Dr. Werner Brinkmann: Schlusswort

Vortrag von Dr. Werner Brinkmann, Vorstand der Stiftung Warentest, auf der „Bilanztagung Bildungstests“ am 4. November 2005 in Berlin.

Wir blicken zurück auf eine Veranstaltung, mit deren Ergebnissen und Verlauf ich persönlich sehr zufrieden bin. Man muss hier die kleine Einschränkung machen, dass ich für die Mehrzahl der Teilnehmer nicht repräsentativ und möglicherweise sogar befangen bin. Aber ich würde mich natürlich freuen, wenn diese positive Einschätzung von den meisten von Ihnen geteilt würde.

Die Ergebnisse jetzt zusammenfassen, kann man nicht. Dafür waren die Themen zu vielfältig und die Meinungen und Auffassungen zu kontrovers. Dennoch möchte ich ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit einiges zusammenfassen, was mir haften geblieben oder für mich wichtig ist.

Zu wenig bekannt bei Verbrauchern und Anbietern

Zunächst einmal: Weiterbildungstest kann man machen. Eine grundsätzliche Kritik daran, dass diese Aufgabe methodisch nicht lösbar ist, habe ich heute nicht gehört. Und sie ist uns gegenüber auch in den letzten Monaten und Wochen nicht artikuliert worden. Wir können zweitens feststellen, Weiterbildungstests wirken, können wirken, beginnen zu wirken. Aber es gibt ein, zwei kleine Einschränkungen, die ich nun auch seriöserweise festhalten muss.

Die Bekanntheit der Weiterbildungstests ist noch zu klein. Das gilt zunächst einmal für die Nutzer selber. Das ist natürlich für die Stiftung Warentest, die sich mit zwei Magazinen hoher Auflage monatlich an die Öffentlichkeit wendet, eine Herausforderung. Was mich aber mindestens genauso hat aufmerken lassen, ist, dass die Bekanntheit auch bei den Anbietern noch relativ gering ist. Ich füge hinzu: Für mich zu gering. Die Einstellung der Anbieter ist teilweise negativ. Das ist nichts Besonderes. Das erfahren wir immer wieder. Wenn wir erstmals die Leistungen von Metzgern testen, sagen die Verbände und Innungen der Metzger: Man kann alles testen, aber nicht die Leistungen von Metzgern. Und genauso geht es uns, wenn wir die Leistungen von Apothekern untersuchen, denen wir in den letzten zwölf Monaten zweimal haben auf die Füße treten müssen. Auch von dort kam als Reaktion: Ihr könnt ja alles testen, aber Apotheken kann man nun gerade nicht testen. Von daher bei mir eine gewisse Gelassenheit der Aufnahme.

Produkttests – ein riesiger Aufwand

Was mich dann allerdings etwas elektrisiert hat, war das zunächst von Frau Waschbüsch, dann aber auch von Herrn Wolsing zitierte Beispiel, Waschmaschinen zu testen, sei ganz einfach, Dienstleistungen hingegen zu testen, Weiterbildung gar, hochkompliziert. Da geht dem Chef des deutschen Testveranstalters das Herz auf, wenn er so etwas hört. Und deswegen eine Bemerkung dazu: Waschmaschinen zu untersuchen, ist hochkompliziert. Was da als Argumentation kam – da gebe es Normen und man müsse nur die Schleuderleistung feststellen – ist mit Verlaub nur mit Unkenntnis zu erklären. Von der hohen Schleuderzahl wird die Wäsche nämlich weder sauber noch knitterfrei trocken. Das kann man nur prüfen, wenn man zuvor definierte Wäschestücke waschen und schleudern lässt und anschließend abmustert. Schon das ist hochkompliziert. Vor allem aber: Mit den Waschmaschinen haben sich diejenigen, die dieses Beispiel aufgegriffen haben, ausgerechnet eines der beiden Produkte ausgewählt, bei denen wir Lebensdauerprüfungen machen. Im Klartext: Bei jedem von uns durchgeführten Waschmaschinentest bleiben 60 Geräte ununterbrochen im Einsatz, und das über eine Zeitdauer von sechs Monaten. Das ist ein riesiger logistischer, organisatorischer und personeller Aufwand. Mit dem verglichen – Herr Kösters, Herr Rosenberger, ich vereinfache jetzt etwas – ist es nur eine Kleinigkeit, bei einer sozialwissenschaftlichen Untersuchung ein Dutzend Studenten mit einem Fragebogen in der Hand um den Häuserblock zu schicken.

