Manfred Winter: „Was Weiterbildungstests anbieterseitig bewirken“

Vortrag von Manfred Winter, Geschäftsführer der GFN Training GmbH, auf der „Bilanztagung Bildungstests“ am 4. November 2005 in Berlin.

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Vortrag:

Guten Tag meine Damen und Herren!

Nachdem mein Vorredner, Herr Starke, in seinem Beitrag all die Prozesse beschrieben hat, welche auch in unserem Hause zur Qualitätssicherung eingesetzt werden, kann ich mich in meinem Kurzvortrag auf einige wenige Aspekte beschränken, die noch nicht angesprochen worden sind. So langweilen Sie sich nicht, weil Sie vieles zweimal hören, und ich bin sicher, dass Sie gerade der „andere Blick“, wie Frau Waschbüsch soeben sagte, der eines Trainingsanbieters, auch interessiert. Hier also meine Ausführungen:

Mögen Sie Tests? Sie vielleicht? Mag ich eigentlich selbst Tests? Das habe ich mich im Vorfeld der Veranstaltung heute gefragt und bin auf folgende Antworten gestoßen, in deren ersten Sie sich vielleicht auch ein bisschen wieder finden. Als Kind bis zum Alter von etwa 12 Jahren sehnte ich Tests herbei, war erfolgreich – das motivierte. Etwa wenn mein Großvater die „Zwei“ in „Betragen“ gut fand. Später, als die Pubertät kam, erschienen sie mir eher als notwendiges Übel, hätte sie als Student eher gern abgeschafft. Ging Ihnen das ähnlich?

Tägliche Auseinandersetzung mit Kritik von außen

In meinem Beruf nun, als Geschäftsführer und Betreiber von Trainingcentern, müssen meine Mitarbeiter und ich uns damit auseinandersetzen, wie andere uns bewerten. Wir müssen uns täglich der Kritik anderer stellen. Der Kritik von außen, von unseren Kunden und von denen, die sich als Interessenvertreter der Kunden sehen, z. B. der Stiftung Warentest. Und der von innen, von Kollegen der anderen GFN-Trainingcenter.

Wir? Ich vertrete als Geschäftsführer die Firma GFN. Und hier ein erster Eindruck von uns: Die GFN betreibt bundesweit fünf eigene Trainingsstandorte: Hamburg, Köln, Heidelberg, Stuttgart und München – und ist mit ihrem Angebot präsent an drei Partnerstandorten in Berlin, Dresden und Nürnberg.

Softskills und IT im Fokus

Unser Fokus sind IT-Training und Softskill-Training für folgende Zielgruppen:

35 Prozent unserer Umsätze erzielen wir mit Trainings im geförderten Bereich (QP), z.B. für Rehabilitanden; 8 Prozent mit Trainings in der Freizeit (WE), unter anderem für Berufstätige, die sich fortbilden, um ihre Arbeitsmarktchancen zu erhöhen. Das ist der Bereich, den die Tests der Stiftung Warentest vor allem betreffen, da vor allem hier Einzelpersonen die Kundenklientel sind. 33 Prozent unserer Umsätze erzielen wir mit Seminaren speziell für Unternehmen (FS) – auf deren Unternehmensbedürfnisse zugeschnitten, 19 Prozent mit Seminaren aus unserem Katalogangebot (OS). Die 4 Prozent sind der Anteil der so genannten „Bootcamps“ (BC): Kompaktseminare für absolute IT-Spezialisten. Auch hier finden sich in unseren Kursen einige Privatzahler. Soviel zur Kundenstruktur der GFN.

Ohne Feedback keine Weiterentwicklung

Doch zurück zum Thema – wie gehen wir als Anbieter mit der Tatsache um, unser Angebot ständig auf dem Prüfstand zu sehen? Äußerst positiv! Denn nur das Feedback von Kunden und deren Interessenvertretern, wie der Stiftung Warentest, gibt uns überhaupt die Möglichkeit, unsere Kunden in den Mittelpunkt unserer Bemühungen zu stellen.

Wäre das nicht so, könnten wir uns nicht ständig weiterentwickeln und würden unter Umständen irgendwann in unserem Elfenbeinturm Trainingskonzepte von größter Brillanz entwickeln, um dann leider feststellen zu müssen, dass uns niemand unsere Konzeptionen abkaufen würde, da sie völlig am Bedarf vorbei gingen.

