Diskussion, Leitung Prof. Klaus Meisel: Bildungstests: Bilanz und Ausblick

Podiums- und Plenumsdiskussion unter Leitung von Professor Klaus Meisel auf der „Bilanztagung Bildungstests“ am 4. November 2005 in Berlin.

Die Bildungstests haben sich als sinnvolles Instrument etabliert, betonte Professor Klaus Meisel vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE), der die abschließende Podiums- und Plenumsdiskussion leitete. „Bildungstests: Bilanz und Ausblick“ lautete hier die Überschrift. Auf dem Podium saßen Dr. Eva-Maria Bosch vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg, FU-Präsident Professor Dieter Lenzen, Klaus Luther vom BMBF sowie Dr. Theo Wolsing von der Verbraucherzentrale NRW und Dr. Peter Littig von der Dekra Akademie.

Einhellig plädierten Podium und Plenum für eine Fortführung der Weiterbildungstests auch über 2007 hinaus, dem Ende des bisher festgesetzen Förderzeitraums. Die Tests trügen als ein Instrument unter mehreren dazu bei, den Verbraucher zu stärken, der neuerdings lebenslang lernen müsse und mit den dabei zu treffenden Entscheidungen häufig überfordert sei.

Während die Teilnehmer die Wichtigkeit von Bildungsuntersuchungen einhellig bestätigten, wurde die Frage, inwieweit nicht auch das Outcome von Bildung bzw. der Transfer Bestandteil von Tests sein könnten, kontrovers diskutiert. Müsse man nicht – ähnlich wie bei Schuluntersuchungen inzwischen – auch verfolgen, inwieweit ein Kurs in Wirtschaftsenglisch tatsächlich den gewünschten Effekt bringe? Oder gar welchen beruflichen Aufstieg er zur Folge gehabt habe? Gerade auch die Firmen, die Mitarbeiter auf eigene Kosten in eine offene Weiterbildung schickten, würden wissen wollen, ob die Inhalte tatsächlich verwertbar seien. So wichtig zwar das Lernumfeld für den Einzelnen sei, müsse man dennoch darauf achten, das „Wellnesselement“, also Ausstattung, Service etc. nicht zu hoch zu bewerten.

Vor zu viel Regulierung des Marktes und zu viel Bürokratie warnten vor allem die Anbietervertreter unter Verweis auf immer neue Qualitätssicherungsinstrumente. Nach überwiegender Meinung existierten auf diesem weitgehend unregulierten Markt mittlerweile genügend Standards und Zugangsbestimmungen.

Laut Podium und Plenum sollen die Bildungstests künftig fünf Aspekte verstärkt bei der Arbeit beachten:

  1. Die Reichweite bei Nachfragern und Anbietern sollte verbessert werden. Nur mit einer offensiveren Veröffentlichungsstrategie könnten die Bildungstests bekannter werden.
  2. Der Dialog zwischen Bildungstests und Anbietern sollte ausgebaut werden. Nur wenn Anbieter tatsächlich Bescheid wissen, nach welchen Kriterien die Stiftung Warentest auswählt und testet, würden sich auch die Bildungsanbieter kritisch mit dem jeweiligen Thema auseinandersetzen, sich als Player begreifen und im Sinne der Nachfrage um eine verbesserte Qualität bemühen.
  3. Stärker als bisher müssten sich die Bildungstests im Qualitätslabyrinth zwischen den verschiedenen weiteren Qualitätssicherungsmaßnahmen wie Zertifizierung und Evaluation positionieren. Nur auf diese Weise lassen sich künftig Missverständnisse vermeiden, wie jenes, Bildungstests seien mit Akkreditierung gleichzusetzen.
  4. Wichtig sei auch künftig die Fokussierung der Tests auf erfolgversprechende Felder. Dabei sollte man jeweils Region und Zeitpunkt der Angebote hinterfragen: Hat man das richtige Objekt zum passenden Zeitpunkt in der geeigneten Region gewählt? Kann man wirklich die Betriebe außer Acht lassen, in denen ein Großteil der Weiterbildungen stattfindet? Gerade für den Endverbraucher sollte man den exemplarischen Charakter eines Tests noch transparenter machen.
  5. Mittelfristig schließlich sei zu überlegen, ob nicht der systemische Ansatz der Tests auch auf andere Bereiche, etwa Schule oder Hochschule, zu übertragen sei.

Auch künftig wird der Bund aller Voraussicht nach zuständig sein für die berufliche Weiterbildung und dieses Projekt finanziell nach Möglichkeit unterstützen. Die Qualitätssicherung in der Weiterbildung sei im Interesse des Staates, der Verbraucher und Anbieter. Dabei lasse sich der Innovationsbegrif zeitlich lange strecken – jedoch nicht gegen den Willen der Länder.

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