und osteuropäischen Staaten vor allem China, Indien und den Arabischen Raum identifiziert.

iMOVE startet erste fremdsprachige Datenbank

iMOVE will die deutschen Angebote der beruflichen Weiterbildung für den internationalen Wettbewerb fit machen - und vor allem ihre Anbieter für den Sprung über die Landesgrenzen begeistern. Ende 2001 auf BMBF-Initiative beim Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) eingerichtet, steht iMOVE für „International Marketing Of Vocational Education“. Neben Information und Beratung gehören seit dem Start Fachtagungen, Seminare und Workshops sowie Informationsreisen zum Service. Jetzt ist zusätzlich die erste fremdsprachige Datenbank für Weiterbildungsangebote „Made in Germany“ gestartet: In sechs verschiedenen Sprachen finden Interessenten aus aller Welt sowohl Trainings, die in Deutschland stattfinden, als auch Maßnahmen, die weltweit angeboten werden.

Service für Anbieter: Marktanalysen

Für die Weiterbildner selbst liefert iMOVE auch einen internationalen Veranstaltungskalender mit Messe- und Kongress-Terminen, eine interaktive Börse für die Suche nach Kooperationspartnern sowie eine Linksammlung mit mehreren hundert Einträgen. Zudem gewährt das Portal mit umfangreichen Marktstudien Einblicke in den Weiterbildungsbedarf von 16 Ländern - beispielsweise China, Mexiko, Oman, Ungarn oder Thailand. In dem Königreich etwa sehen sich deutsche Anbieter demnach rund 800 etablierten Konkurrenten gegenüber. Der Einstieg in den Markt setzt iMOVE zufolge einen inländischen Teilhaber voraus, der sich mehrheitlich beteiligen muss. Und noch ein Hinweis ist wichtig: Wegen des geringen Qualitätsbewusstseins der thailändischen Nachfrager seien hohe Preise kaum durchsetzbar.

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