Daher ist Feedback für uns so existenziell notwendig. Doch was bewegt uns im Vorfeld von Tests?

Damit wir als Anbieter von Tests zur Weiterbildung profitieren können, sollten sie aber nicht im stillen Kämmerlein entwickelt werden.

Kunden nach Vorgaben des Marktes ausbilden

Weiterbildung (im Bereich IT) muss berücksichtigen, dass

  • wir in Deutschland uns internationalem Wettbewerb stellen müssen, und deshalb Vorgaben der Kammern oder der Fraunhofer Gesellschaft allein nicht das Maß der Dinge sein können.
  • Es dürfen also nicht nur Beratungsqualität und Transparenz des Angebotes usw. gemessen werden, sondern auch, ob das, was der jeweilige Anbieter offeriert, internationalem Standard genügt.
  • Im Bereich IT gilt es zu beachten, dass neben zwingend notwendigen Grundlagenkenntnissen sowohl Produkte führender Hersteller wie Microsoft oder SAP zu schulen sind, als auch aufstrebende Open-Source-Lösungen. Denken Sie beispielsweise an Linux! Nur so ist sicher gestellt, dass der solcherart Trainierte auch mit seinem neu erworbenen Wissen auf einen ihn aufnehmenden Markt trifft. Als ich studierte, haben große Unternehmen zweijährige Traineeprogramme aufgelegt, etwa Siemens Nixdorf, und man konnte als Student – ich habe damals Mathematik studiert – in diese Unternehmen gehen und wurde zwei Jahre lang in diesen Markt hineinentwickelt und war dann für das Unternehmen ein tauglicher Mitarbeiter. Aber zwei Jahre hat es gedauert, den Uniabsolventen für das Unternehmen tauglich zu machen.
  • Verallgemeinernd sage ich, dass wir als Anbieter unseren Kunden gegenüber die unbedingte Verpflichtung haben, sie nach Vorgaben des Marktes auszubilden!
  • Noch einmal sei gesagt, dass auch wir es als förderlich ansehen, wenn
    – die Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln,
    – behindertengerechte Ausstattung,
    – Lernen förderndes Ambiente,
    – die Trainerqualität,
    – die Beratungsqualität und all solche Kriterien bei Tests untersucht werden. Dennoch meine ich: Wir alle sind gut beraten, wenn wir den internationalen Markt und seine Tendenzen beachten. Wir selbst sind gern bereit, unsere Erfahrungen in entsprechende Testszenarien einzubringen. Weiterhin entscheidend ist der Blick auf das, was nach dem Training geschieht (Transfer).

Das war ein Ausschnitt aus dem, was wir als anbietendes Unternehmen von Tests in der Weiterbildungslandschaft erwarten.

Interne Kontrollen der Angebote

Zum Schluss meiner wirklich nur kurzen Ausführungen zwei Anmerkungen zu bereits gesammelten Erfahrungen mit Tests: Die GFN wurde als Anbieter von Netzwerklehrgängen als bester Anbieter getestet, das hatte zwei interessante Auswirkungen: Einerseits wurde die GFN auf der Microsoft Homepage durch Nennung des Testergebnisses als Trainingspartner aufgewertet. GFN Mitarbeiter identifizierten sich mit dem Ergebnis, waren stolz, auch auf ihre Arbeit. Andererseits sahen sich die solcherart geadelten Mitarbeiter im Bereich Kundenberatung fortan – stärker als für das Unternehmen förderlich – allein als Berater. Vertriebliche Aspekte gerieten zum Teil in Vergessenheit. Nach einigen Gesprächen aller Beteiligten untereinander sind diese – so nicht erwarteten – Auswirkungen jetzt behoben. Und unsere Verkaufszahlen sind im Steigen begriffen. Gut so, denn wir leben von guten Verkaufszahlen. Wir haben aufgrund der Tatsache, dass wir getestet wurden, interne Kontrollen unserer Angebote eingeführt. Wie wir das machen, durch Einsatz von 007-Geheimagenten vielleicht, darauf möchte ich hier nicht näher eingehen. Soweit meine Ausführungen aus der Sicht eines Anbieters. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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