Nicht verzagen, wenn Digitalfotos verschleiert wirken oder falsche Farben zeigen: Gute Bildbearbeitungssoftware bügelt das aus. Schlechte Programme nerven jedoch mit unverständlicher Bedienung und knappem Funktionsumfang.

Fototermin im Tierpark. Imposante Flusspferde tummeln sich im Wasser. Das ist grün. Damit hat der so genannte Weißabgleich der Kamera (siehe Glossar) Probleme – auch das Foto wird grünstichig. Das lässt sich am Computer schnell mit einem Bildbearbeitungsprogramm korrigieren, oft mit einem einfachen Klick (1-Klick-Optimierung) auf eine Schaltfläche wie zum Beispiel „automatisch verbessern“.

Perfekt wird ein Foto aber erst mit ein paar Handgriffen. Bei den Hippos haben wir das Original (unteres Bild) in vier Schritten verbessert (Ergebnis siehe oberes Bild). Zuerst mit der einfachen und wirkungsvollen Tonwertko­r­rektur. Sie wirkt so, als würde ein Schmutzschleier entfernt, weil sie die mögliche Farbtiefe voll ausnutzt. Anspruchsvoller ist es, das Bildrauschen zu entfernen. Es ist in den dunklen Partien zwar nicht im Druck, wohl aber in der Vergrößerung am Computermonitor sichtbar. Entfernt wird es durch einen Weichzeichnereffekt.

Dann hieß es noch: Störungen reduzieren. Diese Funktion lässt im Wasser her­umtreibende Streu und Futterreste fast völlig verschwinden. Zuletzt schärften wir das Bild, um den ungewollten Weichzeichnereffekt der beiden vorange­gan­genen Arbeitsschritte zu kompensieren.

Mit den „guten“ Programmen im Test sind diese Standardkorrekturen zumindest manuell möglich, automatisch gelingen sie nicht immer oder nicht perfekt. Zoner Photo Studio beispielsweise findet für die Hippos einfach nicht die richtige Farbabstim­mung (mittleres Bild). Manuell einzugreifen ist mit diesem Programm erfolgreicher.

Eine weitere Standardkorrektur ist die Retusche rot geblitzter Augen. Dafür gibt es manchmal Automatiken. Adobe Photoshop Elements sucht im ganzen Bild nach den rot leuchtenden Pupillen und schwärzt sie ein. Ab und zu bleibt jedoch das eine oder andere Auge unbemerkt und folglich unkorrigiert. In diesem Punkt schlechte Programme wie Paint.NET färben auch mal Stirn und Wangen. In der Regel muss Auge für Auge markiert und korri­giert werden. Solche Handarbeit hat oft mehr Charme, nämlich wenn die Automatik auch den hellen Reflex des Blitzlichts auf der Pupille schwärzt. Er sollte aber besser erhalten bleiben, denn so wirken Augen lebendig.

100-Euro-Klasse im Vorteil

Ob grüne Flusspferde oder rot geblitzte Augen: Bildbearbeitung lohnt sich. Zu Digitalkameras oder Scannern mitgelieferte Bildbearbeitungssoftware ist oft älteren Datums oder im Funktionsumfang abgespeckt. Da gibt es Besseres. Die teureren Programme im Test (bis etwa 100 Euro) punkten mit großem Funktionsumfang, guten Automatikfunktionen und bequemer Nutzerführung. Sie decken beide Bereiche ab: Bildbearbeitung und Bildverwaltung, bis hin zur ansprechend gestalteten Diaschau für Fernsehgerät oder sogar den Beamer.

Wer es billiger will, muss Abstriche hinnehmen – am Funktionsumfang (besonders knapp: Aldi, dtp Die digitale Fotowerkstatt, Google Picasa) oder an der Handhabung (The Gimp, Paint.NET).

Außer Konkurrenz durchlief das von Profis geschätzte Adobe Photoshop CS2 (rund 1 000 Euro) den Test. Es glänzt mit enormem Funktionsumfang auch beim Bearbeiten hochwertiger 48-bit-Bilder (siehe Glossar) und mit sehr hoher Bildqualität. Es ist schnell und bereitet Bilder auch für den professionellen Druck auf.

Wir hatten die Messlatte jedoch mit Blick auf den Amateur angelegt – und dem ist das rund 90 Euro teure Adobe Photoshop Elements 4.0 der bessere Partner. Insbe­sondere, weil sein Funktionsum­fang zugunsten einfacherer Handhabung mehr Automa­tikfunktionen enthält. Außerdem: Nicht nur Photoshop Elements, sondern alle im Punkt Bildoptimierung „guten“ Programme führen bei vielen Funktionen durchaus zu vergleichbaren Bildern wie das Profiprogramm.

Und wie schneiden die kostenlosen Programme ab? The Gimp und Paint.NET halten bei der Bildbearbeitung mit „guten“ 90 und 100 Euro teuren kommerziellen Programmen mit. Woran fehlt es ihnen? An Funktionen zur Archivierung und zur Präsentation. Das und die kleinen Schwä­chen in der Bedienung verschmerzt der erfahrene Nutzer wohl gern. Schließlich kosten sie nichts.

Diaschau inklusive

Ein zweiter Schwerpunkt im Test waren die Möglichkeiten der Programme bei der Bildverwaltung. Ordnung ist das halbe Leben, zumal mit digitalen Apparaten wohl rund sechsmal mehr Fotos als zuvor mit Film „geschossen“ werden. Adobe Photoshop Elements und Ulead PhotoImpact halten „sehr gut“ Ordnung. Sie erfassen vorhandene Bilder auf Festplatte und CDs so, dass gesuchte Bilder schnell gefunden werden. Dazu werten sie unter anderem auch die Exif-Daten aus (siehe Glossar). Dann ist die Suche beispielsweise nach dem Datum des Fotografierens, der verwendeten Kamera (gut, wenn mehrere Kameras im Haushalt genutzt werden) oder der Belichtungszeit möglich.

Die kostenlosen Programme The Gimp und Paint.NET versuchen sich erst gar nicht an der Bildverwaltung, andere sind dafür kaum geeignet (dtp Die digitale Bilderwerkstatt). Da muss der Fotograf sorgfältig mit Bildordnern auf der Computerfestplatte arbeiten und die Bilder mit eindeutigen Namen verse­hen. Eleganter ist es, sie gleich beim Import von der Digitalkamera in einen neuen Ordner mit einem prägnanten Namen zu legen, wie: „Urlaub 2006 auf Usedom“. Der wird im besten Fall sogar automatisch auf die importierten Bilder „vererbt“.

Das Sahnehäubchen ist eine gelungene Präsentation der Bilder: im Internet, als Fotoalbum ausgedruckt oder als Diaschau auf CD oder DVD für Notebook oder DVD-Spieler. Adobe Photoshop Elements präsentiert die Hippos aus dem Zoo besonders gut, auch als Diaschau.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2414 Nutzer finden das hilfreich.