Weiterbildungstests haben sich bewährt

Ich komme zurück zu den Dienstleistungen und zu Weiterbildungstests. Was haben wir noch erfahren? Unsere Marktdurchdringung ist zu gering. Das ist angesichts des atomistischen Marktes, den wir hier fast auf allen Angebotsseiten vorfinden, kein Wunder. Unsere Stichproben sind zu klein. Hier liegt noch eine Fülle von Aufgaben vor uns.

Und wie geht es überhaupt weiter? Da hat es ja interessante, überwiegend erfreuliche Andeutungen gegeben. Die Erfreulichste kam von Herrn Luther, der festgehalten hat, dass sich das vom Bundesbildungsministerium geförderte Projekt bewährt habe und dass es, wenn es finanzierbar ist – ich hoffe, ich zitiere Sie da jetzt korrekt – weiter geht, auf stabiler Basis. Das ist sehr erfreulich.

Die andere Frage, die sich auch aufdrängt: Kann man aus den Weiterbildungstests Bildungstests machen? Da sind heute – und das überrascht nicht – keine neuen Erkenntnisse gewonnen worden. Ich sage nur, weil ein Aspekt für mich ein bisschen zu lang in einer Phase in der Podiumsdiskussion eine Rolle spielte: Es gibt ganz verschiedene Methoden der überbetrieblichen Qualitätssicherung. Eine ist die Akkreditierung und Zertifizierung. Die hat ihren Sinn und ihre Funktion. Die macht die Stiftung Warentest aber nicht, auch nicht auf dem Gebiet der Weiterbildung. Wir machen vergleichende Untersuchungen. Wenn das Bundesbildungsministerium uns langfristig unterstützt, auch gerne über 2007 hinaus.

Bildungstests in Schulen und Hochschulen?

Das zweite Stichwort: Bildung, vom Themenfeld ausgeweitet auf Schulen und Hochschulen. Da hörte man aus der Sicht des Bundesbildungsministeriums eher Skepsis. Die kann ich verstehen. Ich fange mit dem einfacher zu beantwortenden Thema an: Schulen – das wäre eine gewaltige Aufgabe. Sie wäre rein quantitativ mit den Mitteln und Instrumenten der Stiftung Warentest, wie sie sie bisher hat, nicht zu bewältigen. Da müsste man nicht nur über die finanzielle Seite, sondern auch über die grundsätzliche Organisation neue Lösungen finden. Wenn die gefunden werden, wird sich die Stiftung Warentest nicht sperren. Ich bin aber persönlich skeptisch.

Hochschulen sind für mich ein deutlich spannenderes Thema, schon deswegen, weil wir die ja schon mal untersucht haben. Das hat sich dann leider nicht fortsetzen lassen, weil uns der Kooperations- und Finanzierungspartner – aus Gründen, die ich jetzt nicht erläutere – abhanden gekommen ist. Aber auch hier begeben wir uns auf ein Gebiet, wo wir fragen müssen: Wer ist überhaupt zuständig? Der Bund nicht, sondern die Länder. Und finden wir dann jemanden, der das finanziert? Herr Wolsing hat dankenswerter- und richtigerweise gesagt: „Der Brinkmann wird nicht nach München, Düsseldorf, Stuttgart, Wiesbaden und überall hinfahren und versuchen, irgendwo Mittel aufzutreiben.“ Als Vertreter einer Bundesinstitution sage ich: Natürlich nicht. Hier ist also zunächst die Finanzierung schwierig. Außerdem muss man das Öffnen des Anbieters, der Hochschulen, sicher stellen. Es gibt Untersuchungen, die man ohne eine bestimmte Mitwirkung des Anbieters nicht machen kann. Wenn man das alles schafft, freuen wir uns. Aber auch da bin ich nicht sicher, dass so etwas in den nächsten Jahren mit ernsthafter Aussicht auf Realisierung angedacht wird.

Allen Teilnehmern der „Bilanztagung Bildungstests“ und insbesondere den Mitwirkenden sage ich herzlichen Dank. Ich wünsche Ihnen einen guten Heimweg und ein schönes Wochenende.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2481 Nutzer finden das hilfreich.